Review Pain – Coming Home

Als Musiker und Produzent erarbeitete sich Peter Tägtgren sicher nicht zu Unrecht den Ruf eines Workaholic: Während sich die Bands in seinem legendären Abyss-Studio die Klinke in die Hand gaben und Tägtgren ihren Alben weit mehr als nur den letzten Schliff verlieh, feuerte der Schwede selbst stets abwechselnd aus zwei Rohren: Als Fronter der Death-Metal-Legende Hypocrisy sowie Mastermind bei PAIN, seinem Industrial-Metal-Projekt.

Während Tägtgren seine Produzententätigkeit mittlerweile etwas zurückgefahren hat, hat sich an seinem Output-Level als Musiker wenig geändert: Dass seit dem letzten PAIN-Album „You Only Live Twice“ (2011) nunmehr bereits fünf Jahre ins Land gegangen sind, ist allein der Tatsache geschuldet, dass er das als Folgealbum konzipierte Material schließlich für sein Projekt mit Till, LINDEMANN, verwendete. Dass dessen Debütalbum Skills In Pills“ (2015) eher kritisch aufgenommen wurde, erhöht nur die Spannung, mit der nun, pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum,  das neunte PAIN-Album erwartet wird: „Coming Home“.

Was mit einer Western-Slide-Gitarre im Stile von „Have A Drink On Me“ zunächst noch recht gemächlich beginnt, startet sogleich ordentlich durch: Flottes Riffing und der super-eingängig intonierte Refrain „That’s Me, Designed To Piss You Off …“ lassen gleich von Anfang an die Herzen aller PAIN-Fans höher schlagen. Größere Geschütze fährt Tägtgren dann in „Call Me“ auf: Aufwändige Orchestrierung, bei deren Arrangement Clemens „Ardek“ Wijers von Carach Angren assistierte, trifft auf einen neuerlich griffigen PAIN-Refrain und Gastgesang von Joakim Brodén (Sabaton). Spätestens, als „A Wannabe“ dann Akustikgitarre und Orchester aufeinandertreffen lässt, ohne dabei die PAIN-typische Härte in den Riffs vermissen zu lassen, ist klar: „Coming Home“ ist als Industrial-Album an Vielseitigkeit kaum zu überbieten.

Der erste Eindruck täuscht nicht. Ob Post-Punk-Einschlag im Stile Killing Jokes in „Natural Born Idiot“ oder melodiös-poppiger Touch im textlich düsteren „Absinthe Phoenix Rising“, das den gewalttätigen Übergriff auf die Band 2008 in Leipzig thematisiert – die detailverliebten Arrangements lassen keine Langeweile aufkommen. Dennoch klingt das Album zu keiner Zeit übertrieben pompös oder unnötig bombastisch: Präsent, aber stets dezent in den Gesamtsound eingearbeitet, ergreifen die orchestralen Elemente nie die Oberhand. So herrscht auf dem Album trotz der vielen neuen Elemente klassisches PAIN-Flair vor, wie man es schon von den ganz frühen Alben kennt. Dass dabei nicht jeder Song das Zeug zum absoluten Hit mitbringt, ist bei der gebotenen Vielfalt ebenso verkraftbar wie der  vergleichsweise unspektakuläre Album-Abschmuss mit dem sehr ruhigen „Starseed“, das irgendwo in der Albummitte wohl besser aufgehoben gewesen wäre.

Mit „Coming Home“ legt Peter Tägtgren nicht nur die längst überfällige neunte PAIN-CD vor, sondern ein Album, das keinen Fan kaltlassen dürfte. Dank seines markanten Dancefloor-Metal-Unterbaus klingt „Coming Home“ zu jeder Zeit unverkennbar nach PAIN – energiegeladen und tanzbar – dabei jedoch zugleich vielschichtiger als alle seine Vorgänger: Akustikgitarren treffen auf Orchester, poppige Refrains auf knackige Riffs und die Hörer auf einen Peter Tägtgren, der auch nach 20 Jahren PAIN noch weiß, wofür er eigentlich gemacht ist: „That’s me, designed to piss you off“.

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Wertung: 8.5 / 10

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Ein Kommentar zu “Pain – Coming Home

  1. totale zustimmung.
    hier und da vllt etwas zu orchestral, aber von anfang bis ende: ein fetter ritt.
    die hohe hitdichte, die durchgängige tanzbarkeit und die phätten vocals; peter in bestform.

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