CD-Review: Pain - We Come In Peace (DVD)

Besetzung

Peter Tägtgren – Gesang, Gitarre

Live-Musiker:
Michael Bohlin – Gitarre
Johan Husgafvel – Bass
David Wallin – Schlagzeug

Tracklist

Live @ Debaser / Stockholm

01. Let Me Out
02. Dancing With The Dead
03. End Of The Line
04. Dirty Women (nur auf der Audio-CD)
05. Zombie Slam
06. Psalms Of Extinction
07. Suicide Machine
08. Nailed To The Gound
09. It's Only Them
10. The Great Pretender
11. I'm Going In
12. Monkey Business
13. Have A Drink On Me
14. Supersonic Bitch
15. Fear The Demons (nur auf der Audio-CD)
16. Same Old Song
17. Shut Your Mouth
Incl. Documentary & Behind The Scenes Footage

Live @ Masters Of Rock 2012 / Czeck
01. Crashed
02. Walking On Glass
03. I'm Going In
04. Monkey Business
05. Dirty Woman
06. I Don't Care
07. Fear The Demons
08. Dark Fields Of Pain
09. Eleanor Rigby
10. Stay Away
11. Bitch
12. The Great Pretender
13. Same Old Song
14. On And On
15. Shut Your Mouth (feat. Rob Dukes)

Videoclips:
Dirty Woman
The Great Pretender
Have A Drink On Me
Monkey Business
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Photo Gallery


Bei PAIN hat man es längst nicht mehr bloß mit dem kleinen, elektronischen Bruder der schwedischen Death-Metal-Legende Hypocrisy zu tun … füllt Metal-Koryphäe Peter Tägtgren mit seinem Sideproject mittlerweile doch mindestens ebenso große Hallen. Kein Wunder also, dass nach der unlängst erschienenen Hypocrisy-DVD nun auch bei PAIN eine Live-Rundum-Vollbedienung ins Haus steht – die erste in immerhin auch schon 15 Jahren Bandgeschichte, lässt man die doch eher als Bootleg zu sehende „Live Is Overrated“-DVD (2006) einmal außer Acht.

Und in der Tat: von „Rundum-Vollbedienung“ zu sprechen, ist hier wahrlich nicht übertrieben, bekommt der Fan für sein Geld in der limitierten Edition doch immerhin zwei komplette Konzerte als Video- (DVD/BlueRay) sowie Audio-Only-Mitschnitt (CD), die letzten fünf Videoclips der Band sowie die bei Musik-DVDs so obligatorische wie in Zeiten des Internets überflüssige „Photo Gallery“.
Los geht es mit dem Auftritt der Band in Stockholm – genauer gesagt einer Interview-Sequenz, in welcher sich der sturzbetrunkene Peter Tägtgrenwelcher zum Thema „Rockstar sein“ verständlich zu machen versucht. Nach diesem so kurzen wie unterhaltsamen Behind-The-Scenes-Clip geht es dann jedoch wirklich los: In sattes Blau getaucht, donnert „Let Me In“ aus den Boxen. Scharfes Bild, druckvoller Sound … was will man mehr? Also zurückgelehnt und in die Konzertatmosphäre abgetaucht.
Allein, nur wenige Minuten später – genauer: direkt nach Ende des Songs – wird man jäh aus seinen Träumen gerissen … durch einen weiteren Behind-The-Scenes-Clip nämlich. Mag auch dieser (PAIN, sturzbetrunken) per se ganz unterhaltsam sein, schwant einem bereits zu diesem Zeitpunkt Übles. Und in der Tat – mit „Incl. Documentary & Behind The Scenes Footage“ ist nicht etwa gemeint, dass dieses hier bloß beigefügt ist. Stattdessen wurde in jede Songpause ein Backstagevideo (zumeist: PAIN, sturzbetrunken) hineingeschnitten. Auf Kosten des Livemitschnitts, versteht sich, welcher durch diese zerstückelung in Einzeltracks gänzlich seiner Atmosphäre und Wucht beraubt wurde. Das ist so schade wie überflüssig – nicht zuletzt, da auch das Backstage-Footage am Stück in Form eines kurzen „Bonus-Roadmovies“ deutlich mehr Unterhaltungswert gehabt hätte.

Um gleich mit der Kritik weiterzumachen: Was in Zeiten des Internets und der damit einhergehenden ständigen Verfügbarkeit sämtlicher je veröffentlichter Video- und Bilddateien der Witz daran ist, eine DVD mit Musikvideos aufzufüllen, die man schneller in HD auf YouTube gefunden als man die DVD in den Player gelegt hat, hat sich mir noch nie ganz erschlossen; welchen Zweck jedoch die schlichtweg antiquierte Rubrik der „Photo Gallery“ erfüllt, ist mir gänzlich schleierhaft – wissen die hier gesammelten „Private Pics“ (richtig: PAIN, sturzbetrunken) doch dem Behind-The-Scenes-Material nichts mehr hinzuzufügen.

Doch zum Glück war das ja noch nicht alles – wartet das DVD-Package mit dem wohl nicht ganz zufällig dem Mond-Nazi-Trash-Kinoerfolg „Iron Sky“ entlehnten Titel „We Come In Peace“ ja noch mit einer zweiten Show auf.

Verewigt wurde hier der Gig des Quartetts vor der eindrucksvollen Kulisse des Masters Of Rock 2012 in der Tschechischen Republik. Auch hier gibt es hinsichtlich Licht, Bild und Sound nur Gutes zu sagen. Bezüglich des Klangs sogar in solchem Maße, dass man sich fragt, ob hier nicht bei der einen oder anderen Gesangsspur mit Overdubs nachgeholfen wurde. Im Endeffekt tut das aber nichts zur Sache. Denn selbst wenn hier getrickst wurde (was in der heutigen Zeit sowieso quasi obligatorisch ist), wurde es zumindest so gut gemacht, dass es dem Material nur dienlich ist: Denn genau so müssen PAIN klingen, genau so hat eine Live-DVD auszusehen! Vom ersten Song bis zum finalen „Shut Your Mouth“, bei welchem Exodus-Sänger Rob Dukes die Band stimmlich unterstützt, ein rundum gelungener Auftritt, welcher in seiner Gesamtheit perfekt für die Ewigkeit konserviert wurde.

Mit „We Come In Peace“ geben PAIN dem Fan ein mehr als amtliches Live-Dokument an die Hand: Was die Schweden hier qualitativ mit ihrer „Masters Of Rock“-Show abliefern, spielt im DVD-Sektor in der obersten Liga, und auch die Live-CDs wissen hinsichtlich der Audioqualität und der bis auf die unausweichlichen Überschneidungen bei den größten Hits erfreulich unterschiedlichen Setlists zu begeistern. Einziger Wermutstropfen bei dem ansonsten auch hübsch aufgemachten Package ist der Stockholm-Mitschnitt, welcher durch die eingearbeiteten Backstage-Videos im wahrsten Sinne des Wortes in Live-Clips zerschossen wurde. Das ist insofern schade, als sich die Hallenshow und der Festivalgig von ihrem Charakter her deutlich genug voneinander unterschieden hätten, als man auch beide als Konzertmitschnitt auf die DVD hätte packen können. Doch auch so bleibt „We Come In Peace“ eine Veröffentlichung, die keinem Fan fehlen sollte – repräsentiert die DVD doch auf eindrucksvolle Weise die Stärken dieser so sympathischen wie mitreißenden Band.

Bewertung: 9 / 10

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