Interview mit Sakis Tolis von Rotting Christ

1987 gegründet, gehören ROTTING CHRIST zu den wohl etabliertesten Extreme-Metal-Bands Griechenlands. In über einem Viertel Jahrhundert Bandgeschichte hat die mittlerweile als Duo agierende Band so einige Wandlungen durchgemacht. Seit kurzem steht mit „Kata Ton Daimona Eautou“ das neueste Werk der Truppe in den Läden – Grund genug für ein Gespräch mit Bandleader und Songwriter Sakis, der eben erst von der Südamerika-Tour zurückgekehrt ist.


Hi, danke, dass Du dir Zeit für das Interview nimmst. Alles gut soweit?
Besser als gedacht! Das klingt heutzutage komisch, aber es ist die Wahrheit.

Ich habe gehört, dass ihr auf Tour in Südamerika gewesen seid… welche Eindrücke hast Du dabei gewonnen und war es eine erfolgreiche Tour?
Südamerika hat uns immer mit offenen Armen empfangen und dieses Mal war es nicht anders. Es ist mehr als anstrengend gewesen, den ganzen Kontinent zu betouren (wir hatten 25 Flüge in 22 Tagen) undwir haben in vielen verschiedenen Gegenden unter schwierigen Umständen gespielt, aber das Ergebnis hat uns oft belohnt: Das Feedback war sehr gut … Lateinamerikaner halten den Spirit am Leben.

Hast Du irgendwelche witzigen Anekdoten von der Reise zu erzählen?
Jede Station war eine Erfahrung. Ich weiß nicht, ob man sie Anekdote nennen kann, es waren aber definitiv starke Erfahrungen. Es war ein nicht enden wollendes Abenteuer, das manchmal über unsere Grenzen ging, aber wir haben überlebt und nun sind wir stärker als je zuvor.

Lass uns über das neuste Album „Kata Ton Daimon Eautou“ reden. Zu aller erst: Glückwunsch, es ist toll geworden. Ihr habt einen Titel in eurer Muttersprache gewählt – ist das heutzutage schon so etwas wie ein Statement?
Nein! Ich gebe keine Statements. Alle Statements können belegt oder widerlegt werden. Ich wollte mich nur in meiner Muttersprache ausdrücken, einer vielfältigen Sprache mit Wurzeln, die bis zum antiken Griechisch reichen und ich wollte die Maxime KATA TON DAIMONA EAYTOY ausdrücken, deren Bedeutung ziemlich gut mit dem Band-Motto NON SERVIAM (Anm. d. Ü.: „Ich werde nicht dienen“) übereinstimmt. Das ganze Album hat nicht einmal einen englischen Titel. Es ist eine künstlerische, multikulturelle Äußerung, die beweisen kann, dass Metal keine Limits hat und in anderen Sprachen als Englisch vollführt werden kann.

Was macht „Kata Ton Daimona Eautou“ zu einem perfekten Albumtitel und was verbindest Du mit diesem Titel?
Ich glaube, die Antwort auf diese Frage habe ich dir eben schon gegeben.

Wenn Du euer Album in einem Satz beschreiben müsstst, was würdest Du Sagen?
Ein apokryphe und dunkle Form von Metal. Du kannst es nennen wie Du willst… aber es ist METAL!

Auf mich wirkst das Album sehr dunkel mit schweren Riffs und einem Fokus auf Atmosphäre, stimmst Du dem zu?
Atmosphäre war stets das wichtigste Ziel der Band, seit ihrer Geburt. Wir versuche auf jeder unserer Kreationen, Atmosphäre zu schaffen – das ist unser oberstes Ziel. Als der einzige Songwriter dieser Band versichere ich Dir, dass ich unzählige Stunden daran arbeite, ein Stück zu kreieren. Ich rede und philosophiere sehr viel mit mir selbst und wenn ich dabei Resonanz fühle, mache ich etwas daraus. Wenn ich eines Tages aufwachen sollte und diese Resonanz nicht mehr fühlen sollte, werde ich aufhören.


ROTTING CHRIST hat seinen Stil mehr als nur einmal komplett geändert. Was hat Dich in diese Richtung getrieben und was würdest Du sagen, dass Ihr jetzt am Ende eurer musikalischen Reisen angekommen seid oder wird der Stil zukünftiger ROTTING CHRIST Alben weiterhin unvorhersehbar bleiben?

Da ich ein begieriges Individuum bin, ist es wahr, dass ich immer nach neuen künstlerischen Richtungen suchen werde. Gleichzeitig bin ich meinen Wurzeln treu und versuche mich entwickeln. Ist das nicht, was die Natur befiehlt? Was sich nicht evolviert, stirbt!

Wie entsteht ein typischer ROTTING-CHRIST-Titel und bestehen Unterschiede zwischen eurem Songwriting-Prozess früher im Vergleich zu heute?
Ja, das hat sich grundlegend geändert: In der Vergangenheit habe ich Tonnen von Marihuana geraucht, um Lieder zu komponieren. Ich habe mir die Gitarre gegriffen und Stunden gewartet bis der Riff entstanden ist. Nun mache ich es anders. Ich fülle meinen Geist in unzähligen Stunden mit Gedanken und Untersuchungen, bevor ich anfange, ein Lied zu schreiben. Außerdem spielen wir unsere Instrumente nun besser … aber dies macht keinen großen Unterschied. Alles basiert auf der Idee. Du musst diese Idee einfangen und dafür brauchst Du einen Plan und unzählige Stunden des Nachdenkens.

Euer Sound ist sehr intensiv und mächtig – kannst Du uns etwas über den Aufnahmeprozess erzählen?
Ja. Ich habe alle Instrumente selbst aufgenommen, außer dem Schlagzeug. Die Produktion habe ich ebenfalls selbst gemacht. Aufgenommen habe ich mit der gewöhnlichen Ausrüstung, die man überall auf der Welt finden kann und ich bin froh, dass Jens Borgen mir mit dem Mixen geholfen hat, was das Album bezüglich des Sounds sehr groß klingen lässt.

Wieso hast du dich bezogen auf den Mix für Jens Borgen entschieden?
Weil ich glaube, dass er zur Zeit der heißeste Produzent ist. Er schafft es, den Sound brennen zu lassen.

Wieso würdest Du sagen, dass das Bild, das Ihr für euer Albumcover ausgewählt habt, das perfekte Artwork für diese CD ist?
Weil es einfach ist und Bedeutung hat … nicht wie diese ganzen vielfarbigen Photoshop-Cover. Einfachheit ist, was die Band ausdrückt und das Cover ist ein Teil dieses Ausdrucks, ein Teil unserer künstlerischen Message.

Habt Ihr bereits Rückmeldungen aus der Presse bekommen, und wenn ja: Bist Du zufrieden mit dem Ergebnis?
Das Feedback ist mehr als positiv und ich bin sehr zufrieden, dass wir mit unserer neuen Veröffentlichung zu den Seelen der Menschen sprechen können.

Ihr wart vor wenigen Monaten mit Cradle Of Filth und God Seed auf Deutschland-Tour. Denkst Du, dass es ein Nachteil für euch ist, dass das Album nocht nicht veröffentlicht war, als ihr auf Tour wart um es bewerben?
Es ist immer ein Nachteil, wenn man ohne neues Album touren muss, aber wir hatten keine Wahl. Wir werden unser bestes tun bald nach Deutschland zurückzukommen!

Man darf also bald wieder mit euch rechnen?
Ich werde mein Bestes tun. Deutschland ist ein wichtiger Teil unserer Tour, weil es den wahren Geist des Metals am Leben erhält. Es muss sich halt finanziell ausgehen, damit wir euer Land bald wieder besuchen können.

Werdet Ihr im Sommer auch ein paar Festivals spielen?
Wir arbeiten daran. Mittlerweile sind auch schon einige gebucht.

Das wäre es dann von meiner Seite. Danke für deine Antworten – wenn Du dem Ganzen noch etwas hinzufügen möchtest, hier ist deine Chance:
Non Serviam, Brothers And Sisters!

So soll es sein! Bitte lass uns das Interview mit einem kurzen Brainstorming beenden. Was kommst Dir als erstes in den Sinn, wenn Du die folgenden Begriffe liest:
Papst:
Nichts!
Europa:
Verschiedene Leute, die versuchen eine Familie zu sein und immer gegeneinander kämpfen!
Black Metal:
Die sinistre Form von Musik!
Fußball:
Ich bin davon besessen!
Deutschland: Toller Bürger … mit einer nicht so toller Regierung!