Interview mit Jim Gilmour von Saga

Sie gehören seit Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Neo-Prog-Szene und haben fast 40 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel. Sie waren (und sind) sehr stilprägend und gehören zu den größten ihres Bereichs. Die Rede ist von den fünf Kanadiern von SAGA.
In Hamburg hatten wir die Möglichkeit mit dem Keyboard spielenden (und teils auch singenden) Jim Gilmour ein Gespräch über das aktuelle Album, die Tour mit Magnum und das Internet zu führen.

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Euer neues Album „Sagacity“ steht in den Startlöchern und wird in wenigen Tagen veröffentlicht. Was dürfen wir erwarten?
Wir nutzen eine Menge neuer Sounds, unter anderem fürs Keyboard. Also gibt es vieles, was den Sound hier und da ein wenig verändert hat und ihn moderner macht. Trotzdem gibt es auch einige alte Klänge. Letztlich haben wir einige Programme mit ein paar neuen Sounds gefunden, um es frischer klingen zu lassen.

„Sagacity“ ist nun euer 21. Studioalbum. Worin siehst du die größten Unterschiede zum Vorgänger „20/20“?
Es ist definitiv anders. Wir haben viel Zeug geschrieben und als wir es geprobt hatten, sind wir in unser Studio gegangen um es aufzunehmen. Wir haben auch vieles improvisiert, Solos gespielt und ich habe auch einige Gesangspassagen aufgenommen, die auf das Album kamen. Es klingt dem entsprechend in vielen Punkten spontaner: Es ist vielleicht nicht ganz stereotypisch. Und unser neuer Schlagzeuger bringt auch frischen Wind.

Der Titel des Albums ist eine Art Wortspiel? Wer hatte die Idee und was habt ihr euch dabei genau gedacht?
Ich habe einen Typen gefunden, der mir das Albumcover vor einem Jahr zugeschickt hat. Das hat mir sehr beim Schreiben einiger Songs geholfen: Es hat mich inspiriert. Und dann waren wir in unserem Studio und die Plattenfirma wollte das Cover sehen. Also habe ich es der Band gezeigt und Jims (Crichton, Bassist – A.d.Red.) Frau dachte über das Wort „sagacity“ nach. Jim fragte mich „Was denkst du?“ und ich sagte „Klingt großartig!“. Das ist die Geschichte, die dahinter steckt.

Das neue Album war ursprünglich für April 2014 angesetzt. Wie kam es zu der Verschiebung des Release?
Wir sind nicht fertig geworden. (lacht) Wir haben das Album vor fünf Tagen fertig gestellt. Es wurde in unseren Hotelzimmern abgemischt. Daher die Verschiebung.

Wie lief das Songschreiben denn dieses Mal ab? Ist das bei euch von Album zu Album unterschiedlich oder läuft das alles etwa nach dem gleichen Schema ab?
Es ist mehr oder weniger das gleiche Schema: Anfangs schreibt jeder für sich selbst, dann gehen wir in unser Studio und hören uns die Ideen der anderen an – und das sind viele Ideen. Wir suchen uns die aus, die jeder mag. Sei es ein kurzer Teil oder auch ein ganzer Song. Und dann nehmen wir das Material, das wir mögen, und arbeiten von dort an gemeinsam daran.

Hast du schon ein Lieblingsstück vom kommenden Album und wenn ja, warum dieses?
Nicht wirklich. Da gibt es einige, die ich mag. Aber weil ich die Arbeitstitel der Lieder für mich verwende, kenne ich die richtigen Titel bis jetzt noch nicht. (lacht) „On My Way“ ist ein sehr einzigartiges Stück. Es hat ein langes Keyboardintro, ähnlich wie das auf „Too Much To Lose“ vom dritten Album.

Wie sehr hat sich denn euer neuer Schlagzeuger Mike Thorne am Songschreiben beteiligt? Und wie gut hat er sich bis jetzt in die Band integriert?
Er hat sich bis jetzt ziemlich gut integriert, aber er hat sich nicht am Songwriting beteiligt. Wir werden ihm unsere Demos zusenden, sodass er die Arrangements lernen kann.

Wo würdest du denn „Sagacity“ stilistisch einordnen?
Ich denke, es ist ein wenig alt und ein wenig neu. Es hat ein bischen was von den ersten, aber auch etwas von den neueren Alben.

Auf dem Cover der CD sieht man seit Langem wieder euer Maskottchen. Wie kam es dazu, dass es so lange pausieren musste?
Er musste sich sammeln. Er musste seine Waffen erneuern und seine Truppen zusammenbekommen. Weißt du, alles findet heute auf Facebook statt und viele Fans haben verlangt, dass er wiederkommt. Und ich hatte das Cover gesehen und dachte: „Wunderbar, das ist perfekt!“

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Fronter Michael Sadler ist nun seit 2011 wieder an Bord. Ist alles so wie früher oder hat sich doch merklich etwas in der Chemie verändert?
Nein, nichts. Nachdem wir das erste Mal mit ihm geprobt haben, fühlte es sich so an, als hätte er die Band nie verlassen.

Ich möchte auf die aktuelle Tour zu sprechen kommen: Dieses Mal tourt ihr mit euren Genre-Kollegen von Magnum. Wie läuft das untereinander ab? Geht ihr nach der Show auch mal was zusammen trinken oder macht ihr tagsüber was zusammen? Oder bewegt man sich eher auf Abstand und jeder macht sein eigenes Ding?
Es sind alles sehr nette Jungs und wir kommen gut miteinander aus, aber wir hängen nicht wirklich zusammen herum, weil wir unsere Headliner-Plätze wechseln. Es ist so: Wenn wir zuerst dran sind und eine zweistündige Fahrt vor uns haben, hauen wir ab und bleiben nicht länger als nötig vor Ort.

Ihr wart 2011 schon mit Marillion auf einer Doppel-Headliner-Tour. Wo siehst du die größten Unterschiede zu der damaligen Tour – abgesehen von der Musik.
Alles ist recht ähnlich. Sie sind auch englische Jungs. Ich finde aber die Jungs von Magnum freundlicher und offener.

Hat sich eigentlich euer Publikum im Laufe der Jahre geändert oder seht ihr heute immer noch in der ersten Reihe aufgeregte Jugendliche mit ihren Eltern?
Ein Großteil des Publikums ist mit uns aufgewachsen. Also sind da auch viele Besucher in unserem Alter oder sogar welche, die älter sind. Und es kommen viel mehr junge Menschen zu unseren Konzerten. Ich denke einfach, dass die Eltern den Kindern die Musik vorspielen und sie dann zu den Konzerten kommen. Und es kommen sogar wieder mehr Frauen zu unseren Konzerten. Ich vermute, dass sie unsere Konzerte besucht haben, als sie Teenager beziehungsweise Anfang 20 waren und nun geschieden sind und wieder anfangen, zu uns zu kommen.

Gibt es denn auch noch Länder in denen du gerne mal spielen würdest?
Ich liebe es, in Portugal, Spanien und Japan zu spielen.

Weil das Publikum da verrückter und enthusiastischer ist?
Ja. Wir hatten sogar Angebote, dort zu spielen, aber wir können nicht von hier den ganzen Weg dorthin für nur eine Show fahren. Das rechnet sich einfach nicht.

Und mit welcher Band würdest du heute noch gerne mal zusammen touren?
Hmm, ich weiß nicht. Vielleicht Rush. Aber ich habe darüber nie wirklich nachgedacht.

In der heutigen Zeit ist das Internet quasi unser ständiger Begleiter. Ist euch die Pflege von Online-Präsenzen wichtig oder setzt ihr immer noch auf den klassischen Weg mit den Magazinen?
Beides ist wichtig. Aber die Internet-Präsenzen werden immer wichtiger. Und heutzutage ist jeder auf Facebook, also muss ich da auch online kommen und mit den Fans reden. Aber die Fans lieben das.

SAGA_Sagacity_press pictures_credit Penny Crichton_3

Wo wir schon bei modernen Sachen wären: Wie kommt es eigentlich dazu, das ihr eure Alben noch auf Vinyl veröffentlicht? Ist das mehr die Tradition oder setzt man da auf die Tendenz, dass die LP wieder im Kommen ist?
Das legt die Plattenfirma fest. Das ist ihre Marketing-Sache. Unsere ersten Veröffentlichungen waren auf Vinyl und wir hatten nur acht Tracks zur Verfügung. Aber es ist die Sache der Plattenfirma und ich denke es ist eine gute Sache. MP3s sind komprimiert und man hat nicht den gesamten Sound. Deswegen bevorzuge ich auch noch das Vinyl.

Abschließend wagen wir mal ein Blick in die Zukunft: Was können wir in den kommenden Jahren noch alles von SAGA erwarten?
(Denkt lange nach) Das ist ein Geheimnis. (lacht)

Vielen Dank für das Interview!

 

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