Interview mit Jean-François Dagenais von Kataklysm/Ex Deo

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Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 6 der Serie unterhalten wir uns mit Jean-François Dagenais, dem Gitarristen von KATAKLYSM und EX DEO.

Hallo und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie geht es dir?
Hallo! Danke, dass du dich gemeldet hast. Mir geht es im Moment großartig, trotz der verrückten Zeiten, in denen wir leben. Die meisten Shows sind auf nächstes Jahr verschoben, aber mein Terminkalender im Studio wird momentan voller als je zuvor. Es zeigt sich, dass viele Bands die Ausfallzeit nutzen, um an Musik zu arbeiten und ich bekomme viele Anfragen, um Alben zu mixen und zu mastern. Also mache ich das sehr viel und arbeite an neuer Musik für meine beiden Bands KATAKLYSM und EX DEO.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich habe früh angefangen, als ich zwölf Jahre alt war. Ich war schon in diesem Alter ein großer Iron-Maiden-Fan und meine verdammt coole Großmutter hat mir zu meinem Geburtstag eine Gitarre geschenkt.

Was hat dich damals dazu gebracht, Gitarre lernen zu wollen?
Ich habe früh das Licht erblickt! (lacht) Adrian Smith, Dave Murray und James Hetfield waren damals meine Helden, ich wollte so spielen wie sie und mich auch musikalisch ausdrücken. Es wütete innerlich wie ein Sturm. Ich war so fasziniert von dieser Welt, die ich gerade entdeckte und wollte sie selbst erleben.

Hast du schon einmal ein anderes Instrument erlernt (oder erlernen müssen)?
Nein, Gitarre war mein erstes Instrument.

Erinnerst du dich, welches Modell deine erste Gitarre war?
Es war eine schwarze originale Gibson Flying V mit einem weißen Schlagbrett. Ich habe sie letztendlich Marcus Staiger von Nuclear Blast Records in Deutschland geschenkt, um sie im Büro auszustellen – als Dankeschön für all die Arbeit, die sie für meine Band geleistet haben. Aber seitdem favorisiere ich Flying Vs. Es fühlt sich für mich ganz natürlich an, auf ihnen zu spielen.

Wie viele Gitarren besitzt du?
Sehr viele! (lacht) Wahrscheinlich waren es mal über 20, aber ich habe letztes Jahr eine Menge davon verkauft, weil einige dieser Gitarren nur als Staubfänger in meinem Schrank standen. Ich dachte mir, dass andere sie vielleicht mögen und benutzen würden. Jetzt besitze ich noch etwa zehn Gitarren, hauptsächlich ESPs. Früher habe ich geglaubt, dass man nicht zu viele Gitarren haben kann, aber mir ist klargeworden, dass ich fast immer die gleichen spiele. Einige werden zu Lieblingsgitarren oder zur Standardgitarre, weil sie sich einfach danach anfühlen oder so klingen. Ich bin nicht der materialistische Typ Mensch, also reicht mir das.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Ja, ich habe immer ein paar Gitarren ausschließlich für Studioaufnahmen. Ich bin sehr pingelig, wenn es darum geht, wie eine Gitarre im Studio eingestellt sein muss. Die Gitarren, die ich mit auf Tour nehme, bekommen ja ordentlich was ab … so viele Flugreisen, der Anhänger vom Tourbus, die unterschiedlichen Wetterbedingungen … sie gehen durch die Hölle und zurück. Steven, mein Gitarrentechniker, ist bei denen ein echter Magier.
Außerdem spiele ich Sechs- und Siebensaiter in unterschiedlicher Stimmung. Das neue KATAKLYSM-Album, das demnächst erscheint, ist ausschließlich auf Siebensaitern aufgenommen.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
In erster Linie muss es die Stimmung halten, das ist für mich sehr wichtig. Dann natürlich das Spielgefühl, der Klang, der beim Spielen entsteht. Ich bin kein allzu ästhetisch orientierter Typ, das Aussehen des Instruments ist für mich nur eine Oberflächlichkeit. Ich habe Glück, dass ESP eine Reihe von Sondermodellen für mich gebaut hat, aber sie sind vom Design her sehr einfach gehalten. Viel schwarzer Lack und schwarze Teile! (lacht)

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Wenn ich lange mit der gleichen Gitarre auf Tournee gehe und mit ihr so viele großartige Shows und Festivals erlebe, hänge ich an ihr oder fühle mich ihr auf jeden Fall irgendwie verbunden. Ich würde aber nicht sagen, dass das auf spiritueller Ebene etwas anderes ist als die Tatsache, dass sie dir all die Jahre gut gedient und dich nie im Stich gelassen hat. Es ist eher eine Vertrauensbeziehung, die du zu diesem Instrument aufgebaut hast. Ich weiß, dass sie mich nicht im Stich lassen wird – was auch immer bei der Show passiert. Oder wenn ich einen Song schreibe, der am Ende wirklich gut wird, spüre ich die Verbindung. Etwa: Hey, diesen Song habe ich mit dir geschrieben!

Kannst du uns die technischen Details deines Custom-Modells erklären?
Ja, natürlich. Sie ist aus Mahagoni-Holz mit schlichter Ahorndecke, 27″-Bariton mit extra großen Bünden, dünnem, durchgehendem U-Hals und ausgestattet mit Fishman-Fluence-Pickups.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Dave Murrays klassische Strat würde rocken! (lacht) Da spricht der zwölfjährige Junge in mir.

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Ich spiele 0,88 mm Nylon-Plektren. Sie klingen für mich am besten – ich mag ihren Attack-Klang, wenn ich damit in die Saiten greife. Damit spiele ich; es gibt eine Firma, die mir Kataklysm-Custom-Picks gemacht hat, die ich den Fans schenke. Aber damit spiele ich nicht, ich bevorzuge die Nylon-Picks.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich stelle immer sicher, dass ich für das Monitoring Boxen auf der Bühne habe, denn ich liebe es, die Kraft des Gitarrensounds zu spüren, wenn ich mit den Jungs spiele. Aber ich benutze einen Profiler von Kemper, um meinen Sound überall dabei zu haben. Das Signal wird direkt an den FOH gesendet. Wenn du im Publikum stehst, ist das, was du hörst, der Kemper. Mein Sound ist ein Profil meines Peavey 5150, eines Maxon 808 Tube Screamers und einer überdimensionalen Mesa-Box, die ich in meinem Studio aufgebaut habe. Ich liebe es, dass ich diesen Klang einfach überallhin mitnehmen kann und dass er jeden Abend einheitlich klingt.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Mein Setup ist ziemlich einfach. Ich nutze einen Sound für die ganze Show. Ich mag zwar Delays und Hall an einigen Stellen, aber ich vertraue darauf, dass unser Tontechniker diese Effekte vom Mischpult aus hinzufügt, wenn es in den Songs gebraucht wird.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Ich kann diese Frage nicht wirklich interessant beantworten. (lacht) Ich habe nichts in der Effektschleife. Manchmal benutze ich auf der Bühne den Loop-Return für meinen Kemper, wenn ich einen echten Verstärker benutzen muss.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Auf jeden Fall den 808 Tube Screamer, ich benutze ihn für eine Extra-Gain-Ebene und um in Bereich der unteren Mitten etwas aufzuräumen. Generell geht es mir um viel Gain und Mitten in meinem Sound. Ich liebe präzise und scharfe, „cremige“ Metalsounds. Wenn man das so umschreiben kann. Ich habe diesen klassischen V-förmigen Smiley-EQ nie gemocht. (lacht)

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
In meinem Studio habe ich viele verschiedene Pedale und Effekte. Ich liebe es, mit allen zu spielen, um neue Klänge und Sounds zu erzeugen, die ich in meinen Mixes und Produktionen verwende. Mir geht es darum, die Dinge ins Extreme zu treiben, nur um zu sehen, wie etwas klingen könnte. Ich liebe das, manchmal passieren interessante Dinge, wenn man gegen die Regeln verstößt.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Auf jeden Fall, ich benutze es sogar ziemlich scharfgestellt. Es ist wichtig für mich, weil wir auf der Bühne ziemlich laut sind – ich brauche ein hartes Gate, um auszugleichen, wie laut die alles auf den Monitoren ist. Wir sind nicht so laut, wie Motörhead früher waren, aber man hat mir gesagt, dass wir ziemlich laut sind. (lacht)

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Mein Setup ist immer einfach, kompakt und bereit zu rocken. Ich versuche immer, Wege zu finden, um meine Sounds zu verbessern, aber ich mache diese Art von klanglichen Experimenten zu Hause oder speziell, wenn wir neue Musik aufnehmen. Ich probiere da lange herum, um sicherzustellen, dass das Resultat wirklich immer das Optimum ist. Die ewige Herausforderung meines Lebens! (lacht)

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Macht Musik, weil ihr es liebt. Erforscht eure Leidenschaft, kanalisiert eure Emotionen in eurer Musik, lasst euch von eurem Feuer durch unerforschtes Neuland tragen. Spielt nicht Musik, um berühmt zu werden, tut es aus Liebe zur Kunst und geht über das hinaus, was ihr für möglich gehalten hättet. Ich versuche, nach diesen Regeln zu leben und mir selbst treu zu bleiben.


Im nächsten Teil der Serie kommt Martin „Ducky“ Duckstein von SCHANDMAUL zu Wort!


Alle Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

Geschrieben am

Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

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