Interview mit Sebastian Ramstedt von Necrophobic

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Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.
In Teil 24 der Serie unterhalten wir uns mit Sebastian Ramstedt, Gitarrist von NECROPHOBIC.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich war neun Jahre alt, wir bekamen damals die Gelegenheit, in der Schule ein Instrument unserer Wahl zu lernen.

Was hat dich damals dazu gebracht, Gitarre lernen zu wollen?
Ich glaube, ich habe die Gelegenheit einfach ergriffen. Damals hatte ich noch keine richtigen Vorbilder. Als ich anfing, spielte ich klassische Akustikgitarre und habe noch gar nicht soweit gedacht, dass ich eines Tages E-Gitarre spielen könnte. Ich glaube, ich habe im Fernsehen Singer/Songwriter gesehen, die auf einem Hocker saßen. So habe ich mir das für mich selbst wohl auch vorgestellt, bis ich ein Jahr später den Heavy Metal entdeckte. Dann hat sich alles geändert.

Hast du schon einmal ein anderes Instrument erlernt (oder erlernen müssen)?
Nein, ich habe mit Gitarre angefangen.

Erinnerst du dich, welches Modell deine erste Gitarre war?
Zunächst habe ich mir die Akustik-Gitarre meines Vaters ausgeliehen. Mit Zwölf habe ich mir dann eine billige Les-Paul-Kopie der Marke Harmony gekauft. Sie hatte eine gelbe Sunburst-Lackierung, genau wie Ace Frehles berühmte Les Paul. DAzu hatte ich eine 12-Watt-Combo von Marshall. Der Tag, an dem ich lernte, wie man die Gitarre verzerrt, hat mein Leben verändert.

Wie viele Gitarren besitzt du?
Zwischen 15 und 20, aber ich kaufe und verkaufe ständing welche.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Ja, ich habe zum Üben einen Jackson SL2H, die auf E-Standard gestimmt ist. Meine Hauptaufnahmegitarre ist eine Jackson RR1. Dann habe ich eine in Es gestimmte Charvel/Jackson Dinky Mutt, die ich benutze, wenn ich etwas tiefergestimmtes lernen muss. Live benutze ich billigere Gitarren. Als Back-up habe ich eine Jackson King V Pro, aber meine Hauptinstrumente live habe ich mir selbst zusammengestellt. Ich nutze dafür einen Charvel Desolation Star DST-3 Korpus, japanische Jackson-Hälse und dann bessere Elektronik-Hardware und Tonabnehmer.

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Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Sie muss cool aussehen, sich gut anfühlen, gestimmt bleiben und ich sollte beim Spielen nicht darüber nachdenken. Eine gute Gitarre lässt mich meine Arbeit tun, und ich muss nicht um schlecht platzierte Potis oder so herumspielen.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Auf jeden Fall. Die Star-Gitarren, die ich baue, werden ein Teil von mir. Ich würde sie niemals verkaufen oder tauschen. Ich baue sie exakt nach meinem Bedarf und bemale sie sogar selbst. So werden sie zu etwas ganz Besonderem.

Hast du an deinen Gitarren spezielle Modifikationen vorgenommen oder handelt es sich sowieso um Custom-Modelle? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Ich modifiziere an meinen Gitarren jeden noch so kleinen Scheiß. Es gibt also echt kein Serienmodell, das ich einfach von der Wand eines Ladens herunterholen könnte. Ich nehme massenweise Änderungen vor, an den Tonabnehmern, am Layout, Tremolo und an der Ästhetik. Ich sage mir immer, dass ich das Instrument in Ruhe lassen werde, aber eine Woche später habe ich dann doch wieder angefangen, das arme Ding auseinanderzunehmen. Es ist ganz egal, ob es ein teures Instrument ist oder nicht. Wahrscheinlich würde ich eine Gitarre auch dann umbauen, wenn ich sie als Custom-Modell bestellt hätte. Ich möchte einfach immer wieder neue Sachen und Looks ausprobieren.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Es würde Spaß machen, ein Jackson STAR aus Meisterhand über den Custom Shop zu bestellen. Das Problem ist, dass das so verdammt teuer ist, dass ich mich nie trauen würde, das Instrument zu spielen. Ich würde mir Sorgen machen, Macken reinzumachen. Wenn ich noch größer träumen darf, würde ich gerne Chris Holmes Harley Star besitzen, die er in den 1980er-Jahren gespielt hat.

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Ich habe seit den 1990er-Jahren die Jazz III benutzt. Dann habe ich vor ein paar Jahren zu Gravity-Stelth-Plektren gewechselt, aber jetzt bin ich wieder bei den größeren Jazz III angekommen.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich bevorzuge den Peavey 6505 oder den 5150. Gewöhnlich haben die Veranstaltungsorte kein Problem damit, eines dieser Modelle anzubieten. Deshalb reise ich nie mit einem Verstärker.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Nein, ich habe ein kleines Pedalboard. Ich habe auch schon Multi-Effekt-Boards benutzt, aber wenn sie nicht funktionieren, ist alles im Eimer. Es ist besser, das Board in Teilen zu haben, sodass man das kaputte Teil bei Bedarf herausnehmen kann.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Zuerst habe ich ein Noisegate von Fortin Zuul. Dann das Boss-Stimmgerät, einen MXR 5150 Overdrive und zuletzt ein Mooer Reecho. Je nachdem, welcher Verstärker zur Verfügung steht, verwende ich den MXR als Overdrive zur Verstärkung des Verstärkers oder als eigenständiges Distortion-Pedal. Jetzt benutze ich diese Kette in die Input-Buchse. Vielleicht sollte ich das Delay in der Schleife verwenden, aber ich versuche, es so einfach wie möglich zu machen, da wir oft auf Festivals spielen und der Umbau so nur Sekunden dauert.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Definitiv das MXR 5150 Overdrive!

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Nein, ich bin nicht so sehr der Effekt-Typ.

Du benutzt ein Noise-Gate – warum?
Ja, für die Rhythmusgitarren, aber beim Solospiel schalte ich es immer aus. Bisher habe ich noch kein Noisegate gefunden, das wirklich transparent ist und den Klang nicht beeinträchtigt. Ich nutze viele kleine Variationen beim Anschlagswinkel, damit die Licks verschiedene unterschwellige Quietsch-Geräusche bekommen. Alle Noisegates, die ich ausprobiert habe, zerstören das. Besonders wenn man nicht hart anschlägt.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Immer bereit! Aber manchmal habe ich noch ein Wahwah-Pedal drin.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Stützt euch nicht auf Effekte. Lernt, eure rechte Hand richtig einzusetzen, den kleinen Finger der linken Hand zu benutzen und eure Gitarren richtig einzustellen. So könnt ihr dafür sorgen, dass sich eine billige Gitarre wie eine sehr teure anfühlt.


Im nächsten Teil der Serie kommt Vespasian von IMPERIUM DEKADENZ zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Publiziert am von und Uta A. (Gastredakteurin)

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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