Interview mit Tom Gabriel Fischer von Triptykon & Triumph Of Death

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 34 der Serie unterhalten wir uns mit Tom Gabriel Fischer von TRIPTYKON und TRIUMPH OF DEATH.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich habe Ende 1981 [mit 18, A. d. Red.] angefangen, Gitarre zu spielen.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Bis jetzt habe ich es noch nicht gelernt! Das müsste ich vielleicht bei Gelegenheit mal. Aber ich hatte damals mit meinem besten Freund den Wunsch, eine Band zu gründen. Wir fanden aber keinen Gitarristen und so musste ich das Instrument quasi gegen meinen Willen übernehmen. Ansonsten wäre die Band nie Realität geworden.

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt oder erlernen müssen?
Ich habe etwas Bass gespielt, ich wollte ursprünglich Bassist werden. Einige Jahre zuvor hatte mich meine Mutter genötigt, in den Akkustikgitarren-Unterricht zu gehen, doch dort wurde ich nach kurzer Zeit rausgeschmissen, da ich kaum je geübt habe. Die ganzen Pfadfindersongs im Gitarrenunterricht gaben mir rein gar nichts.

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Meine erste elektrische Gitarre war ein superbilliges Instrument von irgendeiner exotischen Firma, die Kopien herstellte. Ich kriegte sie nach hundert Vorbesitzern. Aber für mich war es eine neue Welt. Meine erste „richtige“ Gitarre war dann eine Ibanez, Model 2350 Les Paul Style.

Wie viele Gitarren/Bässe besitzt du?
Keine Ahnung. Wohl einige. Aber ich bin kein Sammler. Alle Gitarren und Bässe, die ich besitze, haben eine persönliche Geschichte für mich und werden auch aktiv gespielt.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Ich habe seit hundert Jahren keinen Urlaub gemacht. Und ich spiele im Studio generell genau dieselben Instrumente wie auf der Bühne. Mit Ausnahme vielleicht von speziellen Songpassagen, bei denen ein ganz spezieller Klang notwendig ist.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Es muss ein Teil von mir werden können und ich muss das von Anfang an spüren. Sonst wird das nichts. Ansonsten gehe ich davon aus, dass ich mir ohnehin nur technisch passende Instrumente ansehe oder sie nach dem Kauf zu meinem Gitarrenbauer bringe, um sie auf das notwendige Niveau umbauen zu lassen.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Wie gesagt spiele ich ausschließlich Instrumente, zu denen ich eine spezielle, persönliche Verbindung empfinde und die eine mit mir zusammenhängende Geschichte haben. Ich bin kein Sammler sondern Musiker … oder besser Songwriter.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen, oder ist es sowieso ein Custom-Modell? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Alle meine Gitarren und Bässe haben kleine oder größere Veränderungen erfahren, die für mich typisch sind. Das geht – aufgrund unserer in der Regel sehr dunklen Konzerte – von der Vergrößerung der oberen Nack-Inlays über die Tonabnehmer, bei denen ich bei allen Gitarren dasselbe Modell bevorzuge, bis hin zur perfekten Ausbalancierung und einigen anderen kleinen Details.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Nun, ich spiele seit 1981 Rickenbacker-Bässe, weil ich dieses Instrument damals aufgrund von Geddy Lee, Glenn Hughes und Lemmy [Rush, Deep Purple bzw. Motörhead, A. d. Red.], lieben gelernt hatte.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich spiele Marshall JCM 800, Model 2203 100 Watt Heads. Bei Konzerten im Inland oder nahen Ausland bringen wir stets unsere eigene Backline, bei Konzerten mit größerer Distanz wird alles angemietet. Aber selbstverständlich muss das angemietete unseren Vorgaben einhundert Prozent entsprechen, sonst findet das Konzert nicht statt.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Grundsätzlich entsteht der charakteristische Klang eines Gitarristen aus der Art, wie er die Gitarre spielt. Diese Tatsache wird heute oft übersehen, da es einen Überfluss von Effekten gibt. Doch sie ist die vielleicht wichtigste Komponente eines Sounds – wenn man denn einen eigenen Charakter besitzt. Ansonsten benutze ich ganz spartanisch genau das, was ich zur Umsetzung der Songs brauche.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Das ist in allen drei Projekten, in denen ich spiele, unterschiedlich – je nach Bedarf. Näher möchte ich darauf nicht eingehen. Es gibt schon so genügend Kopisten für alles in der Musikszene, auch ohne dass ich noch die Vorlage dazu liefere. Ich bin eigentlich ganz froh, dass die vielen online zu findenden Hinweise auf meinen Effektgebrauch zumeist fehlerhaft sind.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Ich sehe nicht ein, warum ich dann spielen sollte. Dann lieber nicht.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt, als eigentlich vorgesehen, oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Ich benütze oft einen Röhrensimulator, obwohl ich durch Röhrenverstärker spiele.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Warum sollte ich? Ich mache meine Musik nicht für meine Großmutter.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Für die einzelnen Projekte sind die Effektpedalboards seit Jahren unverändert.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Ohne Geduld und Demut geht gar nichts.


Im nächsten Teil der Serie kommt Eike (ZSK) zu Wort!


Alle Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

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