Interview mit Sylvaine von Sylvaine

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Brandaktuelle Musik gibt es von SYLVAINE derzeit nicht zu hören. An Gesprächsstoff mangelt es mit dem faszinierenden Debüt „Silent Chamber, Noisy Heart“ (2014) sowie dem bereits weit fortgeschrittenen Entstehungsprozess zu dessen Nachfolger dennoch nicht. Erfahrt hier, wie SYLVAINE die Euphorie um ihr Debüt aufgenommen hat, was man vom nächsten Album erwarten darf und was Neige (Alcest) mit alledem zu tun hat.

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Als Herkunftsangabe steht bei dir bei Facebook „Oslo, NO /Paris, FR – was davon stimmt und wo bist du gerade?
Eigentlich komme ich aus Kalifornien, bin aber in Oslo aufgewachsen. Dort habe ich auch den Großteil meines Lebens verbracht, bevor ich unlängst nach Paris umgezogen bin. Jetzt lebe ich die meiste Zeit in Paris, fahre aber so oft es geht nach Oslo. Momentan genieße ich aber den heißen Sommer in Paris.

Dein erstes Album, „Silent Chamber, Noisy Heart“ ist nun neun Monate alt – wie fühlt es sich heute an, die Songs zu hören?
Um ehrlich zu sein, höre ich sie mir eigentlich nicht an. Es fühlt sich immer noch etwas komisch an,
das album anzuhören, weil alles für mich noch relativ frisch ist. Ich neige dann dazu, all die Fehler herauszuhören und alles, was ich heute anders machen würde, anstatt es als das zu würdigen, was es ist. Ich glaube aber, das ist für einen Musiker ganz normal. Vielleicht kommt der Tag, an dem ich mir das Album auch ganz entspannt anhören kann.

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Bist du mit den Songs und dem Sound denn generell noch zufrieden?
Dieses Album zu veröffentlichen, war für mich ein großer Schritt in meiner Karriere als Musikerin, weil ich vorher nie genug Selbstvertrauen hatte, etwas derartiges zu machen. Insofern, auch wenn es natürlich Raum für Verbesserungen und Dinge gibt, die ich heute anders machen, bin ich trotzdem stolz auf das Album. Mit der Produktion bin ich auch noch zufrieden – deshalb werde ich für mein zweites Album auch mit den gleichen Leuten arbeiten.

Die Reaktionen auf das Album sind extrem gut ausgefallen – hast du dir ein solch überwältigendes Feedback erwartet?
Ich wusste wirklich nicht, was ich erwarten soll, als ich mich endlich dazu entschieden hatte, “Silent Chamber, Noisy Heart“ zu veröffenlichen. Insofern kannst du dir vermutlich vorstellen, wie überrascht ich war, zu sehen, dass das Album scheinbar Leuten aus der ganzen Welt etwas gibt. Es war surreal, aber auch überwältigend, all dieses positive Feedback von Fans aber auch von der Musikpresse zu bekommen. Einen besseren Start hätte ich mir wirklich nicht wünschen können!

Die CD heißt „Silent Chamber, Noisy Heart“ – welche stille Kammer lässt dein Herz so laut schlagen?
sylvaine 06Der Titel des Albums hat für mich verschiedene Bedeutungen und reflektiert, wie es entstanden ist: In der Nacht, wenn alle anderen sich zur Ruhe gelegt haben und alles still war, musste ich feststellen, dass ich oft mit all dem Chaos in mir konfrontiert war. Ohne die Ablenkungen des Alltags bist du gezwungen, all das zu sehen, was nicht richtig läuft. Als Musikerin habe ich all diese Gefühle genommen und zu Musik gemacht. Insofern würde eine sehr wörtliche Interpretation des Titels nahelegen, dass die Kammer mein Zimmer in der Nacht war.

Du schreibst alle Songs alleine. Was inspiriert dich und wie gehst du dabei vor?
Es gibt keine Regeln beim Musikmachen. Insofern ändern sich die Abläufe oft. Normalerweise fange ich mit der Musik an, genauer mit den Gitarren, und schreibe später die Texte dazu, aber ich habe das auch schon umgekehrt gemacht. Was meine Inspiration angeht,
ist Musikmachen ein sehr kathartischer Prozess für mich. Das ist nichts, das ich nur aus Freude an der Sache mache, sondern etwas, das ich machen muss, um mich in meinem Leben komplett zu fühlen und um Dinge zum Ausdruck zu bringen, für die ich keine andere Sprache finde. Die Mischung aus Glück und Melancholie, die äußere gegen die innere Welt, Natur gegen Urbanität – all das beeinflusst mich und meine Musik. Von außen kommen dann natürlich auch andere Musik, Kunst, Natur, Literatur, schöne Orte und dergleichen dazu. Ich lasse mich sehr von visuellen Dingen inspirieren.

Du spielst alle Instrumente selbst ein – hast du auch den Schreigesang in „It Rains In My Heart“ selbst gesungen?
sylvaine 05Ja, das bin ich. Ich werde das auch auf ein paar Songs meines kommenden Albums wieder tun. Als ich die Screams für das erste Album aufgenommen habe, hatte ich darin nicht viel Erfahrung. Ich habe es einfach ausprobiert und war mit dem Resultat sehr zufrieden.

Du arbeitest wie bereits angedeutet ja derzeit am Nachfolgealbum. Wie weit bist du derzeit und wann soll die CD erscheinen?
Das Album ist bereits geschrieben und aufgenommen. Momentan bereite ich alle Files für das Abmischen vor, das im September beginnen soll. Bisher gibt es kein geplantes Release-Date, aber ich hoffe auf Frühjahr oder Sommer 2016.

Was dürfen wir von dem Album erwarten? Gibt es Aspekte in deiner Musik, die du geändert hast, oder aber definitiv nicht ändern wirst?
Ich denke, das zweite Album ist die natürliche Weiterentwicklung von “Silent Chamber, Noisy Heart”. Die Musik ist noch näher an dem, was ich mit SYLVAINE erreichen möchte als das auf dem Debüt der Fall war. Außerdem ist das zweite Album düsterer, enthält längere Songs und eine breitere Vielfalt an Ausdrucksformen – auf der CD sind schnelle Metalsongs genauso zu finden wie minimalistische Ambient-Nummern. Ich bin mit dem Album wirklich sehr glücklich und kann es gar nicht erwarten, es veröffentlicht zu sehen!

Neige von Alcest ist für das neue Album am Schlagzeug gesessen – wie bist du mit ihm in Kontakt gekommen?
Ich habe Neige vor ein paar Jahren auf einer Alcest-Show getroffen und bin mit ihm seither in Kontakt geblieben. Als ich mein erstes Album veröffentlicht habe, hat er viel Begeisterung für meine Musik gezeigt und mein Projekt im Auge behalten. Letztes Jahr haben mich Alcest dann mit auf Tour nach Südamerika genommen, wo wir schon über eine mögliche Zusammenarbeit für mein nächstes Album gesprochen haben. Wir hatten beide das Gefühl, dass sein Schlagzeugspiel den Songs nochmal etwas sehr interessantes geben könnte, also haben wir es auf einen Versuch ankommen lassen. Am Ende kann ich sagen, dass es einfach perfekt gepasst hat und ich wirklich froh bin, so einen großartigen Gastmusiker auf meinem Album zu haben!

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Planst du, mit SYLVAINE künftig auch mehr live zu spielen?
Ich habe bereits Musiker um mich geschaart, um ein Live-Lineup für SYLVAINE beisammen zu haben. Wenn ich also nächstes Jahr auf Tour gehe, dann mit einer Band im Rücken. Was die Studioarbeit angeht, werde ich aber alleine bleiben. Der Grund, weshalb ich SYLVAINE vor allem gegründet habe, war, dass ich Musik machen wollte, die viel persönlicher ist als die Musik, die ich mit all den Bandprojekten davor gemacht habe. Damit das auch so bleiben kann, halte ich es für wichtig, dass ich auch komplett frei bleibe, was meine Entscheidungen angeht.

Vielen Dank für das Interview – zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Alcest
: Eine meiner Lieblingsbands und ein paar der nettesten Jungs, die du im Musikbusiness heutzutage finden kannst.
Metal: Ein extrem wichtiger Teil der Musik und auch von mir. Heimat für einige der besten Bands und Leute auf der Welt!
The Biggest Loss Of All: Der Opener meiner ersten Tour mit SYLVAINE. Wird deshalb immer ein besonderer Song für mich bleiben.
Bisheriges Lieblingsalbum 2015: Unter anderen: Marriages – Salome, Crown – Natron, Chelsea Wolfe – Abyss.
Crown: Wahnsinnsband! Ich kann es kaum erwarten, sie auf dem Motocultor-Festival live zu sehen.
SYLVAINE in zehn Jahren: Dabei, mein fünftes oder sechstes Album zu veröffentlichen und hoffentlich mehr als je zuvor am touren, um so viele Leute wie möglich auf der Welt mit meiner Musik zu erreichen.

Nochmal danke für deine Zeit. Gibt es noch etwas, das du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Vielen Dank für das Interview und an alle Leser vielen Dank, dass ihr euch mit dem Interview beschäftigt habt! Es war mir ein Vergnügen! Ich kann es kaum erwarten, mein neues Album mit euch allen zu teilen!

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1 Kommentar zu “Sylvaine”

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