Sylvaine - Nova Cover

Review Sylvaine – Nova

Von den vielen Künstler*innen, die stilistisch bei Alcest in die Lehre gegangen sind, kann Katherine Shepard mit Recht als die herausragendste angesehen werden. Seit die Norwegerin mit dem ergreifenden Debüt „Silent Chamber, Noisy Heart“ (2014) ganz auf sich allein gestellt ihr Projekt SYLVAINE aus der Taufe gehoben hat, ist ihr Stern weiter und weiter aufgegangen. Inzwischen haben Shepard und Alcest-Kopf Neige einander auf ihren jeweiligen Alben Gastgesangsbeiträge spendiert, die Multi-Instrumentalistin ist als Gesangscoach gefragt und hat mit Season Of Mist eines der relevantesten Metal-Labels von sich überzeugen können. Mit „Nova“ hat SYLVAINE bereits ihr viertes Album am Start.

Der Mut zur Verletzlichkeit sprach schon immer aus Shepards Werken. Auf „Nova“ zeigt sie sich allerdings in mehrfacher Hinsicht offener denn je. Nicht nur auf dem wunderbar kunstvollen Aktbild, das das Cover ziert, sondern auch in ihrer Musik legt die Solomusikerin alles ab, was den authentischen Ausdruck ihres Selbst verfälschen könnte. Anstatt ihren Sound in Reverb und Effekten zu ertränken, lässt SYLVAINE Gesang und Instrumente weitgehend ungefiltert für sich sprechen. Die sehnsüchtigen Chöre, die im titelgebenden Opener nur äußerst dezent auf Gitarre und Synthesizer begleitet werden, fühlen sich dadurch ebenso authentisch an wie die treibenden Riffs, Blast-Beats und Shepards gekreischte Screams im daran anschließenden Neunminüter „Mono No Aware“.

Noch eindringlicher als die kraftvollen Metal-Passagen, mit denen SYLVAINE ihre Songs gekonnt dynamisch ausbalanciert, sind jedoch die sanften Post-Rock-Arrangements. Das mit schwerelos gleitenden Backing-Vocals bezaubernde „Nowhere, Still Somewhere“ kommt so nahe an Alcests ätherische Erhabenheit heran, wie es eben noch möglich ist, und „I Close My Eyes So I Can See“ brilliert ebenfalls vor allem durch Shepards anmutigen Gesang.

Dennoch ist „Nova“ leider nicht ganz das Meisterwerk, das man sich von SYLVAINE nach „Wistful“ (2016) und „Atoms Aligned, Coming Undone“ (2018) erhofft hat. So klingt das Album zwar durchwegs schön, reißt aber nur an vereinzelten Stellen vollends mit. Besonders deutlich wird dieser Mangel an zündenden Ideen in „Everything Must Come To An End“, das die Platte mit seiner sanften Streicheruntermalung auf dem Papier absolut stimmig abschließt, de facto aber nicht als einziger Track etwas beliebig vor sich hin mäandert.

Einem Großteil der Blackgaze-Newcomer hat SYLVAINE nach wie vor eine Menge Vorzüge voraus. Die Einzelkünstlerin fasziniert wie am ersten Tag mit ihrer unvergleichlich schönen Stimme und zeigt mit den Chören im Titeltrack und den Streichern in der Abschlussnummer weiterhin den Willen, sich kreativ auszustrecken. Mit seinem herrlich klaren, ausgewogenen Klang ist „Nova“ sogar ihr bislang am besten produzierter Release. Beim Songwriting ist es SYLVAINE diesmal jedoch nicht gelungen, dieselben Höhen wie auf den beiden Vorgängeralben zu erreichen. Hörenswert ist „Nova“ dennoch auf jeden Fall und SYLVAINE gewiss noch lange nicht am Ende ihrer Inspiration.

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Wertung: 7.5 / 10

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