UUHAI – das ist im Mongolischen ein spiritueller Ausruf, der vor allem im Kollektiv positive Energie erzeugen und die Lebensgeister wecken soll. Die mongolische Band benannte sich nicht nur nach einem in der Tradition verwurzeltem Begriff, sondern leben diese Traditionen in ihrer Musik und der Verbindung mit harter Musik. Mit Schlagzeuger Otgonbaatar Damba sprechen wir deshalb nicht nur über das Debütalbum „Human Herds“, sondern auch über mongolische Traditionen, Balance in der modernen Welt, philosophische Gedanken und was UUHAI mit ihrer künstlerischen Ausdrucksform erreichen wollen.

UUHAI wurden 2020 in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar gegründet – zu einer Zeit, als mongolische Musik international immer mehr Aufmerksamkeit bekam. Wie habt ihr als Band zusammengefunden, und was war der gemeinsame Impuls, genau diese musikalische Richtung einzuschlagen?
UUHAI kamen 2020 in Ulaanbaatar zusammen als Ergebnis einer lang gehegten Vision unseres Gründers, Bandleaders und Produzenten Ombo. Das hatte nichts mit Trends oder von der internationalen Aufmerksamkeit für mongolische Musik zu dieser Zeit zu tun. Es war der Moment, in dem ein Traum, den er viele Jahre mit sich getragen hatte, endlich Realität wurde.
Lange Zeit hatte sich Ombo eine Band vorgestellt, die traditionelle mongolische Musik, Kehlkopfgesang, Morin Khuur und die spirituelle Tiefe unserer Kultur mit der Kraft und Intensität von Rock und Metal vereinen kann. Diese Idee hatte er schon lange in seinem Kopf und seinem Herzen, bevor es UUHAI gab. 2020 entschied er, dass es Zeit war, nicht länger nur zu träumen, sondern es umzusetzen. Er brachte Musiker zusammen, die denselben Respekt für die Tradition teilen, denselben Hunger nach harter Musik und denselben Glauben daran, dass mongolische Kultur auf einer globalen Bühne eine starke Stimme haben kann.
Jedes Bandmitglied kam aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen – manche tief in traditioneller Schule verwurzelt, andere geprägt von modernem Rock und Metal -, aber alle vereint mit dem gleichen Ziel. Von Anfang an war die Richtung klar: UUHAI war kein Experiment und keine Reaktion auf die Außenwelt. Es war eine bewusste künstlerische Entscheidung, den mongolischen Geist, die Philosophie und Identität durch kraftvolle Musik auszudrücken.
Der gemeinsame Impuls war einfach, aber stark: unsere Wurzeln zu ehren, in unserer eigenen Stimme zu sprechen und mongolische Kultur mit Überzeugung, Aufrichtigkeit und Stärke weiterzutragen.

Viele Fans denken sofort an THE HU, wenn es um die Kombination aus mongolischer Musik und Metal geht. Wo liegen aus eurer Sicht die Gemeinsamkeiten, und auf welche Weise unterscheidet ihr euch klar von THE HU?
Es ist natürlich, dass Menschen diese Verbindung herstellen, weil wir alle aus demselben Land kommen und tiefen Respekt für traditionelle mongolische Musik teilen. Die Gemeinsamkeiten liegen in unseren Wurzeln. Wir alle schöpfen aus Kehlkopfgesang, traditionellen Instrumenten, Geschichte und dem Geist der Steppe. Dieses kulturelle Fundament wird immer präsent sein, wenn mongolische Künstler auf eine globale Bühne treten.
Wo wir uns klar unterscheiden, ist in unserer musikalischen Ausrichtung und unserer Intention. Unsere Musik geht stark in Richtung roher Rock- und Metal-Energie und kombiniert das mit einer spirituellen und philosophischen Botschaft über Menschlichkeit, Natur und Verantwortung. Wir setzen weniger auf Spektakel und mehr auf Atmosphäre, Rituale und emotionale Tiefe und erschaffen Musik, die sich gleichzeitig wie ein Ruf, eine Warnung und eine Verbindung anfühlt.
Wir gehen auch beim Storytelling anders vor. Statt Geschichte im wörtlichen Sinn nachzuerzählen, nutzen wir uralte Symbole, Stimmen der Vorfahren und traditionelle Klänge, um über die moderne Welt und ihre Herausforderungen zu sprechen. Für uns ist Tradition nichts, das man zur Schau stellt, sondern etwas, das man durch Klänge erlebt.
Wir respektieren, was andere erreicht haben, und sind stolz, wann immer mongolische Kultur weltweit zu hören ist. Gleichzeitig sind UUHAI fest in ihrer eigenen Identität verwurzelt – mit der eigenen Stimme, dem eigenen Gewicht und dem eigenen Weg.
Der Bandname „UUHAI“ ist tief in der mongolischen Kultur verwurzelt und steht für einen kollektiven Ruf, für Stärke und Einheit. Wie spiegelt sich dieses Konzept in eurer eigenen Identität als Band wider – musikalisch und auch auf menschlicher Ebene?
Das Wort „Uuhai“ ist für uns mehr als ein Bandname. Es ist der gemeinsame Atem, ein Ruf, der über Generationen hinweg getragen wurde. In der mongolischen Kultur wird „Uuhai“ in Momenten der Stärke, des Feiers, von Mut und Einheit gerufen. Es ist ein Klang, der Menschen sofort verbindet, ohne dass es einer Erklärung bedarf.
Musikalisch spiegelt das wider, wer wir als Band sind, weil unsere Musik auf gemeinsamer Energie basiert. Kehlkopfgesang, Morin Khuur, Schlagzeug und Gitarren bewegen sich alle gemeinsam mit der gleichen Stimme, statt gegenseitig um Aufmerksamkeit zu buhlen. Jeder Song ist um die Idee der Einheit herum geformt, in der einzelne Teile existieren, um das Ganze zu stärken. Wenn das Publikum mit uns „Uuhai“ ruft, werden Band und Menge zu einem Körper und einem Rhythmus.
Auf menschlicher Ebene ist die Bedeutung genauso wichtig. UUHAI bedeutet, zusammenzustehen, einander zu respektieren und sich daran zu erinnern, woher wir kommen. Wir haben verschiedene Hintergründe, aber wir teilen dieselbe Verantwortung, unsere Kultur ehrlich und mit Demut weiterzutragen. Der Name erinnert uns daran, dass Stärke nie individuell ist. Sie entsteht aus der Verbindung, aus einem gemeinsamen Zweck und daraus, dass man gemeinsam vorangeht.
Darum ist „Uuhai“ nicht nur unsere Identität – es ist unsere Botschaft.
Viele internationale Hörer erleben mongolische Musik anfangs oft als „exotisch“. Wie wichtig ist es euch, eure Tradition nicht als Stilmittel, sondern als gelebte Realität zu präsentieren und wo seht ihr die Grenze zwischen kultureller Darstellung und Missverständnis?
Diese Frage ist für uns sehr wichtig. Wir verstehen, dass mongolische Musik für viele internationale Hörer zunächst ungewohnt sein kann und manchmal als exotisch bezeichnet wird. Für uns ist diese Musik kein Stil und keine Verzierung. Sie ist unsere alltägliche Realität, unsere Geschichte und unsere Art, die Welt zu verstehen.
Unser Ziel ist nicht, mongolische Kultur als etwas Fernes oder Geheimnisvolles zu präsentieren, sondern als etwas Menschliches und Lebendiges. Kehlkopfgesang, Morin Khuur und unsere Sprache sind keine Elemente, die wir zur Show hinzufügen. Sie sind unsere ganz natürliche Art, wie wir Emotionen, Erinnerungen und Glauben ausdrücken. Wir leben mit diesen Klängen. Sie sind Teil unserer Familien, unserer Landschaften und unseres Inneren.
Die Grenze zwischen kultureller Darstellung und einem Missverständnis zeigt sich, wenn Tradition wie ein Kostüm oder ein oberflächliches Bildnis behandelt wird. Wir sind sehr vorsichtig, unser Erbe nicht in etwas zu verwandeln, das seine Bedeutung verliert. Darum trägt unsere Musik immer Kontext, Emotion und Intention in sich. Wir wollen, dass die Hörer die Seele hinter den Klängen spüren – nicht nur seine Einzigartigkeit bewundern.
Wenn jemand unsere Musik hört und Neugier, Respekt oder ein Gefühl von Verbindung empfindet, dann haben wir unseren Job richtig gemacht. Wir erwarten nicht, dass Menschen unsere Kultur durch einen Song vollständig verstehen. Wir laden sie ein, mit offenem Herzen zuzuhören. Wenn das geschieht, hört die Musik auf, exotisch zu sein, und beginnt, geteilt zu werden.

Kehlkopfgesang und die Morin Khuur sind zentrale Elemente eurer Musik. Wie habt ihr die Balance gefunden, diese traditionellen Ausdrucksformen in einen modernen Rock- und Metal-Kontext einzubinden, ohne ihnen ihre Tiefe oder spirituelle Bedeutung zu nehmen?
Für uns kommt das Gleichgewicht aus Respekt und gegenseitigem Verständnis. Kehlkopfgesang und die Morin Khuur sind keine Werkzeuge, die wir auf Rockmusik draufsetzen. Sie sind das Fundament dafür, wie wir über Klang und Emotion denken. Weil diese Traditionen in uns leben, müssen wir sie nicht in einen modernen Kontext pressen. Wir lassen die Rock- und Metal-Elemente ganz natürlich um sie herum wachsen.
Wir versuchen nie, diese Traditionen zu modernisieren, indem wir sie vereinfachen oder ihr Wesen verändern. Stattdessen passen wir das umgebende Arrangement so an, dass die traditionellen Stimmen atmen können. Die Rhythmen, Gitarren und Drums werden so geschrieben, dass sie die natürlichen Obertöne des Kehlkopfgesangs und das emotionale Gewicht der Morin Khuur unterstützen, ohne sie zu übertönen.
Spirituell betrachtet trägt diese Musik schon aus sich selbst heraus Tiefe. Unsere Verantwortung ist es, diese Bedeutung zu schützen und ihr zugleich einen neuen Raum zu geben, um sich entfalten zu können. Wenn alles mit Ehrlichkeit und Geduld gemacht wird, kämpfen das Traditionelle und das Moderne nicht gegeneinander. Sie werden zu einer Sprache, die sich gleichzeitig uralt und lebendig anfühlt.
Kehlkopfgesang wird oft als Technik beschrieben – aber es gehört auch eine starke innere Haltung und Atemkontrolle dazu. Was bedeutet dir diese gesangliche Tradition persönlich, auch abseits der Bühne?
Für uns ist Kehlkopfgesang nicht nur eine Gesangstechnik. Es ist eine Art zu atmen, zuzuhören und präsent zu sein. Jenseits der Bühne steht er für eine tiefe Verbindung zur Natur, zu unserem inneren Gleichgewicht und generell zum Rhythmus des Lebens an sich. Die Kontrolle über den Atem lehrt Geduld und Ruhe, während der dafür nötige innere Fokus Klarheit in den Geist bringt.
Diese Tradition entstammt einer Lebensweise, in der Menschen sehr genau auf den Wind, das Wasser und die Tiere um sie herum hörten. Wenn wir Kehlkopfgesang üben, trainieren wir nicht nur unsere Stimmen, sondern bringen uns auch in Einklang mit diesem natürlichen Fluss. Es wird zu einer Form von Meditation, zu einer erdenden Praxis, die uns daran erinnert, woher wir kommen.
Für uns persönlich hat es eine spirituelle Bedeutung. Es hilft uns, demütig und fokussiert zu bleiben, besonders wenn wir weit weg von zu Hause unterwegs sind. Egal, wo auf der Welt wir sind: Diese Tradition ermöglicht es uns, uns wieder mit unseren Wurzeln und mit uns selbst zu verbinden.
Mit „Human Herds“ veröffentlicht ihr jetzt euer Debütalbum weltweit. Ab welchem Punkt war euch klar, dass dieses Album mehr sein sollte als nur eine Sammlung einzelner Songs, sondern ein zusammenhängendes thematisches Ganzes?
Sehr früh im Prozess war uns klar, dass „Human Herds“ nicht einfach nur eine Sammlung von Songs sein konnte. Von den ersten Ideen an hatten wir alle das Gefühl, dass alles, was wir schreiben, durch dieselben Fragen und Sorgen verbunden war: unsere Beziehung zur Natur, unsere Verantwortung als Menschen, unsere Vorfahren und die Richtung, in die sich die moderne Welt bewegt. Diese Themen kehrten immer wieder zurück. Ganz natürlich, ohne dass wir das erzwingen mussten.
Als die Songs sich entwickelt haben, merkten wir, dass sie miteinander sprechen. Jeder Track fühlte sich mehr wie ein anderes Kapitel derselben Geschichte an und nicht wie voneinander getrennte Aussagen. Manche Songs sind intimer und nachdenklicher, andere kraftvoll und für kollektive Energie gedacht, aber alle entspringen im Kern aus derselben Idee: die Menschheit bewegt sich gemeinsam wie eine Herde – manchmal erschaffend, manchmal zerstörend, immer verbunden.
Bei dieser Erkenntnis trafen wir die bewusste Entscheidung, das Album als Reise zu gestalten. Die Reihenfolge der Songs, die Atmosphäre und der emotionale Fluss wurden alle sorgfältig bedacht, damit die Hörer die Phasen des Nachdenkens, Warnungen, Stärke und Hoffnung durchleben können. „Human Herds“ wurde zu einer einzigen großen Botschaft, erzählt durch verschiedene Stimmen, nicht nur zu einer Aneinanderreihung einzelner Tracks.
Das Musikvideo zu „Khar Khulz“ wurde vor fast zwei Jahren veröffentlicht. Über welchen Zeitraum hinweg fand die Produktion des gesamten Albums statt?
Die Arbeit am Album erstreckte sich über mehrere Jahre. Die ersten Ideen und frühen Versionen einiger Songs entstanden um 2020 und 2021, einschließlich der ursprünglichen Form von „Khar Khulz“. Von dort aus wuchs das Album langsam und sorgfältig, während wir weiter schrieben, arrangierten, verfeinerten und live spielten.
Touren und Konzerte halfen, den endgültigen Sound zu formen, weil wir spüren konnten, wie die Songs auf der Bühne lebten und atmeten. Diese Erfahrungen flossen zurück ins Studio und in die Prozesse. Wir haben es nicht überstürzt, das Album aufzunehmen, zu überarbeiten und es fertig zu stellen. Wir ließen die Musik auf natürliche Weise reifen, bis sie unsere Vision vollständig widerspiegelte.
Als wir „Human Herds“ schließlich abgeschlossen hatten, fühlte es sich wie das Ergebnis einer langen Reise an und nicht wie ein einzelner Aufnahmezeitraum. Das Album trägt die Zeit, das Wachstum und die Erfahrungen in sich, die wir während seiner Entstehung durchlebt haben.

Der Titel „Human Herds“ lässt viel Raum für Interpretation: Gemeinschaft, Bewegung, Anpassung, vielleicht sogar Entfremdung. Welche Gedanken oder Beobachtungen über die Menschheit heute haben dieses Album am stärksten beeinflusst?
Der Titel „Human Herds“ entstand aus der Beobachtung, wie sich die Menschheit in der modernen Welt bewegt und verhält. Wir sehen Menschen, die sich sammeln, migrieren, konsumieren, protestieren und Mustern folgen, oft ohne innezuhalten und über die Folgen nachzudenken. Wie eine Herde kann sich die Menschheit mit großer Kraft bewegen, aber diese Kraft kann sowohl Leben schützen als auch Schaden anrichten.
Einer der stärksten Einflüsse hinter dem Album war, wie die moderne Gesellschaft sich oft von der Natur abkoppelt. Wir bauen Städte, jagen Geschwindigkeit und Wachstum hinterher und vergessen, dass die Erde kein von uns getrennter Teil ist. Gleichzeitig sehen wir tiefe Einsamkeit und Entfremdung, obwohl Menschen durch Technologie mehr verbunden sind als je zuvor. Diese Widersprüche prägten den emotionalen Kern des Albums.
„Human Herds“ ist nicht als Urteil konzipiert, sondern als Reflexion. Wir wollten Fragen stellen, statt Antworten zu geben. Bewegen wir in gemeinsamen Bewusstsein oder folgen wir blind dem Momentum? Können wir uns an unsere Verantwortung erinnern, gegenüber uns allen, gegenüber unseren Vorfahren und gegenüber der Welt? Das Album lädt die Hörer ein, innezuhalten, zuzuhören und einen bewussteren Weg nach vorn zu wählen.
Gibt es Songs auf dem Album, die für euch eine besonders wichtige Rolle spielen – emotional, kulturell oder kompositorisch – und die ihr als Schlüsselstücke zum Verständnis von UUHAI seht?
Ja, es gibt mehrere Songs auf dem Album, die für uns auf eine ganz eigene Weise besonders wichtig sind und zusammen helfen sie zu erklären, wer UUHAI ist.
„Human Herds“ ist aus emotionaler und philosophischer Sicht zentral. Der Song trägt die Kernidee des Albums in sich und spiegelt unseren Blick auf die Menschheit, unsere Verantwortung gegenüber der Natur und die Entscheidungen wider, denen wir als Kollektiv begegnen. Dieser Song setzt den Ton und lädt den Hörer in unsere Welt ein.
„Uuhai“ ist kulturell und spirituell ein Schlüsselstück. Es repräsentiert unsere Identität als Band und als Mongolen. Der Ausruf verbindet Vorfahren, heutige Hörer und zukünftige Generationen in einer gemeinsamen Stimme. Diesen Song zu verstehen hilft zu verstehen, warum Einheit und kollektive Stärke für uns so wichtig sind.
„Khar Khulz“ spielt kompositorisch eine große Rolle und zeigt, wie traditionelle Elemente und moderner Rock vollständig verschmelzen können, ohne an Tiefe zu verlieren. Es ist auch ein Song, durch den viele Menschen uns entdeckt haben, daher hat er auf unserem Weg eine besondere Bedeutung.
„Secret History Of The Mongols“ ist wichtig, um unsere Wurzeln zu verstehen. Es verbindet uralte Weisheit mit modernem Sound und schließt das Album, indem es zurückblickt, um nach vorn zu gehen. Zusammen bilden diese Songs das Rückgrat von UUHAI und drücken unseren Geist, unseren Zweck und unsere Stimme am klarsten aus.
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Ihr veröffentlicht das Album mit Napalm Records über ein großes internationales Label und richtet euch an ein globales Publikum. Wie fühlt es sich an, Musik mit so deutlichen kulturellen Wurzeln in einen weltweiten Markt zu schicken?
Wir sind voller Demut und es fühlt sich sehr bedeutungsvoll an. Das Album über Napalm Records zu veröffentlichen und es mit einem globalen Publikum zu teilen, bedeutet nicht, zu verändern, wer wir sind, sondern darauf zu vertrauen, dass unsere Wurzeln über Grenzen hinweg sprechen können. Unsere Musik trägt eine sehr spezifische kulturelle Identität und sie in die Welt zu senden fühlt sich an, als würde man einen Teil unseres Zuhauses, unserer Geschichte und unserer Werte mitschicken.
Es macht uns stolz zu wissen, dass etwas zutiefst Mongolisches von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen verstanden und gefühlt werden kann. Gleichzeitig bedeutet es aber auch Verantwortung. Wir achten darauf, ehrlich und respektvoll zu bleiben, weil wir weder ein Konzept noch einen Trend vertreten. Wir teilen etwas, das gelebt und weitervererbt wird.
Die Zusammenarbeit mit einem internationalen Label gibt der Musik einen breiteren Weg, aber der Kern davon bleibt derselbe. Wenn Menschen in verschiedenen Teilen der Welt eine Verbindung zu unseren Songs verspüren, erinnert uns das daran, dass Kultur nicht trennt, wenn sie mit Aufrichtigkeit geteilt wird. Sie schafft Verständnis.
Wie werdet ihr in der Mongolei wahrgenommen und wie unterscheidet sich die Reaktion des heimischen Publikums von der internationalen Resonanz?
In der Mongolei fallen die Reaktion sehr persönlich aus. Menschen hören mit einem Gefühl des Wiedererkennens zu, weil Sprache, Klänge und Emotionen aus einem gemeinsamen Gedächtnis stammen. Viele Hörer verbinden die Musik mit Familientraditionen, bekannten Landschaften und Geschichten, mit denen sie aufgewachsen sind. Die Resonanz zu Hause wirkt oft zurückhaltend, aber geht tief und sorgt eher für Verständnis denn Überraschung.
International sind die Reaktionen auf eine schöne Weise anders. Viele Hörer kommen zum ersten mal mit diesen Klängen in Berührung, daher sind die Reaktionen oft direkt und emotional. Da sind viel Neugier, Begeisterung und starke Energie, besonders bei Liveshows. Die Menschen verstehen vielleicht nicht die Worte, aber sie spüren die Intention, den Rhythmus und den Geist in der Musik.
Beide Arten von Reaktionen sind uns gleichermaßen wichtig. Zu Hause fühlen wir uns verstanden, im Ausland fühlen wir uns willkommen. In Kombination erinnern sie uns daran, dass Musik eindeutig zu einem Ort gehören kann und trotzdem ehrlich zur Welt sprechen kann.
Ihr werdet bald durch Europa touren. Welche Erwartungen habt ihr an das europäische Publikum, besonders in Ländern, in denen mongolische Kultur relativ unbekannt ist? Und wie kam die auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination mit dem spaßliebenden Chaos von NANOWAR OF STEEL zustande?
Wir gehen offen und ohne bestimmte Erwartungen auf das europäische Publikum zu. In Ländern, in denen mongolische Kultur noch unbekannt ist, erwarten wir nicht, dass Menschen sofort alles verstehen. Was wir uns wünschen, ist Neugier und Offenheit. Nach unseren bisherigen Erfahrungen hört das europäische Publikum mit dem Herzen zu. Auch wenn sie die Sprache oder die Traditionen nicht kennen, spüren sie den Rhythmus, die Energie und die Intention. Wenn die Menschen ehrlich reagieren, ist das für uns mehr als genug.
Livekonzerte sind der Ort, an dem diese Verbindung real wird. In dem Moment, in dem das Publikum anfängt, gemeinsam mit uns zu singen, sich gemeinsam zu bewegen und die Energie zu teilen, ist Kultur nichts weit Entferntes mehr. Sie wird zu etwas Verbindendem. Wir glauben, dass aufrichtige Gefühle bedeutender sind als Erklärungen und vom europäischen Publikum sind und bisher großer Respekt und Begeisterung gezeigt worden.
Die Verbindung zu NANOWAR OF STEEL kam ganz natürlich zustande. Oberflächlich betrachtet wirken unsere Ansätze sehr verschieden, aber darunter gibt es eine starke gemeinsame Basis. Wir schätzen gleichermaßen Live-Energie, Interaktion mit dem Publikum und unvergessliche Erlebnisse. Ihr Humor und ihre chaotische Art treffen auf unsere Ernsthaftigkeit und unseren rituellen Ansatz und zusammen entsteht eine Balance, die sich erfrischend statt widersprüchlich anfühlt.
Diese Kombination zeigt, dass Metal viele Facetten hat. Metal kann schwer, spirituell, verspielt und kraftvoll zugleich sein. Gemeinsam zu touren ermöglicht beiden Bands, neue Hörer zu erreichen und zu zeigen, dass unterschiedliche Ausdrucksformen mit gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Leidenschaft für Live-Musik nebeneinander existieren können.
Auf Konzerten kann Musik oft am besten und stärksten wirken. Was sollen die Besucher musikalisch, emotional oder vielleicht sogar intellektuell aus einer UUHAI-Show mitnehmen?
Aus einer UUHAI-Show sollen Menschen mit dem Gefühl der Verbundenheit rausgehen. Musikalisch wollen wir, dass ihnen der Sound im Gedächtnis bleibt: die tiefen Vibrationen der Morin Khuur, die Kraft der Drums und die Stimmen, die sich gleichermaßen uralt und lebendig anfühlen. Wir wollen, dass sie die Musik nicht nur hören, sondern auch körperlich erleben können.
Emotional hoffen wir, dass Menschen mit einem Gefühl von Einheit und Stärke gehen. Wenn alle gemeinsam singen, sich gemeinsam bewegen und gemeinsam atmen, passiert etwas Einfaches, aber Kraftvolles: Es erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind, dass wir zu etwas Größerem gehören als nur zu uns selbst.
Auf einer tieferen Ebene hoffen wir, dass die Musik zum Nachdenken anregt: über unsere Beziehung zur Natur, zueinander und zur Welt, in der wir leben. Wir wollen auf der Bühne nicht lehren oder etwas erklären. Wir laden die Menschen dazu ein, selbst zu fühlen und zu denken. Wenn jemand eine UUHAI-Show geerdet, inspiriert oder sogar ein wenig verändert verlässt, dann hat die Musik ihre Arbeit getan.
Zum Abschluss würden wir gerne unser Metal1-Brainstorming mit dir machen. Was fällt dir zu folgenden Stichpunkten ein:
Traditionen: Eine lebendige Erinnerung. Traditionen sind für uns nichts, das in der Vergangenheit stehen geblieben ist. Es sind Praktiken, Klänge, Werte und Denkweisen, die heute noch lebendig sind. Tradition sind das, was unsere Identität stark hält, während sich die Welt um uns herum verändert.
Zuhause: Zuhause ist dort, wo die Erde, der Himmel und die Menschen aufeinandertreffen. Es ist nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl von Zugehörigkeit. Wohin wir auch reisen, unser Zuhause lebt in uns durch unsere Sprache, unsere Musik und unsere Verbindung zur Natur.
Religion: Mehr Respekt statt fester Glaubenssätze. Eine tiefe spirituelle Beziehung zu Natur, Vorfahren und Balance. Es geht um Harmonie, Demut und das Verständnis, dass Menschen nur ein Teil einer viel größeren Welt sind.
Der Zustand der Welt: Schnell, gespalten und oft von der Natur getrennt. Aber auch voller Menschen, die nach Sinn und Einheit suchen. Wir glauben, die Welt braucht mehr Zuhören, mehr Sorge um die Erde und mehr Respekt füreinander.
Deutschland: Starkes Publikum, tiefe Musikkultur und große Wertschätzung von Live-Performances. Deutschland fühlt sich wie ein Ort an, an dem harte Musik und bedeutungsvolle Ausdrucksformen wirklich verstanden und geschätzt werden.
UUHAI in 10 Jahren: Immer noch ehrlich, immer noch bodenständig und immer noch wachsend. Wir hoffen, den mongolischen Geist weiterhin an neue Orte tragen zu können, tiefgründigere Musik zu erschaffen, Menschen über Kulturen hinweg zu verbinden und dem treu zu bleiben, warum wir angefangen haben. Wo auch immer wir in zehn Jahren sein werden: UUHAI wird eine gemeinsame Stimme bleiben, die zu Einheit, Respekt und Balance aufruft.
Vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg mit „Human Herds“ und der kommenden Tour. Die letzten Worte gehören dir.
Danke für die durchdachten Fragen und dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unserer Geschichte zuzuhören. Wir sind dankbar für die Unterstützung, die Neugier und die Offenheit, die wir von Hörern und Medien auf der ganzen Welt erfahren haben.
Wir möchten einfach sagen, dass unsere Reise noch lange weitergeht. „Human Herds“ ist eine Einladung zuzuhören, nachzudenken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir freuen uns darauf, auf unseren Reisen Menschen zu treffen, unsere Musik live zu teilen und durch Klänge weiter Brücken zwischen Kulturen zu bauen.
Wir sind immer offen für neue Gespräche, neue Bühnen und neue Möglichkeiten auf der ganzen Welt. Wenn unsere Musik euch erreicht, hoffen wir, dass sie euch Stärke, Ruhe und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit gibt.
Passt auf die Erde auf. Passt aufeinander auf. Wir werden uns unter einer Sonne und einem Mond wiedersehen.

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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