UUHAI Human Herds Coverartwork

Review Uuhai – Human Herds

Mongolische Band, Kehlkopfgesang, Pferdekopfgeige, Verbindung von traditioneller Kultur mit Rock und Metal – wer mit dieser Kombination etwas anfangen kann, denkt vermutlich zuerst an THE HU. THE HU haben diese stilistische Kombination zwar geprägt, aber nicht für sich gepachtet. UUHAI interpretieren die mongolische Kultur auf ihrem Debütalbum „Human Herds“ nicht als Kopie von THE HU oder NINE TREASURES, sondern wollen ihren eigenen musikalischen Ansatz in diesem Grundgerüst finden.

Was von Anfang an positiv auffällt, ist, dass sich UUHAI nie nach einem Gimmick anfühlen. UUHAI sind keine Band, die sich in Verkleidungen wirft und aufmerksamkeitsheischend ein besonderes Thema herauspickt, sondern Musiker, die völlig authentisch und überzeugt von ihrer künstlerischen Darbietung sind. So wartet der Titeltrack ohne Umschweife mit den Schlüsselelementen des UUHAI-Klangkosmos auf. Die Morin Khuur, die traditionelle mongolische Pferdekopfgeige, erzeugt einen ganz eigenen schwingenden Klang, während die dazu passende Mischung aus Kehlkopfgesang und melodischem Gesang den spannenden folkloristischen Sound perfekt ergänzt. Als bedeutender Unterschied zu THE HU fällt schnell auf, dass UUHAI ihre Songs dabei etwas weniger folkig arrangieren und mehr auf die Verbindung zwischen Tradition und modernem Metal setzen, damit also definitiv rockiger und leichter zugänglich sind.

Als Beispiel für diese zugängliche Rockigkeit dient „Khar Khulz“, das bereits gute zwei Jahre vor Albumrelease veröffentlicht wurde und dadurch für viele Hörer der erste Berührungspunkt mit UUHAI gewesen sein dürfte. Die Mischung aus Pferdekopfgeige, Drums, Gitarren und der treibenden Energie vermag direkt mitzureißen – mindestens leichtes Kopfnicken oder Fußwippen durchzuckt alle, die auch nur im Ansatz mit dieser Art Folk-Rock/-Metal etwas anfangen können. Der klar auf live getrimmte Part mit den „Uuhai“-Rufen und dazugehörigen „Heys“ passt wunderbar und wirkt nicht aufgesetzt oder gezwungen. Auch in den ruhigen Momenten transportieren UUHAI unfassbar viel authentische Kraft und Freude; man fühlt richtiggehend, wie wichtig den Bandmitgliedern ihre Kultur und deren Synergie mit modernem Metal ist. Man muss kein Wort der durchgehend mongolischen Lyrics kennen oder verstehen, um sich mitreißen zu lassen – ein klarer Fall von Vibe-Rocking.

Auf beeindruckende Weise verstehen UUHAI es, gerade bei den leisen Tönen wie der Ballade „Khurai“ zu überzeugen: Das ruhige, bedächtige Stück erzeugt mit sanft gestreichelter Morin Khuur und gesummten Chören eine ganz besondere, beruhigende Atmosphäre. Das ebenfalls gemäßigte „Paradise“ ist wie ein Gegenstück zum eher traurigen „Khurai“: Der luftige und unbeschwerte Song präsentiert sich als fröhliches Lied, das auch auf einer Feier oder in einer Bar bei bester Stimmung laufen könnte.

UUHAI verbinden mit Leichtigkeit traditionelle mongolische Folklore, gefälligen Rock und modernen Metal. „Human Herds“ macht Spaß, ist mitreißend und wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Dass sich die songschreiberischen Muster im Albumverlauf ab und an wiederholen, fällt auch nach vielen Durchläufen kaum störend auf. Wenn ihr euch fragt, ob man neben THE HU, NINE TREASURES oder TENGGER CAVALRY noch solch eine Band braucht, dann ist das der falsche Ansatz für die Frage. UUHAI mögen auf dem gleichen traditionellen, folkloristischen Grundgerüst aufbauen, präsentieren ihre Folk-Metal-Mischung aber anders als die genannten Gruppen. Allen voran ist „Human Herds“ ein starkes Debütalbum einer authentischen Band voller Energie und Aufrichtigkeit.

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Wertung: 8 / 10

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