Interview mit Malte von Versengold

Mit „Funkenflug“ sind VERSENGOLD endgültig an der Spitze der mittelalterlich inspirierten Folk-Musik angekommen. Wie Sänger Malte den Aufstieg mit all seinen Facetten erlebt hat und was er zum neuen Erfolgsalbum zu sagen hat, lest ihr in unserem Interview.

 

Moin Malte! Ihr seid mit „Funkenflug“ auf Platz 2 der deutschen Albencharts eingestiegen – vor Accept und hinter den Amigos. Wie habt ihr diese Platzierung aufgenommen, auch im Hinblick darauf, wer vor bzw. hinter euch gelandet ist?
Wir haben mit einer Top-10-Platzierung gerechnet. Dass wir jetzt gleich an zweiter Stelle aufschlagen, hat uns schon überrascht und wir haben uns sehr gefreut. Eine Kultband wie Accept hinter uns zu lassen, ist schon etwas Besonderes. Gegen die Amigos kommen wir halt nicht an… die tragen einfach immer zu schöne Hemden!

Einige Songs von „Funkenflug“ wie der Titeltrack oder „Feuergeist“ spielt ihr bereits länger live. Wie fühlst du dich als Sänger mit dem neuen Material und wie zufrieden seid ihr als Band mit der CD?
Es macht immer wieder großen Spaß, neue Songs auf die Bühne zu bringen. Erst recht, wenn sie so gut funktionieren und angenommen werden wie das neue Material. Aus unserer Sicht haben wir natürlich wieder einmal das beste Versengold-Album produziert, dass es je gab. Aber so sollte es auch bei jeder Produktion sein.

Ihr habt mit „Funkenflug“, „Niemals sang- und klanglos“ sowie „Haut mir kein‘ Stein“ direkt drei Videos an den Start gebracht, das entspricht fast einem Viertel aller Songs. Wie fiel die Wahl auf diese Songs?
Irgendwie haben sich diese Songs in den Gesprächen über Videos herauskristallisiert. Da gibt es allerdings weitere Ideen und wir werden noch dieses Jahr mehr anschauliches Material veröffentlichen.

Im Vorfeld habt – wie viele andere Bands auch – neben den Videos auch viel über Facebook und andere Kanäle angekündigt, z.B. Snippets präsentiert und einzelne Songs genauer beschrieben. Wie sehr hat sich die Veröffentlichung neuer Alben durch die sozialen Medien verändert und wie bewertest du diese Entwicklung?
Die sozialen Medien sind mittlerweile unerlässlich, um unser Publikum zu erreichen und bieten wunderbare Möglichkeiten, das Album facettenreich zu präsentieren. Wir wollten den Menschen so detailreich wie möglich zeigen, was da auf sie zukommt.

Zusammen mit Schandmaul und Mr. Hurley und die Pulveraffen seid ihr neue Wege gegangen und habt eine kleine Live-Cover-Session auf Facebook gespielt. Was hast du dir davon im Vorfeld erwartet und war das Ergebnis im Nachhinein wie erhofft?
Diese Aktion hat wirklich Spaß gemacht und ich war sehr gespannt, was die Kollegen aus unseren Songs gebastelt haben. Ich selbst freute mich am meisten auf unsere „Tjark Evers“-Interpretation von Schandmaul, mit der wir letztendlich dann auch viele neue Hörer auf uns aufmerksam gemacht haben. Zudem ist es wichtig ab und zu mal in die Öffentlichkeit zu tragen, dass viele Bands miteinander befreundet sind und sich gegenseitig supporten. Das ist etwas ganz Besonderes, was unsere Szene ausmacht.

„Haut mir kein‘ Stein“ bezeichnest du gerne als sehr persönlichen Song über den Tod und Vergänglichkeit, ähnliches gab es bereits auf den Vorgängern zu hören. Meistens liegt der Tenor darauf, in allen Ereignissen einen gewissen Frohsinn zu finden. Begleitet dich das als Musiker und Mensch?
Wenn ich Texte über meine oder unsere Vergänglichkeit schreibe, ist es mir wichtig auch herauszustellen, dass es eine Gegenwart gibt, in der wir gerade jetzt leben. Diese gilt es dann auch entsprechend zu feiern!

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Was entgegnest du Kritikern, die den Song als religionsfeindlich bezeichnen?
Dass sie ihre Engstirnigkeit behandeln lassen sollten. Durch religiöse Überempfindlichkeit und monotheistische Arroganz geht die Welt mancherorts zu Grunde.

Du warst noch niemals in Irland, hast mit „Verliebt in eine Insel“ aber eine Hommage an und über das Land geschrieben. Wann prüfst du diese auf ihren Wahrheitsgehalt oder bleibst du in dem Fall gern Idealist?
Wir haben vor, das nächste Songwriter-Bandcamp von Versengold im schönen Irland abzuhalten. Obgleich ich jetzt schon an unserer Produktivität zweifel – vermutlich hängen wir von morgens bis abends in irgendwelchen Pubs herum.

„Solange jemand Geige spielt“ erinnert von der Idee her an „Musik nur wenn sie laut ist“ von Herbert Grönemeyer. Dich hat ein kleines Mädchen vor der Bühne dazu inspiriert. Für euch ist das Lied ungewöhnlich direkt. Verbindest du damit eine bestimmte Botschaft?
Ich finde es ausgesprochen faszinierend, wenn Menschen sich total in Musik fallenlassen können und um sich herum alles weitere vergessen. Die Botschaft des Songs ist: Lasst euch von Musik so oft in ferne Welten tragen wie ihr könnt und genießt den Moment.

Bei „Nebelfee“ gab es zuerst Seans Melodie am Klavier, bei „Schnee fällt“ zuerst deinen Text und später seine melodiöse Ausgestaltung. Ist die wechselnde Reihenfolge für den Reifungsprozess der Songs bis zur fertigen Aufnahme wichtig?
Nein. Wir produzieren jeden Song genau so wie er kommt und begrenzen uns selbst nicht durch irgendwelche Grenzen oder vermeintlich ideale Herangehensweisen.

Wie hat sich allgemein eure Banddynamik durch Eike und Sean geändert?
Wir haben zwei ausgezeichnete Musiker dazugewonnen, die beide sehr viel neuen Input ins Songwriting einbringen. Die beiden sind in jeder Hinsicht eine wahnsinnige Bereicherung.

„Feuergeist“ fängt balladesk an, steigert sich dann aber in eine energiegeladene Folkrock-Nummer. Diese Art Hybrid ist neu für euch. Wie sehr fordert es dich als Sänger und wolltet ihr damit auch innerhalb eines Stücks die Brücke zwischen kraftvoll und leise schlagen?
Der Song macht mir im Live-Betrieb am meisten Spaß, grade weil ich ein wenig mit meiner Stimme spielen kann und der Song sehr dynamische Wendungen hat. Es war sicherlich nicht der letzte Song, den wir derartig arrangieren werden.

Mit „Biikebrennen“ und „O’Rileys Lichterfest“ fanden auch zwei rein instrumentale Stücke den Weg auf „Funkenflug“. Auch hierbei seid ihr über viele Alben hinweg konstant, d.h. eure Instrumentals begleiten euch. Seht ihr diese – auch ohne Text – als vollwertige Songs an oder mehr als Ausgestaltung, in denen z.B. der Sänger live eine Auszeit bekommt?
Das sind für uns vollwertige Songs, in denen unsere Instrumentalisten zeigen können, was sie draufhaben. Zu einer richtigen Folk-Band gehören einfach auch ein paar feinsinnige Tunes zum Tanzen.

Foto: Bernd Sonntag

„Schon immer mal“ war vielleicht euer bandinterner Überraschungshit von „Zeitlos“. Welchem Funken vom neuen Material traust du eine ähnliche Entwicklung zu?
Ich tippe auf „Solange jemand Geige spielt“. Da wir selbst diesen Song eher unter die Kategorie Folk-Pop eingeordnet haben und lange überlegten, ob wir ihn auf das Album pressen, hat es uns umso mehr überrascht wie überaus positiv das Feedback unserer Fans  zu diesem Song ausfällt.

Wie hast du persönlich das „größer werden“ von Versengold erlebt?
Im Grunde hat sich nicht unbedingt viel geändert… außer dass mehr Leute vor unseren Bühnen stehen *lacht*

Ihr deckt mit eurer Musik ein relativ breites Publikum ab. Viele wollen mit euch trinken und feiern, andere wollen lieber zuhören und mitsingen. Wie könnt ihr beiden Seiten gerecht werden bzw. wollt ihr das überhaupt?
Es ist uns wichtig, all diese Menschen mit unserer Musik anzusprechen und wir wollen beiden Seiten und damit auch uns selbst gerecht werden. Dementsprechend werden wir unsere Setlisten auf den Touren abwechslungsreich gestalten.

Ketzerisch gefragt: Seid ihr die neuen PUR der Mittelalter-/Folk-Szene bzw. seht ihr derlei Vergleich als Kompliment?
Wir sind auf jeden Fall nicht mehr „pur“ Mittelalter, wenn mir dieses platte Wortspiel erlaubt ist. Ansonsten kann ich mit dem Vergleich recht wenig anfangen, er beleidigt mich allerdings auch nicht.

Im Zuge von „Funkenflug“ habt ihr eure Alter Egos aus LARP-Zeiten wie Snorre Snoerkelfrey und Honza Sturmgemuet abgelegt und tretet nun unter euren bürgerlichen Namen auf. Wie habt ihr diese Entwicklung erlebt und wie kam es zur letztendlichen Entscheidung, die Vergangenheit in gewisser Weise ruhen zu lassen?
Irgendwie ist unsere Musik über die letzten Jahre hinweg von einem eher rollenbezogenen Theaterprojekt hin zu einem gewachsenem, sehr persönlichem Projekt geworden. Die Fans haben das eher gemerkt als ich und mich auf den Konzerten irgendwann nur noch Malte genannt. Die Künstlernamen wurden überflüssig und ehrlich gesagt fühle ich mich auch sehr wohl dabei.

Feuerschwanz oder Mr. Hurley und die Pulveraffen halten an ihrem Bandkonzept mit Pseudonymen und Co. weiterhin fest. Wo siehst du inzwischen den Unterschied zwischen euch und eben jenen Kapellen?
Die beiden genannten Bands sind ja reine Spaß-Kapellen und haben daher ohnehin andere Ambitionen, sich im Markt zu platzieren. Obwohl wir mit beiden Bands befreundet sind und sie sehr schätzen, waren wir musikalisch nie wirklich auf einer Wellenlänge.

Dieses Jahr habt ihr im Norden eure erste „Nacht der Balladen“ gespielt, wo es unter anderem den ersten Versengold-Song aller Zeiten zu hören gab. Die Lieder sind als Bonus Tracks auf der Special Edition von „Funkenflug“ erschienen. Wie war dieses besondere Konzert für euch und seht ihr noch weiteres Potential in diesem Konzept?
Die „Nacht der Balladen“ in Bremen war eines der schönsten Konzerte meines Lebens. Wir standen mit insgesamt 13 Musikern auf der Bühne und haben einen unvergleichlichen Sound und ein fantastisches Publikum gehabt. Soviel mag ich schon verraten: Das wird nicht die letzte „Nacht der Balladen“ gewesen sein.

Ihr wart im Sommer erneut mit Saltatio Mortis auf Tour, dieses Mal im Rahmen von „In Castellis“ auf verschiedenen Burgen in Deutschland. Wie war diese Tour für euch, auch im Vergleich zu den Hallenkonzerten mit SaMo vor einigen Jahren?
Die Locations waren exorbitant schöner! *lacht*

Im Herbst und Winter seid ihr auf der „Funkenflug“-Tour mit dArtagnan unterwegs, die ebenfalls den Ruf genießen, besonders live immer Vollgas zu geben. Wie ist diese Kombination entstanden und was erwartet ihr euch davon?
Es gibt auch zu dArtagnan freundschaftliche Kontakte und als die Anfrage zum Support kam, haben wir nicht lange gezögert. Ich freue mich drauf, mit den Jungs zu touren.

Viele Burgen- und andere Festivals werden Jahr für Jahr von den gleichen Bands wie Schandmaul, In Extremo oder Subway to Sally geheadlinet. Traut ihr euch nach all den Jahren diesen Spot zu?
Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir mancherorts den Gipfel des Line-Ups erreichen werden.

Wie geht es 2018 für euch weiter?
Erst einmal haben wir nächstes Jahr unser 15-jähriges Jubiläum. Da wird es natürlich ein spezielles Event geben, über das ich jetzt allerdings noch nicht viele Worte verlieren mag.

Kommen wir langsam zu einem Ende. Zum Abschluss möchte ich dich noch bitten, bei unserem traditionellen Metal1.info-Brainstorming mitzumachen. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen ein:
Welches Traditional ich nicht mehr hören kann – alle, die auf Marktdudelsäcken gespielt werden
LARP – großartig, leider selbst keine Zeit mehr dazu
Ganaim – ambitioniertes Folk-Projekt von Pinto, wünsche ihm viel Erfolg damit
Knasterbart – Geheimtipp der Comedy-Folk-Rock-Szene
Helene Fischer – hübsche Frau, nervige Songs
Sing meinen Song auf VOX – hab derzeit kein Fernsehen und das Format nie gesehen
Spotify – sollte heutzutage wohl jeder nutzen
Metal1.info – unterhaltsame Interviewfragen

Gibt es noch etwas, das du an dieser Stelle ganz dringend loswerden möchtest?
Liebe Grüße an alle Versengold-Hörer und an alle, die es noch werden wollen!

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