Review Versengold – Nacht der Balladen

Die „Nacht der Balladen“ von VERSENGOLD entstand ursprünglich als (Schnaps-)Idee für ein einmaliges Konzert in Bremen. Am Ende speiste sich daraus das Bonusmaterial für die Special-Edition von „Funkenflug“. Nach überwältigender Resonanz entschieden sich die sieben Folk-Musiker erst zu einer kleinen Tournee mit vier Terminen in Deutschland und abschließend zu einer Veröffentlichung des gesamten Konzerts auf zwei CDs. Bisher waren die Nordmänner nicht für halbe Sachen bekannt und auch der Zusammenschnitt der Konzerte in Würzburg und Leipzig lässt kaum Wünsche offen.

Inzwischen bedienen VERSENGOLD mit ihrer Musik verschiedene Hörerschaften. Von vielen immer noch verehrt für ihre folkig-modernen Gute-Laune-Nummern, gibt es inzwischen nicht wenige, die besonders die Balladen aus der Feder von Sänger Malte schätzen. Für eben jene Anhänger sind diese CDs mit „Frühlingsgruß“, „Die Ballade vom jungen Wildfräulein“ oder „Wolken“ wie gemacht – was nicht bedeutet, dass die Kapelle den Fuß komplett vom Gaspedal nimmt. Dafür steckt in den Adaptionen von Klassikern wie „Ich und ein Fass voller Wein“ oder aktuellen Live-Krachern wie „Samhain“ zu viel Leben. Furios eingefangen hat die Stimmung in all ihren Facetten Matthias Lohmöller in seinem DocMaKlang-Studio. Der orchestrale Sound transportiert die Stimmung des Abends über die vollen zwei Stunden, auch und manchmal besonders bei den Moderationen von Malte, der mit viel Charme und Humor durch den Abend führt und Geschichten zu einzelnen Lieder beisteuert. Dem Fronter ist auch ohne die dazugehörigen Bilder anzumerken, dass es ihm sehr viel bedeutet, beispielsweise den ersten VERSENGOLD-Song „Ihr so nah“ in dieser Form vor dieser Menge spielen zu dürfen. „Das Bier ich in der Rechten trug“ zählt zusammen mit „In Schmutz und in Schande“ zu den weiteren Perlen vergangener Tage, die mit Streichern untermalt noch einmal eine völlig neue Identität gewinnen.

Mit „Auf in den Wind“ und „Tochter der Weiden“ beginnt der Auftritt mit einem Duett von Malte und Sopranistin Silja. Beide Stücke stammen von der EP „Auf in den Wind“, die rückblickend auch sinnbildlich für die Entwicklung von VERSENGOLD in den Jahren darauf steht. Im weiteren Verlauf des Konzerts taucht Silja nochmals auf und übernimmt ebenso bravourös die weibliche Stimme bei „Die Schönheit der Schatten“, das Malte ursprünglich mit Katja Moslehner (Ex-Faun) aufgenommen hat. Genau wie das instrumentale „Biikebrennen“ am Anfang der zweiten Platte sind die Duette willkommene Variationen im Rahmen der Balladenthematik, aus der die Musiker immer wieder gewollt etwas ausbrechen. Für rein bestuhlte und durchweg seriöse Klassik-Konzerte steckt zu viel Energie und Spielfreude in der Band. Der Qualität der Darbietung – von Cello über Geige und Bratsche bis hin zum Hackbrett – schadet der lockere Rahmen nicht. Im Gegenteil, die Arrangements und Übergänge machen deutlich, mit wieviel Liebe und Talent die Musiker sich der Orchester-Thematik genähert haben. Nur wenige Songs wirken wie einfache Abziehbilder des rockigen Ausgangsmaterials oder austauschbar. Mit besonders viel Hingabe haben sich VERSENGOLD wiederum der einzigen Cover-Version des Abends gewidmet, der plattdeutschen Interpretation von Schandmauls „Tjark Evers“. Durch Maltes Gesang in der „Heimatsprache des Nordens“ wird das Stück vielleicht vollendet. Gegen Ende senden VERSENGOLD mit „Die Namen von Millionen“ schließlich eine politische Botschaft, ehe sich die insgesamt zwölf Musiker mit dem „Schlaflied“ endgültig verabschieden.

Zum Einschlafen ist „Nacht der Balladen“ keinesfalls, allerdings gut zum Entspannen und Zuhören geeignet, ohne dabei groß eintönig zu werden. VERSENGOLD haben sich bei der Auswahl des Orchesters und der Vorbereitung der Konzerte ganz offenkundig viel Mühe bei der Zusammenstellung der Setliste gegeben, so dass auch im reinen Balladenkontext genügend Raum bleibt, um aus dem Korsett auszubrechen und ein bisschen auf die (akustische) Kacke zu hauen. Die pure Schönheit von Musik garniert mit einem (oder vielleicht auch zwei bis drei…) Augenzwinkern, so soll es sein.

 

Wertung: 8 / 10

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