Interview mit Curtis Parker von Witch Ripper

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WITCH RIPPER haben seit ihrer Gründung einen beachtlichen Weg der Entwicklung hingelegt. War das Debüt „Homestead“ noch über weite Strecken klassischem Sludge Metal gewidmet, öffnete sich die Formation aus Seattle bereits mit dessen Nachfolger „The Flight After The Fall“ einem größeren Spektrum an Einflüssen. Wir nahmen die Veröffentlichung des neuen Albums „Through The Hourglass“ zum Anlass, um mit Sänger und Gitarrist Curtis Parker über Eskapismus, gute Serien und die Frage nach dem „Wer singt was?“ zu sprechen.

Hallo Curtis! Euer neues Album „Through The Hourglass“ ist jetzt schon eine Weile draußen. Wenn du zurückblickst: Gibt es Eindrücke oder Reaktionen – ob aus der Presse oder von der Tour – die dir seit der Veröffentlichung besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Absolut. Natürlich ist das beste Feedback immer das von unserer Fanbase. Die sind großartig und unterstützen alles, was wir machen. Ein paar coole Sachen sind aber auch passiert. Rezensionen und Interviews in Magazinen wie Decibel und Blabbermouth zu haben, ist immer richtig cool. Dass wir eingeladen wurden, dieses Jahr beim RIPPLEFEST zu spielen, ist unglaublich, und wir werden auch ein paar Shows mit DETHKLOK spielen. Das werden dieses Jahr alles riesige Highlights für uns.

Witch Ripper; © Brittne Lunniss

Bevor wir wirklich tief ins neue Album einsteigen: Wie hat WITCH RIPPER ursprünglich angefangen? Erzähl uns ein bisschen von den frühen Tagen der Band.
Das Projekt hat eigentlich mit einer EP angefangen. Als ich beschlossen habe, von Minneapolis nach Seattle zu ziehen, kannte ich niemanden, also habe ich in Minneapolis vier Songs aufgenommen, damit ich, wenn ich nach Seattle ziehe, den Leuten zeigen kann, was ich machen will, und hoffentlich ein paar coole Bandkollegen finde, die helfen, das möglich zu machen. Zum Glück hat das geklappt. Unser Drummer Joe ist seit unseren ersten Shows in der Band. Er hat inzwischen auf drei Alben gespielt. Brian, unser Bassist, ist nach der Aufnahme von „Homestead“ dazugestoßen, als unser damaliger Bassist aufgehört hat, damit wir touren konnten. Chad ist während der Aufnahmen zu „The Flight After The Fall“ zur Band gekommen, als wir einen neuen Gitarristen brauchten. Die Band entwickelt sich ständig auf eine richtig gute Weise weiter, und es war eine unglaubliche Reise.

Im Verlauf eurer Geschichte habt ihr eine ziemlich bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Von „Homestead“ zu „The Flight After The Fall“ war der Sprung in Sachen Genrevielfalt schon riesig. Was siehst du als die zentralen Unterschiede zwischen diesen beiden Alben und „Through The Hourglass“?
Von „Homestead“ zu „The Flight After The Fall“ war ein riesiger Sprung. Aber in dieser Veränderung habe ich das Gefühl, dass wir wirklich angefangen haben herauszufinden, wer wir als Band sind. Da „Through The Hourglass“ die Geschichte von „The Flight After The Fall“ fortsetzen sollte, haben wir nicht versucht, unseren Sound zu verändern, aber wir haben die Stimmung verändert. „The Flight After The Fall“ war hell und farbenfroh, mit mehr Dur-Tonarten und so. „Through The Hourglass“ war absichtlich ein bisschen düsterer und mehr „Metal“.

Bist du an das neue Album mit einer klaren Vision herangegangen, oder war es dir wichtiger, dem kreativen Flow zu folgen, wohin auch immer er dich führt?
Sobald ich herausgefunden hatte, was funktioniert, war es eine klare Vision. Ich wollte düsterere Parts, finsterer klingende Melodien und eine Ballade. Wir haben die Songs absichtlich alle in unterschiedlichen Tonarten geschrieben, sodass, wenn man das Album hört, die Songs sich tatsächlich in einer Moll-Tonleiter bewegen und sich am Ende beim letzten Song wieder zur Grundtonart auflösen. Es gibt auch absichtlich wiederholte Gitarrenmelodien über das Album hinweg, um alles zusammenzubinden.

Eure Musik lässt sich unter anderem von Sludge, progressiver Musik und Heavy Metal beeinflussen. Wer sind deine persönlichen Inspirationsquellen?
Für dieses Album wollten wir ein klassischeres Metal-Feeling. Bands wie METALLICA und OZZY haben uns definitiv beeinflusst. Persönlich liebe ich Prog Metal, also sind Bands wie OPETH und HAKEN riesig für mich – und auch dafür, wie ich Songs gern zusammenbaue.

Apropos Inspiration: Gibt es Künstler außerhalb von Metal – musikalisch oder auch in der bildenden Kunst – die du besonders bewunderst? Wenn ja, wer und warum?
Absolut. Ich nenne dir zwei. Erstens die Graphic-Novel-Reihe „Black Science“ von Rick Remender und die Serie „Scavengers Reign“, verfügbar auf HBO und Netflix. Beides sind absolut fantastische, durchdachte, dunkle und mutige Sci-Fi-Erlebnisse. Für mich enorm einflussreich, wenn es darum geht, unsere Welt zu gestalten.

Welche lyrischen Themen behandelt ihr auf „Through The Hourglass“?
Also offensichtlich haben wir unsere Geschichte von einem Wissenschaftler, der sich in einer Welt ohne Zeit wiederfindet, die sich vertraut und uralt anfühlt. Am Ende wird er mit einer Version seines größten Bedauerns wiedervereint. Die Clock Queen, und das Album erkundet ihre Reise. Abgesehen von all diesem Sci-Fi-Wahnsinn versuchen wir, Songs nachvollziehbar zu machen. Also Gefühle von Verlust und Reue, Hoffnung und Akzeptanz. All das wird auf dem Album behandelt.

Natürlich müssen Texte auch durch die Stimme vermittelt werden. Da ihr tatsächlich drei Sänger in der Band habt: Gibt es da manchmal Diskussionen darüber, wer welche Vocal-Parts übernehmen soll?
Auf jeden Fall. Weil unsere Stimmen sehr unterschiedlich sind, werden manche Parts manchmal mit einer klaren Vorstellung geschrieben, wer sie singen wird. Manchmal, sobald wir anfangen, Vocal-Demos zu machen, wird klar, dass bestimmte Stimmen bei bestimmten Parts besser funktionieren. Brian ist großartig, weil er unser „Support“-Sänger ist. Manchmal singt er Backups für Chad oder betont Schreie zusammen mit mir.

Gibt es Erinnerungen aus der Entstehung von „Through The Hourglass“, die dir besonders auffallen? Krisen, Lektionen, Dinge, die du beim nächsten Album anders angehen würdest – oder vielleicht besondere Highlights?
Ein paar gab es auf jeden Fall. Eins für mich persönlich war, als unser Produzent Matt Bayles entschieden hat, dass wir eine Gitarrenmelodie auf „The Spiral Eye“ harmonisieren müssen. Die Melodie hat sowieso schon zwischen Tonarten gewechselt, also war das Harmonisieren ein echter „Brain melter“. Aber wir haben es gemacht und es klingt unglaublich. Das andere wäre, dass wir Gastvocals in der Bridge desselben Songs von Irene Barber hatten. Sie kam rein und hat’s komplett abgerissen.

Witch Ripper; © Brittne Lunniss

Ihr seid inzwischen auf Tour. Wie haben Fans live auf das neue Material reagiert?
Wir lieben es. Es ist immer interessant zu sehen, welche Songs live richtig gut funktionieren. Songs wie „Echos And Dust“ – wir wussten, dass das Bretter werden, und die Leute lieben den wirklich. Der überraschende ist „The Spiral Eye“. Ich wusste nicht, wie die Leute live darauf reagieren würden, weil er länger und schwerfälliger ist, aber die Leute sind da wirklich reingegangen.

Was, glaubst du, macht euer Publikum zu einem besonderen Publikum?
Wir sind eine progressive Sludge-Metal-Band, die komplette Konzeptalben spielt. Die Leute werden nicht da sein, außer sie wollen das wirklich, und wir schätzen das sehr. Jeder, der bei unseren Shows war, weiß, dass wir ihnen dafür danken, dass sie da sind – und dass sie alles Mögliche machen könnten (Netflix, Videospiele oder was auch immer) und sich entschieden haben, an diesem Abend Kunst zu unterstützen. Wir erkennen das immer an und bedanken uns.

Wenn man sich heute in der Welt umschaut – und anders kann man es wirklich nicht sagen – kann das ziemlich beängstigend sein. Was möchtest du deinen Fans in Zeiten wie diesen mitgeben?
Wenn Leute unsere Musik hören, hoffen wir, dass sie eine Flucht bietet. Eine Reise in eine andere Sci-Fi-Welt, damit sie die Härten der realen Welt kurz ausblenden können. Und wenn es bei einer Show ist, sorgen wir dafür, dass die Leute eine gute Zeit haben und sich wahrgenommen fühlen.

Was ist dir wichtiger und warum: eine perfekt polierte, makellose Show von Anfang bis Ende – oder roher Rock ’n’ Roll mit Unperfektheiten, Fehlern und Lachen zugunsten von Attitüde und Authentizität?
Oh, wir sind live definitiv Rock and Roll. Es ist wirklich komplizierte Musik, und wir sind vier Menschen. Fehler passieren, aber noch wichtiger ist, dass wir dafür sorgen, dass die Energie auf der Bühne Spaß macht.

Witch Ripper; © Brittne Lunniss

Worauf freust du dich besonders für den Rest dieses Jahres – ob live oder kreativ?
Da halte ich mich bedeckt, aber ich weiß, dass die Band wirklich begeistert ist von dem, was die Zukunft bringt.

Und zum Schluss unser Metal1-Brainstorming:
Hexen: Wir supporten Hexenzeug voll und ganz.
RUSH: Aber hallo, Bruder.
Die 70er: Eine der großartigsten Epochen der Musik überhaupt.
Zukunft: Wir hoffen einfach, dass KI uns nicht alle umbringt.
WITCH RIPPER in zehn Jahren: In der einen oder anderen Form werden wir Musik machen.

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Philipp Sorger

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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