Festivalbericht: Brutal Assault Open Air 2026 – Teil 2

07.08.2026 - 08.08.2026 Festung Josefov, Jaroměř (CZ)

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… unter anderem mit NEVERMORE, TRIPTYKON und AMENRA (Mittwoch) sowie WALTARI, BODY COUNT und AMORPHIS (Donnerstag)!


Freitag, 07.08.2026

Das Wetter ist an diesem dritten Festivaltag wieder besser – trocken und nicht zu heiß – das Billing jedoch schwächelt ein wenig. Ab 13:00 Uhr gibt es mit ANGELUS APATRIDA auf der Marshall-Stage zumindest Musik zum Wachwerden, wennschon sich der Auftritt der Spanier mangels Abwechslung auch auf nur 40 Minuten Länge etwas zieht. Auch RATOS DE PORTAO, eine sympathische und klar antifaschistisch positionierte Hardcore-Band aus Brasilien, locken noch nicht allzu viele Fans vor die Sea-Shepherd-Bühne: Einige unermüdliche starten zwar schon hier einen Circle-Pit, ansonsten lassen es die Festivalbesucher:innen heute eher ruhig angehen.

Im Kontrast dazu geht es programmatisch heute hart zur Sache: SIGNS OF THE SWARM liefern mit ihrem klassischen Deathcore quasi einen einzigen, 40-minütigen Breakdown, während sich die Lokalmatadoren SNET auf klassischen Death Metal fokussiert haben und CORROSION OF CONFORMITY ihren Stilmix zwischen Hardcore und Stoner präsentieren. Wen das nicht reizt, der hat auf dem BRUTAL ASSAULT auch stets die Möglichkeiten zu Alternativprogramm – sei es beim gemütlichen Flanieren über den Metal-Markt, bei einem Getränk der Wahl in einer der unzähligen In- und Outdoor-Bars, im Horror-Cinema oder bei einer der Clinic-Sessions (gegen Aufpreis). Für 15 € kann man beispielsweise MARDUK-Drummer Simon „Bloodhammer“ Schilling eine Stunde lang genau auf die Finger schauen: Play-Throughs und Improvisation, Technik-Tipps und ein allgemeines Q&A inbegriffen. Wer sich für Spieltechniken oder die Musiker hinter den Bands interessiert, ist hier richtig – auch ohne eigene Schlagzeug-Kenntnisse.

Begeisterung für Technik sollte auch mitbringen, wer sich ANIMALS AS LEADERS auf der Sea-Shepherd-Stage ansieht. Zwar muss das Instrumental-Trio den Opener „Gordian Knot“ aufgrund technischer Probleme nach wenigen Sekunden abbrechen und neu beginnen. Danach aber flutscht es wie mit Sonnencreme – die auch heute wieder unerlässlich ist: Als würde einem bei dem Level an Virtuosität nicht schon warm genug ums Herz, brennt auch die Nachmittagssonne mittlerweile wieder ordentlich herunter. Trotzdem ist das Infield vor der Bühne sehr gut gefüllt – und ein Fan versucht sich sogar zu diesem frickeligen Sound im Crowdsurfen.

Technisch ebenfalls brillant, aber um zwei Generationen älter, ist der legendäre ARTHUR BROWN alias „God Of Hellfire“. Mit einer starken Band im Rücken und tatkräftig von seiner Frau unterstützt, liefert der mittlerweile ehrfurchtgebietende 84 Jahre alte Sänger auf der Obscure-Stage eine stimmlich beeindruckende Show ab. Ob es all die verschiedenen Kostüme wirklich gebraucht hätte, steht auf einem anderen Blatt – wirkt der Brite von der ständigen „Notwendigkeit“ des Kostümwechsels zwischen den Songs doch etwas überfordert. Zumindest der brennende Hut bei „Fire“ oder das „Time Captives“-Kostüm sind natürlich zentraler Bestandteil der Show. In die letzten zwei Minuten quetscht der Herzblut-Performer noch „I Put A Spell On You“. Von diesem Mindset könnten sich viele junge Bands noch eine Scheibe abschneiden.

Das Publikum vor der Obscure-Stage wechselt anschließend komplett durch – steht mit MASTER BOOT RECORD doch ein krasser Stilbruch an. Geboten wird Retro-Synth auf Hardware wie einem modifizierten Commodore 64, ergänzt um Gitarren und Drums: Dass bei MBR mittlerweile der italienische Gitarren-Virtuose Edoardo Taddei dabei ist, macht die Show nicht nur zu einem Fest für Fans elektronischer Nerdmusik, sondern auch für Freunde anspruchsvoller Gitarrenmusik. Entsprechend groß ist der Andrang und entsprechend ausgelassen die Stimmung. Dass ein neuer Song debütiert wird, erfreut die eingefleischten Fans. Alle anderen gehen zu alten und neuen Songs einfach gleichermaßen ab, sodass die Securities beim Sichern der Crowdsurfer ordentlich ins Schwitzen kommen.

Der Verdacht liegt nahe, dass es der Crew vor den Mainstages bei CORONER und PALEFACE SWISS dahingehend nicht besser ergeht. Während das Programm dort anschließend mit CLAWFINGER und PRIMUS von Crossover gen Prog geht, wird es auf der Obscure-Stage düster: Es folgen gleich drei Oldschool-Shows aus dem Death- und Black Metal. Den Anfang machen GRAVE, die im Original-Lineup die Veranstalter 2025 so begeistern konnten, dass sie für 2026 gleich nochmal eingeladen wurden. Statt eines Nachmittags-Slots auf einer der Hauptbühnen bekommen die Schweden diesmal die Nebenbühne zur Primetime. Den Soundcheck macht die Band gleich selbst, und genauso unprätentiös geht es dann auch los. Die Ansagen holpern zwar etwas, dazwischen aber scheppert es wie erwartet gar herrlich. Große Unterschiede sind zwischen den Songs zwar nicht auszumachen; die Freude, mit der die alten Herren hier Lärm machen, wirkt jedoch ansteckend. So viele Crowdsurfende wie hier mussten die Securities vor der Obscure-Stage noch bei keiner Show herausfischen. Dass die Sicherheitskräfte nach der Show ihren eigenen Applaus bekommen, ist vollkommen verdient.

  1. Deformed
  2. In Love
  3. Turning Black
  4. You’ll Never See
  5. Morbid Way To Die
  6. Black Dawn (CORPSE-Cover)
  7. Day Of Mourning
  8. For Your God
  9. Extremely Rotten Flesh
  10. Soulless
  11. Into The Grave
  12. And Here I Die

Wer dachte, dass es bei GRAVE schon voll war, wird nun eines Besseren belehrt: Aus unerfindlichen Gründen wurde Publikumsliebling Nergal für seine BEHEMOTH-Retrospektive „Sventevith“ nur die kleine Bühne zugestanden. Natürlich ist Nergal, begleitet von den isländischen Black Metallern MISÞYRMING, mit denen er das BEHEMOTH-Debütalbum aufführt, nicht gleichbedeutend mit BEHEMOTH – trotzdem ist der Andrang vor der Obscure-Stage enorm. Wer sich diese Performance nicht ansieht, verpasst aber auch wirklich etwas: Dass Nergal, von der Gitarre befreit, ein beeindruckender Fronter ist, war zu erwarten – und doch überrascht es, wie agil und energiegeladen der Pole über die Bühne wetzt. Dass er seinen Gesang zudem dem rohen Black Metal der Anfangstage angleicht, trägt zudem zur Atmosphäre bei – vor allem aber spielen MISÞYRMING in der Rolle ihres Lebens: Die Isländer geben den alten BEHEMOTH-Songs genau den rohen Charme, den sie benötigen, sind zugleich aber routinierte Vollprofis: So wechselt Schlagzeuger M.S. während des Intros zum nächsten Song die defekte Fußmaschine seiner Bass-Drum, ohne den Ablauf im Geringsten zu verzögern. Dass das Publikum bei dieser Machtdemonstration vergleichsweise statisch bleibt, ist wohl darauf zurückzuführen, dass alle mit Staunen beschäftigt sind: Wie kraftvoll diese Songs klingen können, hätte wohl niemand erwartet.

  1. Chant Ov The Eastern Lands
  2. The Touch Of Nya
  3. From The Pagan Vastlands
  4. Hidden In A Fog
  5. Ancient
  6. Entering The Faustian Soul
  7. Forgotten Cult Of Aldaron
  8. Wolves Guard My Coffin
  9. Hell Dwells In Ice
  10. Moonspell Rites
  11. Transylvanian Forest
  12. Pure Evil And Hate

Wer schon mal hier ist, wechselt jetzt auch nicht mehr die Bühne – zumal auf den Hauptbühnen mit EIVØR und KATATONIA die ganz sanften Klänge angeschlagen werden. Hier auf der Obscure-Stage indessen geht es mit MARDUK weiter. Und spätestens jetzt eskaliert das Publikum komplett: Zu Krachern wie „The Blond Beast“ oder „Panzer Division Marduk“ wird die Barriere auf eine echte Belastungsprobe gestellt. Die Energie des Publikums wird von MARDUK wohlwollend zur Kenntnis genommen: Wirken die Schweden oft reichlich pissed und abweisend, meint man heute gelegentlich fast ein Lächeln über Mortuus‘ Lippen huschen zu sehen. Für ihre Verhältnisse sind MARDUK jedenfalls bestens gelaunt – entsprechend mitreißend fällt das Set bis hin zum finalen „Wolves“ aus, das Mortuus auch heute für eine anständige Blut-Dusche aus dem güldenen Pokal nutzt.

  1. Werwolf
  2. Baptism By Fire
  3. Sulphur Souls
  4. Shovel Beats Sceptre
  5. Cold Mouth Prayer
  6. Wartheland
  7. The Hangman Of Prague
  8. Materialized In Stone
  9. Throne Of Rats
  10. The Blond Beast
  11. Panzer Division Marduk
  12. Wolves

Um im Genre zu bleiben, aber auch um eine kleine Sensation nicht zu verpassen, empfiehlt sich nun – sorry, VIO-LENCE – der Wechsel vor die Hauptbühnen. Hier steht Ex-DIMMU-BORGIR-Gitarrist Galder mit seiner ursprünglichen Band OLD MAN’S CHILD auf der Bühne. Seit der unerwarteten Reaktivierung der Band nach 25 Jahren Pause haben OLD MAN’S CHILD erst ein gutes Dutzend Shows gespielt – und doch wirkt der Auftritt heute, als wären sie nie weg gewesen, sondern seit der Jahrtausendwende kontinuierlich gewachsen: Das Infield ist beeindruckend voll, und auch die Performance der Band, die sich vornehmlich aus ehemaligen DIMMU-BORGIR-Musikern zusammensetzt, wirkt im besten Sinne routiniert. Schade ist, dass sich Galder keinen Keyboarder ins Team geholt hat. So kommen die für den Sound der Norweger zentralen Keyboard-Passagen allesamt vom Band. Sieht man über diesen Makel hinweg, können OLD MAN’S CHILD rundum überzeugen. So hatte der Split zwischen Shagrath/Silenoz und Galder am Ende sein Gutes: OLD MAN’S CHILD sind wieder da – und DIMMU BORGIR stilistisch wieder auf Kurs.

  1. Towards Eternity
  2. King Of The Dark Ages
  3. Hominis Nocturna
  4. Doommaker
  5. Soul Possessed
  6. Twilight Damnation
  7. The Soul Receiver
  8. God Of Impiety
  9. Unholy Vivid Innocence
  10. The Millennium King

Samstag, 08.08.2026

Nachdem die deutschen DESERTED FEAR den letzten Tag zur gottlosen Zeit von 10:30 Uhr morgens (!) eröffnen mussten, geht es auch auf der Sea-Shepherd-Bühne mit Death Metal weiter – allerdings aus Südafrika: VULVODYNIA legen nicht nur ein ordentliches Slam-Death-Metal-Brett hin, sondern begeistern vor allem durch ihre neue Sängerin: Die Amerikanerin Maya Pobst, die den Job erst in diesem Jahr nach einem offenen Bewerbungsverfahren bekommen hatte, kann stimmlich wie in Sachen Bühnenpräsenz voll und ganz überzeugen. So bleiben immer mehr Fans stehen und VULVODYNIA können trotz der stechenden Sonne auf eine ansehnliche Crowd herabblicken.

Auf der Marshall-Stage geht es im Anschluss mit der nächsten Ausnahmesängerin weiter: Agnete Kjølsrud führt hier ihre Djent-Rock-Band DJERV ins Feld. Deren Begeisterung, aber auch ihre Lässigkeit suchen ihresgleichen: Wo andere Sänger:innen mit Hustenbonbons ihre Stimmbänder ölen, pafft Kjølsrud während der Show an einer stattlichen Zigarre. Aber auch sonst sind DJERV in jeder Hinsicht außergewöhnlich: Bassist Øyvind Lunde kommt gleich mehrfach mitsamt seinem Bass ins Publikum und auch Kjølsrud selbst geht zu „Madman“ nochmal crowdsurfen – singend, versteht sich. So viel Energie, Spielfreude und Dankbarkeit für das trotz früher Stunde erfreulich zahlreich erschienene Publikum erlebt man selten … von den herausragenden Songs ganz zu schweigen.

  1. Abmuse
  2. The Bowling Pin
  3. Reignbreaker
  4. Get Jinxed
  5. Rebel Heart
  6. Bundy (ANIMAL-ALPHA-Cover)
  7. Headstone
  8. Madman

Wer der Hitze entfliehen will, hat auf der Kal-Stage die Gelegenheit eines Previews zur neuen WARDRUNA-Doku – im intimen Rahmen inklusive anschließendem Q&A mit Einar Selvik – oder kann sich im Horror Cinema historische Gruselfilme wie „The Naked Witch“ (1964) ansehen.

Auf der Mainstage geht es derweil mit HEAVY//HITTER, REVOCATION und SACRED REICH weiter: Letztere begeistern nicht nur durch ihren Thrash Metal, sondern vor allem durch die bodenständige, grundsympathische Art von Fronter Phil Rind, der nicht nur glaubhaft versichert, gar nicht richtig berühmt sein zu wollen, sondern auch anprangert, dass Bands mittlerweile mehr auf Social Media als im Proberaum abhängen: Mit nunmehr 40 Jahren im Geschäft sind SACRED REICH über solche Zwänge sowieso erhaben. So können die US-Amerikaner im prallen Sonnenschein ausgiebig mit ihren Fans Geburtstag feiern – ganz ohne Druck, daraus Content erstellen zu müssen.

  1. Manifest Reality
  2. The American Way
  3. Salvation
  4. One Nation
  5. Who’s To Blame
  6. Independent
  7. Death Squad
  8. Surf Nicaragua

Außer für absolute Traditionalisten tut sich im Spielplan nun leider ein Mittagstief auf: Mögen die Florida-Deather MONSTROSITY wie auch die New Yorker Thrasher DEMOLITION HAMMER Veteranen ihres Fachs sein, hat es doch seinen Grund, warum es beide nie aus dem Underground ihrer Szenen geschafft haben: Das Gebotene ist solide, aber leider nicht mehr.

Modern wird es statt mit PEELINGFLESH, die aus persönlichen Gründen absagen mussten, bei den kurzerhand eingesprungenen GUTRECTOMY aus Deutschland. Wer nicht tief im Genre verwurzelt ist, bemerkt den Wechsel im Vorübergehen vermutlich gar nicht, denn auch GUTRECTOMY liefern wuchtigen Slam Death ohne Metaebene: „Next song is about eating 6 humans by daylight … it’s called „Eating 6 Humans By Daylight““. Den Charakter einer Notlösung hat die Show keine Sekunde – im Gegenteil: Ab dem ersten Breakdown (nach wenigen Sekunden) tobt der Pit, und spätestens mit ihrem neuen Song „Sledgehammer Dismemberment“ (inklusive Sample des 1990er-Jahre-Hits „Macarena“ von LOS DEL RÍO) herrscht Partystimmung. Und selbst die geforderten 8.000 Crowdsurfer kommen beim letzten Song zusammen – zumindest näherungsweise.

  1. Trapped In Angst
  2. Shard Throat
  3. Sledgehammer Dismemberment
  4. Eating 6 Humans By Daylight
  5. Jackhammer Lobotomy
  6. Abyss
  7. Carnage In Despair
  8. Rough Justice
  9. Scorched Earth
  10. Condemned To Suffer
  11. Vamos A La Playa

Deutlich spannender (oder zumindest etwas vielseitiger) als IMMINENCE auf der Sea-Shepherd-Stage sind CONJURER, die darum genug Fans anlocken, um das Octagon bis auf den letzten Platz zu füllen. Mit Recht: CONJURER präsentieren sich nicht nur musikalisch spannend und technisch blitzsauber, sondern zeigen zudem Haltung: Ein Song geht an die Trans-Community raus („Let Us Live“), in einer anderen Ansage richtet sich Dani Nightingale gegen Billionäre. Bei ihren Fans rennen CONJURER damit offene Türen ein und sorgen für fliegende Mähnen.

Fast ein wenig überraschend bleibt das Octagon auch für die anschließenden DOODSESKADER voll – obwohl der elektronisch geprägte Drum & Bass nicht gerade Metal-typisch ist und zeitgleich auf der Marshall-Stage INSOMNIUM finnische Melancholie zelebrieren. Melancholisch ist auch das Duo DOODSESKADER – allerdings eher auf desillusionierter Ebene: Der Titel des letzten Songs, „Live, Love, Laugh“, klingt nur so lange positiv, bis Tim De Gieter ein desillusioniertes „Doesn’t work for me“ nachschiebt. Dass die Band die Bühne trotzdem mit Luftballon-Backdrop gestaltet hat, passt perfekt zu dieser wunderbaren Weltschmerz-Party.

Ob THE GHOST INSIDE auf der Hauptbühne überhaupt Publikum haben, ist nicht bekannt – viele Fans können es aber kaum sein, wenn man sich anschaut, was schon vor Showbeginn bei VADER los ist. Die sind auf der Obscure-Stage eine krasse Fehlbelegung, stehen die Fans doch wie gesteckt bis weit in den Metal-Markt hinein. Neben dem Status der Polen, die (auch aufgrund der vielen Festivalbesucher aus Polen) auf dem BRUTAL ASSAULT quasi als Lokalmatadoren durchgehen, ist es natürlich ihr Ruf als herausragende Liveband, die so viele Leute anlockt. Diesem werden VADER auch heute vollkommen gerecht: Wuchtiger und mit mehr Biss kann man Thrash-Death nicht spielen. Selbst die Routiniers von VADER wirken angetan von der durch den schmalen Zuschauerbereich noch größer wirkenden Masse.

  1. Sothis
  2. Fractal Light
  3. Wings
  4. The One Made Of Dreams
  5. Reign Forever World
  6. Kingdom
  7. The Crucified Ones
  8. The Book
  9. Cold Demons
  10. This Is The War
  11. Lead Us!!!
  12. Predator
  13. Dark Age
  14. Carnal

Viel mehr Publikum haben CANDLEMASS auf der Hauptbühne jedenfalls auch nicht: Erst als die Massen gewandert sind, haben die Schweden eine ansehnliche Crowd, die dem Primetime-Slot wie auch dem Anlass gerecht wird. CANDLEMASS feiern nämlich 40-jähriges Bandbestehen – mit entsprechender Auswirkung auf das Set: „We play the Classic today, sorry“ kündigt Fronter Johan Langquist bereits früh an. Nicht nur die Klassiker überzeugen, sondern auch der Auftritt selbst: Bodenständig und sympathisch, vor allem aber musikalisch lupenrein, machen CANDLEMASS deutlich, warum sie seit vier Dekaden Bestand haben – und bis heute relevant geblieben sind.

  1. Bewitched
  2. Mirror Mirror
  3. At The Gallows End
  4. Under The Oak
  5. The Bells Of Acheron
  6. Dark Reflections
  7. Crystal Ball
  8. The Well Of Souls
  9. Solitude

Wer im Anschluss mit doomigem Black Metal aus Deutschland geplant hatte, wird enttäuscht: Krankheitsbedingt mussten THE RUINS OF BEVERAST ihren Auftritt im Octagon absagen. Stattdessen haben die Verantwortlichen kurzerhand AFSKY aus dem Hut gezaubert. Dass das weit mehr ist als ein Lückenbüßer, zeigt sich am Publikumsinteresse: Der Innenhof ist rappelvoll. AFSKY könnten routinierter nicht auftreten. Eine kurze Ansage zum Zustandekommen oder in Richtung der ausgefallenen THE RUINS OF BEVERAST und deren Fans wäre vielleicht nett gewesen – dafür bekommen AFSKY-Fans eine vollwertige Show geboten, die nur unter der nach hinten hin merklich abnehmenden Soundqualität im Octagon leidet.

  1. Flaggelanternes Sang
  2. Den Der Ingenting Ved Tvivler Aldrig
  3. Tyende Sang
  4. Frosne Vind
  5. Tid
  6. Oh Måneløse Nat
  7. Natmaskinen
  8. Tak For Alt
  9. Et Sidste Farvel
  10. Angst

Vor den Hauptbühnen könnte es derweil mal wieder kaum abwechslungsreicher zugehen: Stand eben noch schreiend und lärmend die DEATH-Tribute-Truppe LEFT TO DIE auf der Sea-Shepherd-Stage, folgt auf der Marshall-Stage mit WARDRUNA die wohl ruhigste Show des diesjährigen BRUTAL ASSAULT OPEN AIR. Das gilt zum Glück nicht nur für die Musik, sondern auch für die Zuschauenden: Wer WARDRUNA sehen möchte, scheint bereit, sich darauf für die gebotenen 75 Minuten einzulassen. So herrscht im Großen und Ganzen respektvolles Schweigen, während Einar Selvik, Lindy-Fay Hella und ihre Mitstreiter mit altertümlichen Instrumenten nordischen Traditionen huldigen. Während die Show ansonsten wortlos verstreicht, gelingt es Selvik, in nur einer Ansage alles zusammenzufassen, worum es in WARDRUNA geht: Traditionen wie Singen gemeinsam in der Gegenwart zu zelebrieren, statt in der Vergangenheit zu leben oder Reenactment zu betreiben. So eingeleitet entwickelt das finale „Helvegen“ im Schein extra dafür entzündeter Fackeln eine noch eindrucksvollere Wirkung als die Show bis dahin eh schon. Gänsehaut!

Auf einer so zentralen Position wie dem eigentlich von CRADLE OF FILTH belegten 23:00-Uhr-Slot Ersatz heranschaffen zu müssen, ist wohl der Alptraum eines jeden Veranstalters. Insofern verdient die kurzfristige Verpflichtung von SATYRICON größten Respekt. Leider vergisst man angesichts des großen und geschichtsträchtigen Namens gerne mal, wie viele belanglose Alben und damit Songs die Band mittlerweile geschrieben hat. Mit „Midnight Serpent“ als Opener bringen die Norweger jedenfalls noch niemanden in Wallung – und „Our World, It Rumbles Tonight“ lässt die Stimmung im Publikum so weit absinken, dass sogar der Hit „Black Crow On A Tombstone“ heute nicht richtig zündet. Ebenso verhält es sich mit dem nächsten Paar, „To Your Brethren In The Dark“ und „Now, Diabolical“. Erst in dessen Verlauf gewinnen SATYRICON das Publikum langsam für sich. Die unzähligen Crowdsurfer sind jedoch eher kein Zeugnis für eine gute Show. Vielmehr wirken diese wie Show-Touristen, die bei Fans in den vorderen Reihen für Ärger und Unverständnis sorgen. Mit dem Grande Finale aus „Fuel For Hatred“, „Mother North“ und „K.I.N.G.“ kann man freilich nicht nicht überzeugen – dennoch bleibt die Show hinter den Erwartungen zurück: Der Sound ist trotz zwischenzeitlich drei Gitarren schammig, und wennschon Fronter Satyr heute auf Kutte und Fahne verzichtet, funktioniert das Netter-Metal-Daddy-Image einfach nicht: Von der frostigen Aura, mit der Satyr dereinst das Publikum in seinen Bann geschlagen hat, ist heute leider nichts mehr zu spüren.

  1. Midnight Serpent
  2. Our World, It Rumbles Tonight
  3. Black Crow On A Tombstone
  4. To Your Brethren In The Dark
  5. Now, Diabolical
  6. The Pentagram Burns
  7. Hvite Krists Død
  8. Fuel For Hatred
  9. Mother North
  10. K.I.N.G.

Auf soetwas wie Ausstrahlung verzichten PERTURBATOR dann gleich ganz: Der französische Elektro-Musiker verzichtet auf jede Interaktion mit dem Publikum und lässt ganz die Wellen sprechen. Gemeint sind gleichermaßen Schall und Licht – denn beides hat im Kontext einer PERTURBATOR-Show annähernd gleiche Relevanz. Aufgrund der bis ins Detail auf die Musik abgestimmten Lightshow, aber auch aufgrund seines auf schiere Lautstärke ausgelegten Elektro profitiert PERTURBATOR enorm vom Setting der großen Festivalbühne: Zu so später Stunde, am letzten Festivaltag und parallel zu BORKNAGAR ist das Publikum zwar schon stark ausgedünnt – so wuchtig, so monumental und so eindrucksvoll wie in diesem Setting kann man PERTURBATOR in keinem Club erleben. Vielleicht nicht der stilistisch passendste, aber doch ein würdiger Abschluss für das BRUTAL ASSAULT #29 – zumindest für alle, die nicht noch gewillt sind, eine weitere halbe Stunde zu warten, um sich von 2:00 Uhr bis 2:40 Uhr noch CARPATHIAN FOREST auf der Obscure-Stage anzusehen.


Fazit

Auch in seiner Prä-Jubiläums-Ausgabe zeigt sich das BRUTAL ASSAULT von seiner besten Seite: Stilistisch findet sich im Programm so ziemlich alles von Rap über Nu, Prog, Death und Thrash bis Black Metal und allen Core-Spielarten. Wirklich „brutal“ sind also längst nicht mehr alle Bands im Billing des BRUTAL ASSAULT. Insbesondere Black Metal ist auch in diesem Jahr rar gesät. Immerhin haben die Veranstalter auch in diesem Jahr auf die Fans gehört: Diverse Überschneidungen genregleicher Bands in der ersten Running-Order-Version wurden nach Protesten in der Community in einem zweiten Anlauf behoben.

Diese enge Verbindung zwischen Organisatoren und Fans zeichnet das BRUTAL ASSAULT auch sonst in vielen Belangen aus. So wurde dem Wunsch der Fans hinsichtlich mehr Trinkwasser-Hähnen und Wasserstellen sowie mehr WC-Containern auf der Area nachgekommen. Auch können Becher nicht mehr erst am letzten Tag, sondern jederzeit zurückgegeben werden, und mit dem Top-up des Cashless-Chips sind auch die Wartezeiten am „Bankschalter“ Geschichte. 

Auch sonst ist das BRUTAL ASSAULT um Verbesserung des Gesamterlebnisses bemüht: Neue Biersorten wie auch das bei der Hitze überaus beliebte Wasser mit Hopfenaroma (alkoholfrei), aber auch das um neue Foodtrucks mit hochwertigem Angebot erweiterte Essensangebot sorgen für eine entspannte Verpflegungssituation. Und das zu nach wie vor unschlagbaren Preisen: Die Speisen sind mit rund 10–15 € pro Portion nicht günstig, dafür in der Regel auf Restaurant- oder Streetfood-Festival-Niveau. In Kombination mit einem Getränk (z. B. 2,50 € und 3,50 €/0,5 l für Sprudelwasser, Limo und verschiedene Biersorten) ist die Verpflegung im Festivalvergleich günstig.

Das ist aber auch unerlässlich – denn nur gut gestärkt lässt sich das stramme Programm über vier Tage hinweg bewältigen. Zwar sind auf den Mainstages nicht alle vier Tage gleich stark besetzt – durch großartige Newcomer und Underground-Acts auf den Nebenbühnen wird das aber leicht kompensiert. Wer wann wo spielen darf, überrascht mitunte. So erweisen sich die Nebenbühnen (beziehungsweise der Platz davor) für einige der dort auftretenden Bands als deutlich zu klein. Da die Festungsmauern keine Vergrößerung des Publikumsbereichs zulassen, ließe sich da nur mit weniger namhaften Bands gegensteuern – eine unpopuläre, aber nicht unvorstellbare Lösung.
Denn ganz allgemein bietet das BRUTAL ASSAULT eher zu viel als zu wenig: Der Late-Night-Slot bis 2:40 Uhr nachts auf der Obscure-Stage (selbst am Tag vor der Abreise) sowie der Opener-Slot um 10:30 Uhr morgens sind für alle Beteiligten undankbar. Und sind wir ehrlich: Auch mit ein paar Acts weniger wäre das Festival noch wirklich fair bepreist. Zwar kostet das Ticket im nächsten Jahr rund 13% mehr (220 € in der ersten regulären Preisstufe für 2027 versus 195 € in diesem Jahr).

Dafür darf man auf ein besonderes Billing für BRUTAL ASSAULT #30 hoffen: Mit Bands wie MERCYFUL FATE, EMPEROR und CHILDREN OF BODOM schürt bereits die erste Bestätigungswelle Vorfreude. Fest steht darüber hinaus eins: die Festung Josefov. Am Ambiente des BRUTAL ASSAULT wird sich also trotz der anstehenden Jubiläumsausgabe nichts ändern. Wie viel das wert ist, zeigt sich grade in Danzig, wo das beliebte FESTIVAL MYSTIK 2026 vom heimeligen Werftgelände Abschied nehmen musste und auf ein Multifunktionsareal beim Fußballstadion umziehen wird. Satan bewahre!

Erste Bandwelle: Brutal Assault 2027
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Moritz Grütz

Publiziert am von

4 Kommentare zu “Brutal Assault Open Air 2026 – Teil 2

  1. Kleine Ergänzung:
    Die Auftritte von „Violent Magic Orchestra“ und „arottenbit“ waren auch eine interessante Erfahrung. Das Publikum hat sie jedenfalls gefeiert.

  2. Einfach mal Dank für den ausführlichen Bericht, der einem das BA vor Augen führt. Vielleicht geb ich mir das doch auch mal wieder…

    1. Danke – freut mich, wenn das, grade in der Ausführlichkeit, interessant zu lesen war … insbesondere auch für jemanden, der nicht vor Ort war.

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