Festivalbericht: Brutal Assault Open Air 2025 – Teil 1

06.08.2025 - 07.08.2025 Festung Josefov, Jaroměř (CZ)

War das BRUTAL ASSAULT noch vor wenigen Jahren vornehmlich von Tschechen und Polen besucht, ist das Festival bei Jaroměř (Tschechien) unterdessen zur Anlaufstelle für Metal-Fans aus der ganzen Welt geworden. Kein Wunder, bietet das BRUTAL ASSAULT doch mit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller europäischen Open Airs: Das Billing für die vier Showtage beeindruckt in Quantität und Exklusivität, die Festungsanlage Josefov ist dank kurzer Wege und atemberaubendem Ambiente als Location kaum zu übertreffen und auch hinsichtlich der Organisation, des Essensangebots und der Preise sticht das Festival hervor.

So überrascht es nicht, dass das BRUTAL ASSAULT #28 bereits vorab ausverkauft ist. Doch wo das andernorts stundenlanges Warten bedeutet, könnte schon die Anreise (zumindest mit dem PKW) kaum entspannter laufen: Weder am Parkplatz noch am Campground (für beides wird ein Extra-Ticket benötigt) gibt es Warteschlangen – und auch das Armbändchen mit dem Cashless-System-Bezahlchip ist in wenigen Minuten abgeholt. Ebenfalls hervorzuheben: Wo ausverkauftes Haus andernorts für ausschweifende Zeltstadt-Partys und Dauerbeschallung aus allen Richtungen steht, herrscht auf dem Campground weiterhin erholsame Ruhe: Nach wie vor schätzen Fans aus nah und fern das BRUTAL ASSAULT für das einmalige Ambiente und das so sorgfältig wie vielseitig kuratierte Programm mit 125 Shows auf vier Bühnen.

Aufgrund des umfangreichen Programms beschränken wir uns auf die Shows auf den zwei Hauptbühnen (Sea-Shepherd- und Marshall-Stage), ergänzt um einen Nebenbühnen-Exkurs pro Tag zu ausgewählten Shows auf der Obscure-Stage und der vierten Bühne im Octagon.


Mittwoch, 06.08.2025

Schon der „offizielle“ Auftakt des BRUTAL ASSAULT 2025 (nach dem Warmup-Programm tags zuvor mit unter anderem CARNIVORE AD und MACABRE als Headlinern) macht klar, dass das Festival seinen Namen nicht ohne Grund trägt: Die tschechischen BRUTALLY DECEASED eröffnen die linke der beiden Hauptbühnen (Marshall-Stage), gefolgt vom nicht minder brutalen Death Metal der norwegischen BLOOD RED THRONE auf der rechten Hauptbühne (Sea-Shepherd-Stage). Dass diese gar so früh dran sind, überrascht bei fast 30 Dienstjahren doch etwas – wie auch bei WARBRINGER, die sich davon aber nicht irritieren lassen und vor bereits beachtlichem Publikum eine astreine Thrash-Show abliefern. Der erste Core versteckt sich hinter dem nicht wirklich passenden Namen (und Logo) von CRYSTAL LAKE – musikalisch liefern die Japaner aber eine solide Show, die die gute Stimmung im Infield aufrechterhält. [mg]

Wer im Anschluss lieber mitdenken als -bangen will, ist bei NE OBLIVISCARIS richtig – entsprechend skurril erscheint die zwischenzeitlich vorgetragene Forderung nach einem Circle Pit. Das komplexere Sounddesign der Australier kommt heute allerdings nicht zur vollen Entfaltung. Zwar setzt sich die charakteristische Geige von Tim Charles im Laufe des Sets immer besser gegen die anderen Instrumente durch und jeder Musiker liefert für sich eine beeindruckende Performance. Der so dichte, differenzierte und druckvolle Sound der Alben kommt heute trotzdem nicht aus den Boxen. Davon unbenommen fasziniert vor allem das elfminütige Prog-Epos „And Plague Flowers The Kaleidoscope“ – und der neue Sänger James Dorton fügt sich reibungslos ins Bandgefüge ein. [mm]

Mit DOPE geht es zurück in die 1990er – das weiß auch Fronter Edsel Dope, wenn er vom Publikum fordert „Put your hands in the air like it’s 1999“. Für Stimmung sorgt der Nu-Metal des Quartetts auch – insbesondere natürlich der Hit „Burn Motherfucker“ und das „Spin Me Around“-Cover. Dass der Sound zu Beginn der Show ziemlich schlecht ist, fällt insofern stark ins Gewicht, als DOPE deutlich kürzer spielen als angekündigt: nach gerade einmal 25 Minuten (statt der angekündigten 40 Minuten) ist der Spaß schon wieder vorbei. Dass Edsel Dope seine Stimme für STATIC-X schonen möchte, ist verständlich, aber wenn die nicht für zwei volle Shows hält, sollte man den Veranstaltern keine Doppel-Shows anbieten. [mg]

Auf die traditionell-paganen Klänge von SKALMÖLD folgt mit THROWN das exakte Gegenteil: moderner Hard-/Deathcore – leider aber ohne Bass und mit absolut generischem Gitarrensound. Für den aktuellen Hype ist vor der Bühne verhältnismäßig wenig los. Im Pit jedoch wird mächtig Staub aufgewirbelt. Bei dem wenigen Material, das THROWN bislang veröffentlicht haben, überrascht es wenig, dass nach 35 Minuten Schluss ist. Warum  allerdings 50 Minuten angesetzt wurden, erklärt sich nicht von selbst. [mg]

Mit DARK ANGEL steht eine Legende des amerikanischen Thrash Metal auf dem Programm. Die initial 1981 gegründete Truppe zieht entsprechend viele Oldschool-Fans vor die Bühne – und neben der Bühne lassen sich Kollegen wie Mark Osegueda von DEATH ANGEL oder Tony Campos von STATIC-X die Show nicht entgehen. Doch auch, wer den Namen heute zum ersten Mal bewusst registriert, kann hier Spaß haben: Zum einen trommelt hier niemand Geringeres als Gene Hoglan, den besonders interessierte Fans zuvor schon in einer Drum-Session auf der Kal-Stage solo erleben durften. Zum anderen geht die Band mit viel Elan an die Sache: Das gilt insbesondere für Fronter Ron Rinehart, der mehrfach zu den Fans herunter- und für einen Song sogar ins Publikum kommt. [mg]

  1. We Have Arrived
  2. Time Does Not Heal
  3. No One Answers
  4. Extinction-Level Event
  5. Darkness Descends
  6. The Burning Of Sodom
  7. Hunger Of The Undead
  8. Merciless Death
  9. Death Is Certain (Life Is Not)
  10. Black Prophecies
  11. Perish In Flames

STATIC-X feiern seit ihrer Rückkehr 2020 das Erbe des 2014 verstorbenen Frontmanns Wayne Static. Dass Gitarrist und Sänger Edsel Dope hier unter dem Pseudonym Xer0 und maskiert auftritt, um diesen zu ehren und seinen Platz gewissermaßen freizuhalten, ist eine schöne Idee. Ob ein Cyborg-Outfit mit rot leuchtenden Augen und dem Versuch einer Wayne-Static-Gedächtnis-Tolle, die allerdings eher an Cast-Away-Volleyball Wilson denken lässt, auch eine gute Umsetzung darstellt, steht auf einem anderen Blatt. Schwerer wiegt vielleicht, dass Xer0 viele Songs doch eher schreit als singt und der Sound derart aggressiv aufgerissen ist, dass die überwiegend ohnehin nicht eben feinsinnigen Songs mitunter doch etwas hohl dahergeballert klingen. Da helfen unterm Strich auch zahlreiche Gimmicks und Showelemente nichts. Die Fans vor der Bühne stört das aber kaum, STATIC-X werden frenetisch abgefeiert. [mm]

  1. Bled For Days
  2. Wisconsin Death Trip
  3. Fix
  4. Sweat Of The Bud
  5. Cannibal
  6. Terminator Oscillator
  7. Love Dump
  8. I Am
  9. Black And White
  10. Get To The Gone
  11. Dirthouse
  12. Destroy All
  13. Cold
  14. I’m With Stupid
  15. Push It

Mit ihrem Namen in riesigen Arial-Buchstaben stellen DYING FETUS nicht nur ihren Namen klar, sondern stehen wortwörtlich für sich, sprich: Hier bekommen alle vor der gepackt vollen Marshall-Stage genau das, was sie erwarten. Mit einer beeindruckenden Menge an Crowdsurfern, bei minimalistischem Licht ballern DYING FETUS ihren technisch hochkomplexen Brutal Death über das Publikum und sorgen dafür, dass die Festungsmauern wackeln. Beim Andrang vor der Bühne kann man schon fast von einer Headliner-würdigen Show sprechen. [bl]

  1. Schematics
  2. Unbridled Fury
  3. Subjected To A Beating
  4. From Womb To Waste
  5. Into The Cesspool
  6. Beaten Into Submission
  7. Streaks Of Blood (Baphomet-Cover)
  8. Wrong One To Fuck With
  9. Epidemic Of Hate
  10. Grotesque Impalement
  11. In The Trenches
  12. Praise The Lord (Opium Of The Masses)

MASTODON waren zwar schon in der Festung Josefov zu Gast, allerdings war der letzte Besuch 2016. Seitdem hat sich allerdings das Besetzungskarusell gedreht: Unter immer noch unklaren Gründen gehen Bret Hinds und der Rest der Band seit einigen Monaten getrennte Wege. Diesen markanten Einschnitt merkt man der Band aus Georgia allerdings nicht an: Souverän wie immer, wenn auch bei relativ leise abgemischtem Sound spielt sich die Band durch einen Mix ihrer bisherigen Alben. Unterstützt von psychedelischen Visuals und gepaart mit sympathischen Ansagen sorgt die Band nach jedem Song für lauten Jubel; am lautesten wird es aber neben der Ankündigung neuer Musik für 2026 beim „Leviathan“-Opener „Blood And Thunder“. Zum Abschluss gibt es mit dem Black-Sabbath-Cover „Supernaut“ noch ein Ozzy-Tribut, das sich perfekt in diese starke Show einfügt. [bl]

  1. Tread Lightly
  2. The Motherload
  3. Pushing The Tides
  4. Crystal Skull
  5. Black Tongue
  6. Megalodon
  7. Ember City
  8. More Than I Could Chew
  9. Mother Puncher
  10. Steambreather
  11. Blood And Thunder
  12. Supernaut (Black-Sabbath-Cover)

Mit M beginnt auch die nächste Band, damit enden aber schon die Gemeinsamkeiten zwischen MASTODON und MINISTRY: In ohrenbetäubender Lautstärke ballern die Industrial-Metaller ihre Hits in den extrem vollen Festungshof. Während dort ein gigantischer Circlepit wütet, bleibt es auf der Bühne gemütlich: Mastermind Al, selbst zur späten Stunde noch mit Sonnenbrille und Hut ausgestattet, beschränkt sich darauf, herumspazieren – das Singen überantwortet er hingegen über weite Strecken dem Sampler.

Bei dem sowieso von Voice-Overs nur so strotzenden Industrial Metal der Amis macht das wenig Unterschied – insbesondere, weil die aus Cesar Soto und dem zurückgekehrten Monte Pittman an den Gitarren, Paul D’Amour (Bass), Keyboarder John Bechdel und Drummer Pepe Clarke Magaña neu zusammengestellte Live-Band umso mehr Gas gibt. So mähen Songs wie „Rio Grande Blood“ oder „LiesLiesLies“ in ohrenbetäubender Lautstärke alles nieder. Sollte das wirklich die letzte MINISTRY-Tour gewesen sein, war das hier ein würdevoller Abschied. [mg]

  1. Thieves
  2. The Missing
  3. Deity
  4. Rio Grande Blood
  5. LiesLiesLies
  6. Goddamn White Trash
  7. Alert Level
  8. Burning Inside
  9. Stigmata
  10. N.W.O.
  11. Just One Fix
  12. Jesus Built My Hotrod
  13. So What

Nicht ans Aufhören denkt dagegen KERRY KING – im Gegenteil: Die heutige Show könnte den Titel „Die Rückkehr des Königs“ tragen. Elf Jahre nachdem SLAYER als wohl bis dato größte Band in einem BRUTAL-ASSAULT-Billing Geschichte geschrieben haben, ist der Mann mit der ikonischen Glatze-Bart-Frisur zurück in der Festung – diesmal mit seinem Soloprojekt. Der Unterschied ist bemerkenswerterweise marginal: Während KERRY KING auf der Bühne im wörtlichen wie auch übertragenen Sinne ein wahres Feuerwerk zünden, feiern die Fans sowohl die bandeigenen Songs als auch die SLAYER-Nummern ab, als wären tatsächlich SLAYER da.

Ob das tatsächlich nochmal besser wäre, darf ob der bockstarken Performance von Fronter Mark Osegueda fast angezweifelt werden. So oder so steht mit KERRY KING ein würdiger Headliner auf der Bühne – nicht zuletzt, weil sich die Band eben nicht als SLAYER-Coverband ausgibt, sondern die unvermeidlichen Hits wie „Reign In Blood“ eher nebenbei einstreut. So steht am Ende des 60-Minuten-Sets auf völlig zu Recht der bandeigene Banger „From Hell I Rise“. Was im Endeffekt ja nichts anderes bedeutet als: die Rückkehr des Königs. [mg]

  1. Where I Reign
  2. Rage
  3. Trophies Of The Tyrant
  4. Residue
  5. Two Fists
  6. Repentless (Slayer-Cover)
  7. Toxic
  8. Idle Hands
  9. Disciple (Slayer-Cover)
  10. Shrapnel
  11. Raining Blood (Slayer-Cover)
  12. Black Magic (Slayer-Cover)
  13. From Hell I Rise

Wenn eine Band den Slot nach dieser Machtdemonstration nicht zu fürchten braucht, dann sind es ROTTING CHRIST: Die Griechen überzeugen seit Jahren konstant mit kraftvollen Auftritten. So bekommen die Fans bei sinkenden Temperaturen nochmal ordentlich eingeheizt: Überraschungen hält das vornehmlich auf „Kata Ton Daimona Eautou“ (2013) basierende Set zwar keine bereit – zu so später Stunde ist ein Best-of mit dem wuchtig-düsteren Metal des Quartetts aber ein gelungener Tages-Ausklang.

  1. 666
  2. P’unchaw Kachun- Tuta Kachun
  3. Fire, God And Fear
  4. Kata Ton Daimona Eaytoy
  5. Like Father, Like Son
  6. Elthe Kyrie
  7. Non Serviam
  8. Societas Satanas (Thou-Art-Lord-Cover)
  9. In Yumen-Xibalba
  10. Grandis Spiritus Diavolos
  11. The Raven

Nebenbühnen-Exkurs (Mittwoch)

Warum der Titel „Obscure Stage“ (obschon eigentlich auch nur ein Sponsoren-Name) perfekt passt, zeigt sich mit der ersten Band des Tages: SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM. Das Ensemble aus studierten Musiker:innen kreiert in skurrilen Kostümen und unter Einsatz noch viel skurrilerer (selbstgebauter) Instrumente avantgardistischen Nerd-Rock. Viel nischiger könnte eine Band wirklich kaum sein, zumal SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM fast 15 Jahre pausiert hatten und entsprechend lang nicht live zu sehen waren. Dass diese Exoten einerseits gebucht und andererseits von einer beachtlichen Zahl eingefleischter Fans enthusiastisch bejubelt werden, zeigt beispielhaft, was das BRUTAL ASSAULT so speziell macht. [mg]

Nicht weniger obskur geht es später bei SIGH zu: Die japanische Band wird grundsätzlich dem Black Metal zugeschrieben – das Attribut „Avantgarde“ darf aber auch hier nicht unterschlagen werden: Das fängt mit den aufwändigen Kostümen im Samurai-Stil an, reicht über die Instrumentierung (inklusive Trompete, Saxophon und Flöten) und bis hin zur Performance selbst, an der – etwas fragwürdig – neben der Band selbst auch noch zwei kleine Kinder aus der Bandfamilie mitwirken. Wer sich von so viel „Drumherum“ nicht abgeschreckt fühlt, bekommt bei SIGH definitiv eine eindrucksvolle Performance geboten – die allerdings auch musikalisch klar in die Kategorie „Geschmackssache“ fällt. [mg]

Eine seltene Ehre wird BETWEEN THE BURIED AND ME zuteil: Die Band darf gleich an aufeinanderfolgenden Abenden auf der Obscure Stage spielen. Dabei ist gleich die erste Show der Progressive-Mathcore-Metalcore-Band etwas Besonderes – eine Special-Show zum Album „Colors“. Dass es zu diesem speziellen Anlass keinerlei Bühnendeko wie ein Backdrop gibt, und sich Sänger Tommy Giles Rogers Jr. optisch eher als Model für die nächste Jack-Wolfskin-Kampagne inszeniert, irritiert zunächst. In Anbetracht der Qualität, in der BETWEEN THE BURIED AND ME dieses hochkomplexe Album aufführen, ist es aber mehr als verschmerzbar, dass die Band den Fokus gänzlich auf die Musik richtet. In einer guten Stunde sind hier mehr Stilrichtungen zu hören als im Rest des Line-ups zu finden sind – und so verkopfte Moshpits wird es auch bei keiner anderen Band geben. [bl]


Donnerstag, 07.08.2025

Alle, die es am zweiten Festival‑Tag schon vormittags auf die Area ziehten, bekommen mit MAMMOTH GRINDER, FULCI, GUTSLIT und PSYCROPTIC Bands von vier verschiedenen Kontinenten zu sehen (USA, Europa, Indien und Australien). Gemeinsam ist allen die Liebe zum (Brutal) Death Metal – wach wird man hier also auf alle Fälle. Das ist auch nötig, um mit dem Mathcore von CAR BOMB klarzukommen. Umso willkommener ist die Verschnaufpause bei HIGH PARASITE – deren düster‑doomiger Death‑Pop zur Mittagsstunde natürlich nicht seine volle Wirkung entfalten kann. [mg]Auch GREEN LUNG liefern mit ihrem straighten Stoner Rock/Metal eine willkommene, wenn nicht geradezu notwendige Abwechslung zu den Death‑Metal‑Orgien auf den Main Stages. Schnarrender Bass, träge Gitarren, high‑pitched Gesang und immer wieder epische Soli. Heavy und entspannt zugleich wird noch einmal tief Luft geholt, bevor NILE direkt den nächsten Abriss starten. Die Hobby‑Ägyptologen um Gitarrist Karl Sanders zeigen mit einem guten Querschnitt durch die Diskografie, dass absurde Shreds, hochkomplexe Riffs, anspruchsvollstes Drumming und abgrundtiefes Gegrunze ausnahmslos immer zur Band gehört haben – aber auch, dass sich die Entwicklung und Abwechslung im Sound eher im homöopathischen Bereich bewegen. Das ist immer wieder beeindruckend, könnte aber – trotz des starken neuen Albums „The Underworld Awaits Us All“ (2024) – mitunter eine Frischzellenkur vertragen. [mm]

  1. Stelae Of Vultures
  2. To Strike With Secret Fang
  3. Sacrifice Unto Sebek
  4. Defiling The Gates Of Ishtar
  5. Kafir!
  6. Vile Nilotic Rites
  7. Sarcophagus
  8. Black Seeds Of Vengeance

Richtig kacke wird es anschließend – allerdings nur thematisch: Die tschechischen Klo‑Grinder GUTALAX laden zur Fäkalparty vor der Sea‑Shepherd‑Stage. Dass die Lokalmatadoren hier abgefeiert werden, ist nicht neu. Dass GUTALAX allerdings die Crowd eines Headliners in die Nachmittagssonne locken würden, beeindruckt dann doch – zumal ein guter Teil der Fans mit entsprechenden Accessoires einläuft: Aufblastiere und Klopapier, Pümpel und Klobürsten fliegen schon wild durcheinander, ehe sich nur ein Ton gespielt ist. Neben ihrem Grunz‑Grind haben GUTALAX heute diverse Gimmicks dabei – ein crowdsurfendes Dixiklo und die Festival‑Kita‑Gruppe „Brutal Kids“ auf der Bühne, BENIGHTED‑Sänger Julian «Julien» Truchan als Gast und – als Highlight – eine Horde Komparsen auf der Festungsmauer, die das Publikum mit Klorollen bewerfen. Geistreich ist das nicht, enormen Unterhaltungswert kann man GUTALAX aber nicht absprechen. [mg]

  1. Assmeralda
  2. Nosím Místo Ponožky Kousek Svojí Předkožky
  3. Buttman
  4. Šoustání Prdele Za Slunné Neděle
  5. Robocock
  6. Diarrhero
  7. Vaginapocalypse
  8. Shitbusters
  9. Strejda Donald

Dass es eher die Show als die Musik ist, die diese Unmengen an Festivalbesuchern vor die Bühne gelockt hat, zeigt sich am enormen Besucherstrom, der nach GUTALAX das Infield verlässt – obwohl KUBLAI KHAN TX nicht minder brutal zu Werke gehen. Dass die Truppe gestern noch in Spanien gespielt und laut Sänger Matt Honeycutt nur etwa zwei Stunden Schlaf abbekommen hat, merkt man den Texanern nicht an. Die noch immer beträchtliche Fanschar weiß das zu würdigen und feiert den rohen Hardcore/Beatdown des Quartetts mit wilden Moshpits. [mg]

  1. Supreme Ruler
  2. Theory Of Mind
  3. Low Tech
  4. Resentment
  5. Boomslang
  6. Swan Song
  7. Cannibal
  8. Darwinism
  9. Self-Destruct
  10. Loyal To None
  11. The Hammer
  12. Antpile
  13. Antpile 2

SUFFOCATION feiern in diesem Jahr ihr 35‑jähriges Bestehen – so auch gemeinsam mit ihren Fans auf dem BRUTAL ASSAULT. Die New Yorker gelten als Mitbegründer des Brutal Death Metal – und das hört man auch nach einem Vierteljahrhundert noch sehr eindrucksvoll. Entsprechend frenetisch feiert die treue Fanschar den traditionellen Stoff ab. Ein bisschen sind die US‑Amerikaner aber doch auch Opfer des eigenen Erfolgs: Inmitten zahlreicher Epigonen ist das Alleinstellungsmerkmal im wie eh und je kompromisslosen Geballer mitunter schwer auszumachen. [mm]

  1. Catatonia
  2. Seraphim Enslavement
  3. Pierced From Within
  4. Clarity Through Deprivation
  5. Effigy Of The Forgotten
  6. Perpetual Deception
  7. Thrones Of Blood
  8. Funeral Inception
  9. Liege Of Inveracity
  10. Infecting The Crypts

Dass ausgerechnet bei LANDMVRKS Blut fließen würde, hätte wohl niemand erwartet – doch als Sänger Florent Salfati unglücklich mit Bassist Rudy Purkat zusammenstößt, bekommt dieser von seinem eigenen Bass einen ordentlichen Cut am Auge verpasst. Davon lassen sich die aufstrebenden Franzosen nicht aufhalten und legen eine beeindruckende Show hin: Ob es die Live‑Graffiti‑Malerei von Salfati für eine gelungene Show gebraucht hätte, ist zumindest fraglich – zumal die Aktion komplett kontextfrei im Raum hängt: Sobald das Bild fertig ist, tragen Stage‑Hands dieses von der Bühne. Auch, dass gefühlt alle modernen Hardcore‑Bands den gleichen Gitarrensound haben, ist etwas schade. Musikalisch jedoch lässt die Show keine Wünsche offen: Der Sound drückt, das Set ist vielseitig zusammengestellt und die Performance wirkt gleichermaßen strukturiert wie lebendig. Stark! [mg]

  1. Creature
  2. Death
  3. Blistering
  4. A Line In The Dust
  5. Visage
  6. Sulfur
  7. Sombre 16
  8. Say No Word
  9. Scars
  10. Suffocate
  11. Lost In A Wave
  12. Rainfall
  13. Blood Red
  14. Self-Made Black Hole

LEPROUS geben im Anschluss eine eindrucksvolle Kostprobe ihres ganz eigenen Klangkosmos, der sich irgendwo zwischen hartem, rhythmisch anspruchsvollem Prog und exaltiert‑gefühligem Pop mit elektronischen Einsprengseln bewegt. Der nicht nur hier auf dem Brutal Assault ziemlich unikale Sound fasziniert von Anfang an – neben der ausgeklügelten, aber stets songdienlichen Instrumentierung ist es vor allem Sänger Einar Solberg, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. In seinem beeindruckenden stimmlichen Spektrum dürften die häufigen, manchmal sehr häufigen Wechsel in die Kopfstimme einigen Zuschauern womöglich etwas zu viel des Guten (oder: des Drama) sein. Sei’s drum: Bands wie LEPROUS lockern das Line‑up auf und funktionieren zwischen eher hartwurstigen Acts als Horizonterweiterung ausgesprochen gut. [mm]

  1. Silently Walking Alone
  2. The Price
  3. Illuminate
  4. Like A Sunken Ship
  5. Nighttime Disguise
  6. From The Flame
  7. Below
  8. Slave
  9. Atonement
  10. The Sky Is Red

Vor unglaublichen 41 Jahren haben sich OBITUARY gegründet – und sie treffen den Geschmack der Festivalgäste im Schnitt auch heute zweifellos besser als die norwegischen Progger, wie unschwer an der Crowd vor der Bühne zu erkennen ist. OBITUARY liefern einen Auftritt, der eher durch Wucht als durch Präzision überzeugt, aber den Fans damit auch genau das gibt, was sie wollen: morbid‑en, geradlinigen Death Metal, bei dem der angestaubte – oder: verrottete – Charme durchaus zum Programm gehört.  OBITUARY gelingt es vielleicht nicht, die Spannung über die kompletten 60 Minuten aufrechtzuerhalten, das Schlussquartett aus dem CELTIC-FROST-Cover “Circle Of The Tyrants” und den kultigen “Chopped In Half / Turned Inside Out”, “I’m In Pain” und “Slowly We Rot” stimmt aber mehr als versöhnlich. [mm]

  1. Redneck Stomp
  2. Threatening Skies
  3. By The Light
  4. The Wrong Time
  5. Infected
  6. Body Bag
  7. Dying
  8. Cause Of Death
  9. Circle Of The Tyrants (Celtic-Frost-Cover)
  10. Chopped In Half / Turned Inside Out
  11. I’m In Pain
  12. Slowly We Rot

Mit GOJIRA steht nicht nur der Tages‑Headliner, sondern der unangefochtene Headliner des Festivals auf dem Programm. Dass die Band spätestens seit ihrer Olympia‑Performance eigentlich zu groß für ein Festival wie das BRUTAL ASSAULT geworden ist, merkt man schon am „Füllstand“ des Infields: Insbesondere im vorderen Bereich ist schon eine Stunde vor Showbeginn kein Durchkommen mehr. Der Bühnenaufbau lässt aber auch Großes erwarten: Im Halbrund führt ein illuminierter Laufsteg um das Drumkit herum, statt eines Backdrops bietet eine LED‑Wand Raum für Visualisierungen – und natürlich beginnt die Show direkt mit massivem Einsatz von Pyrotechnik, später im Set ergänzt um Luftschlangen‑Konfetti.

All das ändert nichts daran, dass der Auftritt selbst zunächst etwas bräsig wirkt: Insbesondere die Ansagen von Joe Duplantier über das Leben im Allgemeinen und Fäkalgeruch im Speziellen wirken ziemlich konfus. Die Hits der Band wie „Backbone“, „Flying Whales“ oder das epische „Another World“ sind aber natürlich über jeden Zweifel erhaben. Je weiter das Set fortschreitet, desto beeindruckender wird das Rundum‑Paket aus Musik und Show. Den krönenden Abschluss bilden schließlich „L’enfant Sauvage“ und das finale „The Gift Of Guilt“ – begleitet von einem eindrucksvollen Funkenregen. [mg]

  1. Only Pain
  2. The Axe
  3. Backbone
  4. Stranded
  5. Flying Whales
  6. The Cell
  7. From The Sky
  8. Another World
  9. Silvera
  10. Mea Culpa (Ah! Ça Ira!) (Traditional-Cover)
  11. The Chant
  12. Amazonia
  13. L’Enfant Sauvage
  14. The Gift Of Guilt

Zumindest als Highlight angekündigt waren BLOOD FIRE DEATH – sogar als „unique performance“. Als „einmalig“ oder „einzigartig“ darf man das jedenfalls nicht verstehen, ist die Band doch bereits jetzt für das Wacken Open Air 2026 bestätigt. Und auch sonst ist das Konzept in mehrerlei Hinsicht fragwürdig: Es fängt damit an, dass BLOOD FIRE DEATH geflissentlich ignoriert haben, dass es bereits seit rund 15 Jahren eine deutsche BATHORY‑Tribute‑Band dieses Namens gibt. Mindestens genauso viele Fragen wirft das Line‑up auf, da sich offensichtlich weder die illustre Schar der Mitmusiker (inklusive Gaahl) noch die Veranstalter des BRUTAL ASSAULT (wie auch des Wacken Open Air) an der Personalie Bård Guldvik Eithun aka Faust als Schlagzeuger stören, der für die Tötung eines Homosexuellen knapp zehn Jahre eingesessen hatte, die Tat aber Interviews zufolge bis heute nur als „sinnlos“ einstuft.

Und dann ist da noch die Umsetzung: Ob sich Quorthon wirklich gewünscht hätte, dass ein dreiköpfiger Chor in Regenjacken vor zwei Feuerschalen im Wegwerfgrill‑Format für „Atmosphäre“ sorgen, während die Allstar‑Band reichlich untight durch das Songmaterial stolpert, darf angezweifelt werden. Zumal Quorthon als eher zurückhaltend erinnert wird – und diese Performance das genaue Gegenteil verkörpert: Viel mehr als die Musik stehen hier nämlich Namen im Vordergrund: Neben der prominenten Kernbesetzung aus Erik (WATAIN), Apollyon (AURA NOIR), Ivar Bjørnsson (ENSLAVED), Rune Eriksen (ex‑MAYHEM, VLTIMAS) und eben Faust wirkt (wie schon bei den BATHORY-Tribute-Shows von TSJUDER) wie zur „Legitimation“ Fredrik Melander mit, der sich immerhin ein Jahr als Bassist bei BATHORY in die Vita schreiben darf. Aber auch Gaahl (GAAHLS WYRD), Grutle Kjellson (ENSLAVED) und Attila Csihar (MAYHEM) lassen sich dieses Gathering der norwegischen Black‑Metal‑Elite nicht entgehen. So verkommt die Bühne zum roten Teppich, die Show zum Schaulaufen – und die Musik zur Nebensache. Ziemlich untrue … [mg]

  1. A Fine Day To Die
  2. Possessed
  3. Enter The Eternal Fire
  4. The Return Of Darkness And Evil
  5. Raise The Dead
  6. Shores In Flames
  7. Call From The Grave
  8. Born For Burning
  9. Woman Of Dark Desires
  10. Blood Fire Death

Den Tagesabschluss auf den Hauptbühnen geben FEAR FACTORY. Die Truppe feiert 30 Jahre „Demanufacture“ – entsprechend gestalten sich Backdrop und Setlist. Dass von damals nur noch Dino Cazares in der Band ist, macht die Nummer vielleicht etwas weniger authentisch – die vergleichsweise junge Band verschafft FEAR FACTORY dafür jede Menge Power. Das ist insbesondere für Drummer Pete Webber und Sänger Milo Silvestro, die erst seit 2023 dabei sind: Mag der Klargesang auch streitbar sein, singt Silvestro wenigstens (anders als Al Jourgensen bei MINISTRY) alles live und regelt am Sampler manuell die Effekte. Sympathiepunkte sammeln FEAR FACTORY zudem am Ende der Show: Als Al’s nach dem regulären letzten Song „Linchpin“ noch Zeit übrig ist, hängen FEAR FACTORY kurzentschlossen noch „Shock“ an. An dieser Spielfreude könnten sich einige Bands ein Vorbild nehmen. [mg]

  1. Demanufacture
  2. Self Bias Resistor
  3. Zero Signal
  4. Replica
  5. New Breed
  6. Dog Day Sunrise (Head-Of-David-Cover)
  7. Body Hammer
  8. Flashpoint
  9. H-K (Hunter-Killer)
  10. Pisschrist
  11. A Therapy For Pain
  12. Linchpin
  13. Shock

Nebenbühnen-Exkurs (Donnerstag)

Ihre ganz großen Erfolge haben DROWNING POOL Anfang der 2000er-Jahre gefeiert und bedienen nicht unbedingt die klassischen musikalischen Schwerpunkte des Festivals. In einem Line-up, das Nu- und Industrial Metal hochleben lässt, verwundert es dann aber eigentlich doch nicht, dass auch die Texaner ihren Weg nach Josefov gefunden haben. Und vor der Obscure Stage hat sich eine beachtliche Crowd eingefunden, die hier, angeheizt vom 2023 zurückgekehrten Sänger Ryan McCombs, durchaus nostalgische Gefühle entwickeln dürfte. Auch wer DROWNING POOL länger nicht verfolgt hat, stellt fest, dass die Band sich ihre Qualitäten durchaus bewahren konnte und nicht nur auf die abschließende Hymne „Bodies“ reduziert werden sollte. [mm]

Mit THE KOVENANT (aka COVENANT) steht eine kleine Sensation an – war die Band doch rund 15 Jahre inaktiv, ehe die „Nexus Polaris“-Shows angekündigt wurden. Dass damit für viele Fans ein Jugendtraum in Erfüllung geht, zeigt sich schon daran, dass die Norweger trotz der harten Konkurrenz zum Festival-Headliner GOJIRA auf der Mainstage eine beachtliche Zahl Fans vor die Bühne locken können. Warum sich die um Mastermind Nagash sowie MAYHEM-Drummer Hellhammer neu formierte All-Star-Truppe ausgerechnet auf das 1998 veröffentlichte „Nexus Polaris“ fokussiert, bleibt unklar: So sorgt das finale „New World Order“ vom 1999er-Debüt „Animatronic“ für deutlich mehr Stimmung vor wie auch auf der Bühne. Doch auch so können THE KOVENANT überzeugen – und vielleicht kommt da ja noch was. [mg]

Wieder kurz vor Mitternacht geben sich BETWEEN THE BURIED AND ME zum zweiten Mal die Ehre und knüpfen nahtlos an die beeindruckende Performance vom Vortag an. Mit einem rundum stimmigen Best-Of-Set zeigen die US-Amerikaner, dass sie den kontrollierten musikalischen Wahnsinn – insbesondere das Patchwork-artige Verbinden unterschiedlichster Genres in einem progressiven Metalcore-Gewand – schon in ihren frühen Tagen beherrscht haben und bis heute souverän praktizieren: Die neue Single „Things We Tell Ourselves In The Dark“ setzt auch zwischen den zahlreichen Hits aus der BTBAM-Diskografie ein großes Ausrufezeichen und schürt Vorfreude auf das kommende Album „The Blue Nowhere“. [mm]

Als auf den Hauptbühnen schon längst abgebaut ist und die Trucks von GOJIRA quer über den Metalmarkt die Stadt verlassen haben, stehen auf der Obscure Stage noch FURIA auf dem Programm. Die Polen werden für die späte Stunde (Showbeginn: 2:10 Uhr) von überraschend vielen Fans erwartet – dass einige davon den mal truen, mal melancholisch-doomigen Black Metal der Band mit Circle- und Moshpits feiern, will nicht allen Fans einleuchten und stört die düstere Atmosphäre eher, als sie zu untermauern. [mg]


>> Lies hier TEIL 2 …

… unter anderem mit PARADISE LOST, MAYHEM und DIMMU BORGIR (Freitag), KARNIVOOL, OPETH und THE HALO EFFECT (Samstag) sowie unserem abschließenden Fazit!

GOJIRA live auf dem BRUTAL ASSAULT 2025

Publiziert am von , Bernhard Landkammer und Marius Mutz

2 Kommentare zu “Brutal Assault Open Air 2025 – Teil 1

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