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… unter anderem mit MASTODON, MINISTRY und KERRY KING (Mittwoch) sowie OBITUARY, GOJIRA und BLOOD FIRE DEATH (Samstag)!
Freitag, 08.08.25
Der Freitagvormittag steht bei bestem Festivalwetter fast gänzlich im Zeichen des Core: Opener auf den Hauptbühnen machen GRAPHIC NATURE beziehungsweise ANGELMAKER. Während die Marshall-Stage anschließend mit PYREXIA und AVULSED in Richtung klassischer Death Metal abbiegt, bleibt es auf der Sea-Shepherd-Stage mit WITHIN DESTRUCTION und ABBIE FALLS modern-rabiat. Irgendwie wieder modern – aber auch nur, weil der Nuller-Jahre-Metal wieder im Trend liegt – sind auch MNEMIC. Wirklich Wiedererkennungswert hat das Material der Band allerdings nicht – das Comeback des Jahres wird die Wiederbelebung dieser Formation nach immerhin zehn Jahren Pause jedenfalls nicht. [mg]
Einen ganz anderen Weg beschreitet Tommy Victor mit PRONG: Obwohl die Band eh nur als Trio auftritt, ist das Line-up mittlerweile komplett fluide: Den nominellen Drummer (Griffin McCarthy) hat man noch nie mit PRONG auf der Bühne gesehen, und seit auch Jason Christopher am Bass nicht mehr gesetzt ist, wirkt die Truppe ziemlich wild zusammengewürfelt. Keine Frage: Tyler Bogliole am Drumkit und Bassist Christopher Dean machen ihre Sache gut und am Ende ist Tommy Victor eben PRONG. Dennoch wirkt der emsige Fronter heute mehr denn je wie ein Einzelkämpfer mit zwei Hired Guns. Schade auch: Von der „Cleansing“-Jubiläumsshow, mit der PRONG derzeit solo unterwegs sind, bleiben im Festival-Set nurmehr vier Songs übrig, ergänzt um die üblichen Klassiker. [mg]
- Unconditional
- The Descent
- For Dear Life
- Disbelief
- Prove You Wrong
- Home Rule
- Broken Peace
- Whose Fist Is This Anyway?
- Snap Your Fingers, Snap Your Neck
Ein seltener Gast auf europäischen Bühnen sind die Grindcore-Legenden PIG DESTROYER. Nachdem die Band letztes Jahr kurzfristig abgesagt hat, steht der vollen Ladung Thrash-Grindcore-Death-Metal heute nichts im Wege. Von der ersten Sekunde an feiern die Fans die mächtigen Songs der Band ab, und auch wenn Sänger J. R. Hayes stellenweise etwas lustlos wirkt, ist das wohl mehr seiner Art als der Situation geschuldet: Der trockene Humor in den Ansagen sorgt beim Publikum auf jeden Fall für einen Lacher nach dem anderen. Beispiel gefällig? Als PIG DESTROYER eigentlich fertig sind, aber noch 5 Minuten Zeit haben, entschließt sich die Band kurzfristig für eine Zugabe; J. R.s Reaktion: „But I already said goodbye, this will be so awkward.“
- Gravedancer
- Scarlet Hourglass
- Thumbsucker
- Pretty In Casts
- Crippled Horses
- The Gentleman
- Sis
- The American’s Head
- Eve
- Valley Of The Geysers
- Loathsome
- The Diplomat
- Thought Crime Spree
- Jennifer
- Starbelly
- Cheerleader Corpses
- Scatology Homework
- Trojan Whore
- Piss Angel
- Junkyard God
Der Break zu den kurzfristig eingesprungenen HENTAI CORPORATION könnte kaum größer sein: Anstelle von Grindcore steht hier Prog der ganz weirden Sorte auf dem Programm. Auch wenn Fronter Radek Škarohlíd, stilecht im hippen Lidl-T-Shirt und mit Sonnenbrille, ein bisschen zu sehr versucht, die Range eines Mike Patton zu erreichen, und seine Weirdness ausreichend zelebriert (das Mikrofon verschwindet mehrmals in seiner Unterhose), ist der sympathische Auftritt der tschechischen Lokalheroen definitiv unterhaltsam und fügt sich gut ins Line-up. [bl]
Nur wenige Bands im Death-/Doom-Sektor bringen ihre Qualität so zuverlässig wie ASPHYX auf die Bühne. Seit jeher verkaufen die Niederländer dabei keine chirurgische Präzision, sondern unbändige Energie. Auch heute gibt es sowohl an den schnellen Brechern wie auch an den ultrazähen Doom-Walzen nichts auszusetzen, die ASPHYX wie eigentlich immer in bester Laune präsentieren und dabei nur hin und wieder eine Spur von Routine erkennen lassen. Für Schmunzeln sorgt Martin van Drunen, als er im Refrain des Comebackalbum-Titeltracks kontinuierlich von „Death the Brutal Assault Way“ singt. [mm]
- Vermin
- Molten Black Earth
- Death The Brutal Way
- Asphyx (Forgotten War)
- Deathhammer
- Knights Templar Stand
- The Nameless Elite
- Forerunners Of The Apocalypse
- The Rack
- Last One On Earth
Noch frischer und energetischer gehen im Anschluss OVERKILL ans Werk. Der pfeilschnelle Thrash Metal hält bekanntermaßen eine Menge Abwechslung und vor allem stark komponierte Songs bereit, die dem oft völlig vernachlässigten Bass mit spektakulären Läufen ebenso Raum bieten wie packenden Soli. Das Publikum dankt es – so sehr, dass der 1959 geborene Blitz durchaus angetan verkündet, das Publikum gebe ihm das Gefühl, erst 62 Jahre alt zu sein. Dass der sympathische Fronter, an dessen quitschiger Stimme sich seit jeher die Geister scheiden, in den Ansagen darüber hinaus permanent von „Pussies“ spricht, bleibt allerdings irritierend. [mm]
- Scorched
- Rotten To The Core
- Bring Me The Night
- Hello From The Gutter
- Deny The Cross
- The Surgeon
- Ironbound
- Elimination
- In Union We Stand
- Fuck You (The-Subhumans-Cover)
Mit GRAVE geht es zurück zum Death Metal – und zwar maximal old-schoolig: Die Schweden treten im Gründungs-Line-Up auf und performen (abgesehen von „Reborn Miscarriage“) ausschließlich Songs der ersten drei Alben „Into the Grave“, „You Will Never See“ und „Soulless“. Das führt für Bandleader Ola Lindgren zu einem bemerkenswerten Rollenwechsel: In der Ur-Besetzung spielte er „nur“ Gitarre und steuerte nur gelegentliche Backgroundvocals bei. Konsequenterweise überlässt er die Rolle des Fronters auch jetzt wieder Bassist Jörgen Sandström (ex-ENTOMBED und zahlreiche weitere Projekte). Das funktioniert insgesamt erstaunlich gut: Sandström beherrscht als Frontmann die Bühne, als hätte er nie etwas anderes getan, und auch Lindgren hat sichtlich Spaß an dem nostalgischen Reenactment. Die Musik ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben: In druckvollem Sound klingen diese über 30 Jahre alten Gründungsdokumente des schwedischen Death Metal brutaler und morbider denn je. Auch als Fan der „neueren“ GRAVE muss man sich nicht großartig umstellen, denn, auch das stellt man schnell fest, wahnsinnig viel hat sich seit den frühen 1990er-Jahren musikalisch nicht getan. [mm]
- Into The Grave
- Day Of Mourning
- Turning Black
- You’ll Never See
- Morbid Way To Die
- Deformed
- Christi(ns)anity
- For Your God
- Brutally Deceased
- Reborn Miscarriage
- Soulless
- And Here I Die
Auch wenn Nick Holmes bei BLOODBATH für ähnlich rabiate Töne sorgen würde, stellt er heute mit seiner Band PARADISE LOST einen angenehmen Kontrast im ansonsten reichlich rabiaten Line-up dar. Der doomige Gothic Rock der Band passt perfekt in die mittlerweile eingetretene Dunkelheit und wirkt insgesamt sehr zurückgenommen. Das gilt neben dem Sound auch für die minimalistische Lichtshow, PARADISE LOST bewegen sich nur so viel als nötig – und auch der Sound könnte etwas druckvoller abgemischt sein. Holmes’ trockenhumorige Ansagen lockern das Set auf, ein Lichtermeer aus Handytaschenlampen bildet sich, und PARADISE LOST zeigen auch heute, warum sie ihren Ruf als tolle Liveband innehaben. [bl]
- Enchantment
- Forsaken
- Pity The Sadness
- Faith Divides Us – Death Unites Us
- The Enemy
- As I Die
- The Last Time
- No Hope In Sight
- Say Just Words
- Embers Fire
- Smalltown Boy (Bronski-Beat-Cover)
- Ghosts
MAYHEM setzen ihre 40-Jahr-Feier auch auf dem BRUTAL ASSAULT fort. Das Konzept: Umrahmt von zahlreichen historischen Videoschnipseln und Bilddokumenten arbeitet sich die Band aus ihrer musikalischen Gegenwart zurück in die Vergangenheit und bedenkt jedes Album in der Regel mit einem Song – so weit, so bekannt. Sänger Attila fummelt derweil viel an einem Knochenkreuz herum und zieht je nach Epoche neue Verkleidungen aus dem Schrank – allein bei dem mit drei Songs besonders berücksichtigten „De Mysteriis Dom Sathanas“ schlüpfen auch die anderen Bandmitglieder in schwarze Kutten mit Zipfelkapuzen. Dominiert wird die Darbietung indes von der Bühnenrückwand, über die als Intro zunächst eine im Zeitraffer erzählte Bandgeschichte flimmert.
Es folgen atmosphärisch zu den jeweiligen Songs passende und bisweilen ans Artwork angelehnte Installationen und Einspieler sowie zahlreiche Szenen von Leid, Krieg, Gewalt und Tod – mitunter verpackt in eine mit Störeffekten verfremdete Diashow. Das erzeugt, untermalt und verstärkt vom chaotischen, anspruchsvollen und intensiv dargebotenen Black Metal MAYHEMs, eine ausgesprochen kalte, beängstigende Stimmung.
Zu bewerten sind jedenfalls die Aufnahmen toter oder leidender Menschen freilich weniger als gelungener Einsatz visueller Mittel denn als billige und mindestens geschmacklose Effekthascherei. Als der Beamer in der zweiten Hälfte der Show fast ausschließlich Fotos des verstorbenen Per Yngve „Dead“ Ohlin an die Wand wirft, fällt es dementsprechend schwer, zu entscheiden, ob es hier um die Würdigung des bedeutenden MAYHEM-Sängers und sein Andenken oder wiederum vor allem darum geht, die tragische Geschichte und die bizarren Ereignisse rund um seinen Tod als Horror-Kulisse aufzurufen. Als Gesamtinszenierung und um den Mythos MAYHEM zu untermauern, funktioniert diese Show – als Jubiläumsfeier und womöglich noch als Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit (im Rahmen derer man sich vielleicht fragen müsste, ob eine Jubiläumstour sich für eine Band mit dieser Geschichte überhaupt aufdrängt) ist sie unbefriedigend. [mm]
- Malum
- Psywar
- Illuminate Eliminate
- Chimera
- Crystalized Pain In Deconstruction
- Ancient Skin
- Freezing Moon
- De Mysteriis Dom Sathanas
- Funeral Fog
- Deathcrush
- Carnage
- Pure Fucking Armageddon
Der norwegische Themenabend findet Anklang: War es bei MAYHEM schon voll, ist der Andrang bei DIMMU BORGIR rekordverdächtig. Das gesamte Infield ist voll, als Shagrath, Silenoz und Konsorten zum ganz großen Spektakel laden: Eine Burgruine und Pyrotechnik fügen der Show optisch den Pomp hinzu, von der die Musik der Norweger seit jeher lebt. Mit Black Metal hat das natürlich nichts mehr zu tun – höchstens in der Musical-Fassung. Das wäre absolut verkraftbar, wüssten DIMMU BORGIR in Sachen Performance zu überzeugen. Doch während Galder-Nachfolger Damage alias Kjell Karlsen an der Leadgitarre einen fantastischen Job macht, kann Shagrath stimmlich nicht mehr wirklich überzeugen. [mg]
Vor allem aber ist der inflationäre Einsatz von Backing-Tracks beschämend: Niemand erwartet von einer Underground-Band, dass sie sich einen zusätzlichen Sänger leistet – auf dem Level einer Band wie DIMMU BORGIR ist es aber nurmehr beschämend, wenn nicht nur sämtliche orchestralen Parts und Chöre, sondern selbst die cleanen Lead-Vocals nur mehr vom Laptop eingespielt werden. Da hilft dann auch die nichts mehr, wenn das Set zu knapp zwei Drittel aus über 20 Jahre alten Songs und damit aus echten Hits besteht. Wirklich peinlich wird es, als DIMMU BORGIR nach gerade mal 55 Minuten „Mourning Palace“ anstimmen und ihr Set – als Tages-Headliner – nach gerade einmal 60 (statt der angekündigten 80) Minuten beenden. [mg]
Die damit um 20 Minuten verlängerte Wartezeit zu CULT OF LUNA zieht sich entsprechend hin – wer die aber noch durchsteht, wird von den Schweden mit monumentalem Post-Metal belohnt: Licht und Sound, Erschöpfung und Lautstärke ergänzen sich zu einer richtiggehend körperlichen und damit nochmal fordernden Erfahrung. Mit 60 Minuten ist das Set für die Länge der Songs natürlich fast etwas kurz und reicht gerade einmal sechs Songs für die Uhrzeit, aber gerade recht bemessen – zumal mit dem Live-Debüt des neuen Songs „In The Shadow Of Your Shadow“ eine echte Überraschung enthalten ist. [mg]
- Cold Burn
- In The Shadow Of Your Shadow
- I: The Weapon
- Ghost Trail
- Owlwood
- In Awe Of
Nebenbühnen-Exkurs (Freitag)
Bereits um 16:40 Uhr stehen MANTAR auf der Obscure-Stage. Die Bremer servieren auch heute, was der Gast erwartet: Der hauptberuflich angepisste Hanno ärgert sich über die Nebelmaschine und so einiges anderes, liefert aber gerade darum eine herzallerliebst hasserfüllte Performance ab. Die Gags („Is it Friday or Saturday? We are unemployed, so it’s the same for us“) funktionieren, die Songs sowieso: Für ihren Hassbrocken „Halsgericht“ haben MANTAR nicht nur stürmischen Jubel, sondern einen Michelin-Stern verdient. [mg]
Waren GAEREA das letzte Mal noch auf der kleinsten aller Bühnen (damals in der Bastion X) untergebracht, platzt diesmal sogar die Obscure-Stage aus allen Nähten. Entsprechend laut wird der Hardcore-lastige Extreme-Metal der Portugiesen gefeiert. Diese Kulisse bleibt nicht ohne Wirkung: Wagt Sänger Guilherme Henriques während der Show einige Experimente – etwa die erste Wall of Death bei einer GAEREA-Show –, sinkt er nach vollbrachter Arbeit von Tränen der Überwältigung geschüttelt auf die Knie. Ein Moment echter Emotion, wie er im Musikgeschäft nur mehr selten zu beobachten ist. [mg]
Emotional, aber auf musikalischer Ebene, geht es bei OBSCURE SPHINX zu: Die polnischen Post-Metaller legen direkt im Anschluss ebenfalls auf der Obscure-Stage eine beispiellose Show hin: Fronterin Zofia „Wielebna“ Fraś entführt die Anwesenden allein durch ihre Performance aus Gesang und Tanz auf der nur spärlich ausgeleuchteten, aber reichlich eingenebelten Bühne in eine ganz eigene Welt – auch, weil OBSCURE SPHINX ihre 45-minütige Performance wie einen einzigen, düsteren So(n)g wirken lassen. Herausragend! [mg]
Samstag, 09.08.25
Beim Blick auf das Vormittagsprogramm des letzten Festivaltags könnte man zu der Ansicht kommen, dass heute ran darf, wer sonst nirgends hineingepasst hat: Los geht es um 10:30 mit Post-Black-Metal von BESNA, gefolgt vom Death-Metal der Ladies von CRYPTA, etwas proggy Stoner-Metal von den spontan für BORN FROM PAIN eingesprungenen KHAN sowie australischen Deathcore der Marke TO THE GRAVE. [mg]
Altbekannte Gesichter auf dem BRUTAL ASSAULT sieht man dagegen bei BENIGHTED. Entsprechend voll ist es bereits mittags vor der Marshall Stage. Bei bestem Sound feuern die sympathischen Franzosen eine so packende Brutal-Death-Grindcore-Show ab, dass die 40 Minuten fast wie im Flug vergehen. Dabei kommt es dem Publikum entgegen, dass sich die Sonne noch etwas hinter Wolken versteckt hält: Auch mit drei anstrengenden Festival-Tagen im Rücken mobilisieren die Fans hier nochmal alle Kräfte und starten zu den brachialen Riffs in Songs wie „Reptilian“ oder „Let The Blood Spill Between My Broken Teeth“ einen Circle-Pit nach dem anderen. [bl]
Etwas weniger furios, aber immer noch rabiat geht es bei EXHORDER weiter. Die Truppe, die es aufgrund diverser Splits und Reunions in annähernd 40 Jahren nur auf vier Alben gebracht hat, liefert also notgedrungen viel altes Material – und damit klassischen Thrash Metal. Ganz so oldschoolig wie auf dem Alcatraz, bei dem sich EXHORDER komplett auf ihr Album „Slaughter In The Vatican“ (1990) fokussiert hatten, wird es hier aber nicht – stattdessen liefert das Quartett aus New Orleans einen guten Überblick über ihr Schaffen. Große Unterschiede macht das nicht, da EXHORDER nach ihrem eher groovigen Comeback-Album „Mourn In The Southern Skies“ (2019) mit „Defectum Omnium“ (2024) zum gradlinigen Thrash Metal zurückgekehrt sind. Prädikat: „geliefert wie bestellt“.
Auf der Sea-Shepherd-Stage lautet die alles entscheidende Frage anschließend: To be or not to HANABIE. Zunächst lassen die Japanerinnen rund zehn Minuten auf sich warten, und auch dann bleibt es mit Schrödingers HANABIE. philosophisch: Sie spielen, aber sie spielen auch nicht – oder zumindest hört man kurz vorm zweiten Song nur den Backing-Track. Die folgende Unterbrechung überbrücken HANABIE. etwas hilflos mit Smalltalk über Bier – womit die durchaus partytaugliche Techno-Metal-Truppe mit starker J-Pop-Prägung das Publikum allerdings auch abholt. Umso mehr feiern die Fans die in der verbliebenen Zeit gebotenen Songs und liefern nicht zuletzt eine bemerkenswerte Anzahl an Crowdsurfenden in Richtung Bühne. [mg]
Kurzfristig für ATTILA eingesprungen, setzen HALF ME danach zwar auch auf „Core“, gehen dabei allerdings traditionellere Wege. Mit ihrem melodischen Metalcore mit reichlich Breakdowns sorgen sie zwar – trotz zunehmender Mittagshitze – ebenfalls für Bewegung im Publikum, können aber nicht mit dem Spektakel und dem Andrang bei HANABIE. mithalten. Eines haben beide Bands aber gemeinsam: Beide schöpfen nicht die volle Länge ihres Sets aus. Während HANABIE. zehn Minuten zu spät angefangen haben, sind HALF ME zehn Minuten vor dem geplanten Ende ihres Slots schon wieder fertig. [bl]
Wenn einer Band die Hitze nichts ausmachen sollte, dann BRUJERÍA aus Mexiko – aber auch die Fans bleiben der sengenden Sonne standhaft. Inwiefern BRUJERÍA nach dem Tod von Lead-Sänger Juan Brujo und seinem Cousin und Mann für die Samples, Pinche Peach, noch die Band von früher sind, ist gewiss Ansichtssache – rein musikalisch kann die Truppe vor ihrem riesigen Tribute-Backdrop jedenfalls auch mit El Sangrón als nunmehr einzigem Fronter überzeugen. Der ist nach dem regulären Set fast nicht von der Bühne zu kriegen und singt die „La Macarena“-Parodie „Marijuana“ als Outro mit den Fans – sympathisch! [mg]
- Brujerizmo
- El Desmadre
- Hechando Chingasos (Greñudos Locos II)
- Vayan Sin Miedo
- La Migra (Cruza La Frontera II)
- Chingo De Mecos
- Cristo De La Roca
- Desperado
- Colas De Rata
- La Ley De Plomo
- Revolución
- Consejos Narcos
- Raza Odiada (Pito Wilson)
- Matando Güeros
Deutlich gemächlicher, aber nicht weniger kraftvoll geht es anschließend mit UNLEASHED weiter. Die Schweden bieten ein grundsolides, aber auch wenig aufregendes Set – böse Zungen behaupten, damit wäre die Diskografie der Death Metaller perfekt repräsentiert. Als kleines Highlight gibt es bereits die eben erst veröffentlichte Vorab-Single „War Comes Again“ vom neuen Album „Fire Upon Your Lands“ zu hören, ansonsten arbeiten sich UNLEASHED quer durch ihre an Alben nicht arme, an echten Hits aber auch nicht überbordende Diskografie. „Death Metal Victory“ zum Abschluss ist aber natürlich ein solcher, entsprechend euphorisch werden Johnny Hedlund und Konsorten vom Publikum verabschiedet. [mg]
- Lead Us Into War
- Destruction (Of The Race Of Men)
- Don’t Want To Be Born
- Hammer Battalion
- No Sign Of Life
- Shadows In The Deep
- This Is Our World Now
- Into Glory Ride
- War Comes Again
- Death Metal Victory
Der Sprung vom klassischen Death Metal zum nächsten Act könnte kaum größer sein, übernehmen doch nun HARAKIRI FOR THE SKY mit ihrem melancholischen Post-Black-Metal das Ruder. Sänger JJ sticht dabei mit seinem bunten Batik-Shirt direkt aus dem ansonsten traditionell düsteren Bühnenoutfit hervor. Seine Stimme bleibt ebenso ein Alleinstellungsmerkmal, würde sie von der Klangfarbe und leicht abbrechenden Intonation doch eigentlich besser in den Hardcore passen. Bei druckvollem Sound und dicht gedrängtem Publikum vor der Bühne geben HARAKIRI FOR THE SKY alles – dass ihre Lieder allerdings oft die Zehn-Minuten-Marke durchbrechen, schleichen sich immer wieder einige Längen ins Set. Der Publikumszuspruch zeigt allerdings, dass diese Kritikpunkte für die Fans der Band nicht weiter ins Gewicht fallen. [bl]
- Keep Me Longing
- Fire, Walk With Me
- Heal Me
- Without You I’m Just A Sad Song
- Sing For The Damage We’ve Done
Death Metal bleibt auf der Sea-Shepherd-Stage auf dem Programm, nun allerdings aus Kanada. KATAKLYSM werden auch heute ihrem Ruf als Stimmungsgaranten gerecht: Die Anzahl der Crowd-Surfer, aber auch das Ausmaß des Circle-Pits ist einmal mehr rekordverdächtig. Neben dem sympathischen Auftreten überzeugen KATAKLYSM auch musikalisch: Zum einen, weil sie ihr vielleicht größtes Album „In The Arms Of Devastation“ am Stück darbieten, ehe es weitere Hits inklusive des neuen Songs „The Rabbit Hole“ zu hören gibt – zum anderen, weil sie (anders als früher) auf zusätzliche Gitarren vom Band verzichten. So ist der Sound bei Gitarren-Leads zwar nicht mehr ganz so wuchtig, dafür aber eben auch nicht so steril und eine echte Live-Performance. So muss Death Metal! [mg]
- Like Angels Weeping (The Dark)
- Let Them Burn
- Crippled & Broken
- To Reign Again
- It Turns To Rust
- Open Scars
- Temptation’s Nest
- In Words Of Desperation
- The Road To Devastation
- In Shadows & Dust
- As I Slither
- The Rabbit Hole
- The Black Sheep
Danach zeigen AGNOSTIC FRONT, wie New-York-Hardcore klingt – hier sind absolut keine Überraschungen zu erwarten. Vinnie Stigma springt trotz seiner fast 70 Jahre wild über die Bühne, das Publikum jagt sich im Circle Pit vor der Bühne, es gibt reichlich Platz für Sing-A-Longs, und zum Abschluss gibt es noch Turbopogo beim RAMONES-Cover „Blitzkrieg Bop“ – das ist genau das, was es sein soll, und macht unbestreitbar Spaß. Da der Hardcore dieses Jahr allerdings eher dünner im Line-up vertreten ist und Bands wie THROWN oder HANABIE. das Genre in alle Richtungen modernisieren und weiterentwickeln, stellt sich die Frage, wie lange diese Art Show ohne Nostalgiebrille noch funktionieren wird. [bl]
Die späten Slots auf den Hauptbühnen werden heute nach diesem Hardcore-Ausflug von Progressive Rock und Metal übernommen: Mit eingetretener Dunkelheit betreten die Australier von KARNIVOOL zu lautem Jubel die Bühne; vor dieser zeigt sich erneut, dass das BRUTAL ASSAULT auch wirklich ausverkauft ist. Zwar ist es vor der noch leeren Marshall-Stage nur locker gefüllt, die komplexen, relativ ruhigen Töne von KARNIVOOL füllen den Bereich vor der Sea-Shepherd-Stage allerdings komplett aus. Musikalisch hätte der Sound der Band gut zum gestrigen Auftritt von LEPROUS gepasst, denn so leidenschaftlich die Musiker agieren, bleibt es doch recht verkopft und gemäßigt. Zum allmählichen Ausklang des Festivals eine gute Wahl. [bl]
- Drone
- Goliath
- Aozora (New Song)
- Simple Boy
- C.O.T.E.
- We Are
- Themata
- All It Takes
- Roquefort
- New Day
Letztes Mal waren OPETH 2017 auf dem BRUTAL ASSAULT zu Gast – nach einer langen Zeit und mittlerweile als Headliner sind die Schweden nun zurück. Dass Mikael Åkerfeldt auf dem neuen Album „The Will And Testament“ wieder zu seinen markanten Growls zurückgekehrt ist, führt zum einen dazu, dass der Opener des Albums auch das Konzert eröffnet – was leider keine allzu gute Wahl darstellt und die Show sehr verhalten beginnt. Dass OPETH danach allerdings neben einigen neuen Songs wild durch ihre Diskografie springen und eben jene Growls sich durch das Set ziehen, verleiht der Show insgesamt eine tolle Dynamik. Åkerfeldt selbst lockert die Show durch lakonische, dabei allerdings unglaublich unterhaltsame Ansagen auf. Nicht nur der Zuspruch vor der Bühne, auch das mit Videoleinwand hinterlegte Set und kristallklarer Sound zeigen, dass Progressive Metal allgemein und OPETH im Besonderen den Headlinerslot auf dem BRUTAL ASSAULT absolut zu Recht einnehmen. [bl]
- §1
- Master’s Apprentices
- The Leper Affinity
- §7
- In My Time Of Need
- §3
- Ghost Of Perdition
- Deliverance
Dass THE HALO EFFECT den späten Slot weniger auf der bislang überschaubaren Eigenleistung, sondern ob ihres individuellen Bekanntheitsgrads bekommen, ist klar – allerdings ist bei Namen wie Mikael Stanne (DARK TRANQUILLITY), Niklas Englin (ehemals IN FLAMES) und Patrik Jensen (THE HAUNTED) auch mehr als eine solide Performance garantiert. Tatsächlich ist diese fast schon zu professionell: Von der ersten bis zur letzten Minute ist hier alles durchgetaktet – nicht nur durch Backing-Tracks, sondern auch Timecode-gesteuertes Umschalten der Gitarrensounds. So sehr sich die Herren auch ins Zeug legen, wirkt das doch ein wenig wie eine Playalong-Party. Zum Glück kompensiert Stanne dies durch seine wie immer herzliche Art. Offen bleibt hier bloß die Frage, warum sich die Band für schwarze Band-Hemden mit aufgesticktem Namen entschieden hat, wenn diese dann nur von drei Musikern getragen werden – wohingegen etwa Englin im grell-bunten Fußballtrikot aufläuft. Wenn schon „Uniformierung“, dann doch bitte konsequent. Und wenn schon so durchgetaktet, dann doch bitte auch auf die Minute genau: Dass THE HALO EFFECT gute fünf Minuten zu früh aufhören, um sich ausgiebig feiern zu lassen, ist schade: In dieses Set hätte locker noch ein Song mehr gepasst.
- March Of The Unheard
- Feel What I Believe
- In Broken Trust
- The Needless End
- Detonate
- Conditional
- Cruel Perception
- A Truth Worth Lying For
- Become Surrender
- What We Become
- Between Directions
- Gateways
- Last Of Our Kind
- Days Of The Lost
- Shadowminds
Ein letztes Mal für dieses Jahr dröhnen die Boxen der Marshall-Stage – in diesem Jahr obliegt es DARK FUNERAL, das Hauptbühnen-Programm des BRUTAL ASSAULT zu beschließen. Bei mit einer deutlich zu lauten Double-Bass bei deutlich zu geringer Gesamtlautstärke leider mittelprächtigem Sound liefern die Schweden, wofür sie (leider) längst bekannt sind: sehr gute Songs in mittelmäßiger Performance. Die Gitarren schwimmen und Fronter Heljarmadr fehlt es nach wie vor sowohl an Druck in der Stimme als auch an Gravitas im Auftreten – da machen es Ansagen wie „I think this festival needs more Satan“ nicht gerade besser. Schade, denn von der Songauswahl her hätte dieses Set das Potenzial zum Black-Metal-Highlight des Festivals gehabt. [mg]
Nebenbühnen-Exkurs (Samstag)
Während die Hauptbühnen das stumpfe Geballer dominieren, bietet die Obscure Stage heute die ausgefalleneren Klänge aus verschiedensten Genres – wie im Fall von KING WOMAN Doom und Stoner mit verträumtem Frauengesang. Stimmlich sticht Kristina Esfandiari zwar nicht heraus – ihre selbstbewusste und herzliche Art, mit der sie schon bald zu den Fans an die Absperrung kommt und mit ihnen interagiert, macht das aber mehr als wett. [mg]
Für Screamo-Fans sind ENVY Pflichttermin: Die Japaner zählen hierzulande zu den eher seltenen Gästen – dafür aber zu Garanten in Sachen Emotion und Atmosphäre. So auch heute: Mit ihrem Mix aus aggressiven und melancholischen Parts, dem Wechsel zwischen geflüsterten Passagen und wildem Geschrei und der Wucht von drei Gitarren holen ENVY aus dem Genre wirklich alles raus. Nicht so aus ihrem Slot: Ganze zehn Minuten vor Ablauf ihrer Zeit verlassen die Japaner die Bühne. Bei der gezeigten Spielfreude (und dem gebrochenen Englisch der Band) eventuell ein Missverständnis – die Fans reagieren dennoch entgeistert: Gerade bei einer so guten Show sind zehn vergeudete Minuten wirklich schade. [mg]
Zu später Stunde tritt eine der Bands auf die Obscure Stage, die man auf einem Festival dieser Art rein musikalisch nicht erwartet hätte: BOHREN & DER CLUB OF GORE übernehmen die eingenebelte, von kleinen Lampen minimal beleuchtete Bühne mit ihrem Doom Jazz. Tiefes Basswummern, verhuschte Xylophon-Schläge, Orgel und Saxophon, hier und da ein Beckenschlag – mehr passiert nicht. Die düstere Stimmung, das bedrohliche Dröhnen und der laute, begeisterte Jubel des Publikums zeigen, dass diese Musik dennoch ihren Platz auf dem BRUTAL ASSAULT hat. Und dann wären da noch die staubtrockenen, dadaistischen Ansagen von Saxophonist und Xylophonist Christoph Clöser. Von der Begrüßung „We will burn the house down“, über „We didn’t expect such an enthusiastic reaction“ bis hin zu „Thank you, you were very good. And we were also very good“ wird die düstere Stimmung immer wieder durch laute Lacher aufgelockert. [bl]
Fazit
Fast durchweg einwandfreier Sound, beeindruckende Lichtshows und unzählige herausragende Shows – von Bands aus dem Underground bis hin zu Weltstars – und das in familiärer Atmosphäre: Metaller-Herz, was willst du mehr? Wer noch für Musik auf ein Musikfestival fährt und nicht für Campground-Party oder Kirmes, ist auf dem BRUTAL ASSAULT auch in diesem Jahr goldrichtig.
Zumal die Veranstalter wirklich alles tun, um den Fans ihren Aufenthalt so angenehm wie nur irgend möglich zu machen: Das Essensangebot reicht von veganem Fingerfood bis zum Pulled-Beef-Burger – und übertrifft qualitativ grundsätzlich so manches Restaurantgericht. Getränke gibt es in allen Variationen – vom eigens für das Festival gebrauten Bier bis zu Coldbrew-Tonic – zu im internationalen Vergleich nach wie vor bemerkenswert günstigen Preisen (ab 2,50 € für 0,5 l Softdrink, ab 3 € für 0,5 l Bier) – und insbesondere die vielen Bars in den verschiedenen Höfen der Festung laden zum Verweilen zwischen den Shows ein. Dass man zwischen den Shows mitunter mehr Zeit hat als gedacht, überrascht: Unverhältnismäßig viele Bands halten sich in diesem Jahr nicht an die eingeplante Spielzeit und kürzen ihr Set teils drastisch. Ob hier eine ungenaue Vereinbarung getroffen wurde oder die Bands kürzer spielen als vereinbart, lässt sich nicht sagen – gerade bei seltener zu sehenden Acts ist eine um bis zu 40 % reduzierte Spielzeit dann doch ärgerlich. Zumal ein realistisch angesetzter Zeitplan auch den frühen oder späten Bands entgegengekommen wäre: Niemand sollte um 10:30 Uhr morgens oder 2:00 Uhr nachts auf die Bühne geschickt werden.
Neben dem Bühnenprogramm gibt es in diesem Jahr mehr Zusatzangebote denn je: Autogrammstunden, Filmvorführungen im festivaleigenen Kino, Ausstellungen (inklusive Charity-Versteigerung von Gemälden des GOJIRA-Drummers Mario Duplantier zugunsten von Sea Shepherd), Lectures oder Talkrunden mit ausgewählten Musikern (teilweise nur mit Extra-Ticket zugänglich), zusätzliche Liveshows und DJ-Sets auf der KAL-Stage bis spät in die Nacht sowie der umfangreiche Metal-Markt bieten ein abwechslungsreiches, aber durchweg szenenahes Alternativprogramm.
Auch an Bequemlichkeit mangelt es nicht. Die Naturtribüne oder die VIP-Stands bieten freien Blick auf beide Bühnen, es gibt Schließfächer direkt vor dem Haupteingang sowie hinreichend WC-Container auf der Area und am Campingplatz, sodass man für die Verrichtung der Notdurft nie Schlange stehen muss. Und wer kein eigenes Zelt hat, kann in Miet-Zelten oder gar Blockhütten übernachten.
All diesen Luxus gibt es allerdings nur gegen Pay-per-use-Gebühr oder Pauschal-Ticket. Diese Zerstückelung der Kosten auf immer mehr Einzelposten ist dann auch so ziemlich der einzige echte Kritikpunkt: Parkplatz, Zeltplatz (mit oder ohne Zelt, sowie separat für Pavillons), Naturtribüne (oder gar VIP-Stand), Locker etc. summieren sich schnell auf und müssen beim Ticketkauf einkalkuliert werden. Dass es zudem mittlerweile drei verschiedene Bechersorten gibt (wobei von jeder nur exakt die Anzahl der selbst gekauften zurückgegeben werden kann), wirkt wie die 2 € „Top-up-Fee“ für das Aufladen des Bezahlchips wie Geldschneiderei. Da das Festival im Gegenzug seine Infrastruktur (von der Bändchenausgabe über die Mülltrennung bis zur Versorgung mit kostenlosem Trinkwasser) von Jahr zu Jahr deutlich weiter verbessert, sind diese Extrakosten verkraftbar – und insbesondere im Vergleich zu deutschen Festivals weiterhin zu vernachlässigen.
Summa summarum bietet das BRUTAL ASSAULT nach wie vor ein Billing, eine Location und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, von dem man bei anderen Festivals nur träumen kann – vor allem in dieser Kombination. Dass sich daran so schnell etwas ändert, ist nicht zu befürchten: In der Kapazität ist das Festival durch die Location limitiert – und die erste Bestätigungswelle schürt schon jetzt die Vorfreude auf die nächste Ausgabe. Wir sehen uns 2026, Jaromer! [mg]






Kleine Anmerkung zu der gelungenen Songauswahl bei kataklysm: da wurde wohl zuerst das komplette „in the arms of devestation“-Album durchgezockt.
Da hast du Recht – ich habe die Passage entsprechend angepasst, um dieses Feature noch hervorzuheben. Danke!
Danke für den Bericht!
Wir fahren nun seit 10 Jahren aufs BA, und waren neben der gewohnt hohen Qualität der Bands vom „Drumherum“ etwas enttäuscht. Ja, einige Kanten und Ecken wurden inzwischen abgeschliffen (Ticket Schlange, Wasserverfügbarkeit, Octogon Überfüllung…), aber es kommt doch irgendwie nicht viel neues dazu, seit Obscure die Orga übernommen hat.
Hat man vorher an jeder Ecke das Herzblut gemerkt (Lemmy Schrein, Pit of Doom/Katakomben, Bastion X mit Stage, Gaming Area, KAL..), und sich gefreut, was sie nächstes Mal wieder neues machen, stagniert das Ganze irgendwie inzwischen. Der Erfindergeist scheint eher in die Richtung zu rücken, wie man auch hier den Besucher doch noch zur Kasse bitten kann (Natural Stand, VIP, Parking, Camping, Pit of Doom, Powerbanks, Locker, Pfandsystem, Merch, etc)
Unsere „Neulinge“ der Gruppe waren trotzdem begeistert, die Veteranen spielen aber mit dem Gedanken, nächstes Jahr einem anderen Festival wieder eine Chance zu geben. Wer weiß, vielleicht kriechen wir danach reumütig und geerdet „wie gut wir es hatten“ zurück ins schöne Jaromer.
Ich bin selbst seit 2010 „lückenlos“ dort gewesen. Ehrlich gesagt finde ich zB. die Locker (wenn die verdammten USB-Ladekabel halt auch laden würden), die größere Zahl ab WC-Containern oder Trinkwassertanks deutlich wichtiger als „Brimborium“ wie einen Lemmy-Schrein oder eine Gaming-Area – zumal dafür zB mit den Musiker-Clinics/Talks auch wieder etwas hinzukam bzw. ausgebaut wurde. Insofern finde ich die Optimierung des Bestehenden durchaus auch eine „Neuerung“, die man wertschätzen muss – insbesondere eben im Vergleich dazu, wie es auf anderen Festivals zugeht. Aber klar, dass mittlerweile so ziemlich alles extra kostet, darf nicht unterschlagen werden – wobei sich die Gesamtkosten verglichen mit anderen Festivals eben auch noch im unteren Bereich liegen, würde ich sagen.
Zu den Kosten im unteren Bereich: Ist das wirklich so bzw. im Verhältnis zu welchen anderen Festivals? Ich war zwar erst zweimal dort und nun auch schon zwei Jahre nicht mehr aber wenn ich Ticket + Zeltplatz + Parken hernehme und dann die Essenspreise am Gelände hernehme ist da nicht viel um zu deutschen Festivals finde ich. Klar, alkoholische Getränke sind immer noch vergleichsweise günstig und generell kann man über das Preis/Leistung des BA nicht motzen aber so viel nimmt sich das meines Erachtens nicht.
Es kommt natürlich immer darauf an, wie viele der Extra-Tickets man sich gönnt – aber dass beispielsweise für Parken/Campen gesondert abgecasht wird, ist ja mittlerweile quasi gang und gäbe.
Die Essens-Preise würde ich zwar längst nicht mehr als „billig“ einstufen, aber was man für das Geld bekommt, liegt doch deutlich über dem, was man auf anderen Festivals (8€ für eine Portion Pommes aufm Breeze…) bekommt. Und grade bei den Getränken (auch nicht-alkoholisch) kommt man schon deutlich günstiger weg. Wäre aber in der Tat mal ne interessante Rechnung, so in Summe …
Plus, was man sich bewusst machen sollte:
Man kann einerseits von einer „Internationalisierung“ des Festivals sprechen, aus Sicht der Tschechen ist es aber definitiv eine Gentrifizierung. Das Assault ist für uns Deutsche im Vergleich mit heimischen Festivals vielleicht noch erschwinglicher, aber für Ansässige definitiv happig. Und das merkt man auch im Publikum.
Ich bin mir bewusst „Teil des Problems“ zu sein, und blicke mit einem lachenden und weinenden Auge darauf, dass sich das Festival vom Geheimtipp für Kenner zu „einem der Großen“ gemausert hat.
Dem ist (leider) nichts hinzuzufügen, wenn man das Publikum heute und vor 10-15 Jahren vergleicht, merkt man das/die von dir beschriebene Problem/Entwicklung wirklich extrem. Schwierig, denn ja, in dem Sinne sind wir alle (Fans, berichtende Journalisten…) Teil dieser Entwicklung, und man gönnt dem Event den Erfolg. Aber es ist nicht zu bestreiten, dass viele der Leute, die damals zu Gast waren, es sich heute wohl nicht mehr leisten können.
Das wär doch mal ein interessantes Thema, das man im Interview mit den Organisatoren diskutieren könnte! ;)