Konzertbericht: dArtagnan

11.05.2016 München, Backstage

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Konzertabend fernab der Kommerzbühnen des ZDF und Co. sind vielfach besser gewesen: In München spielen DARTAGNAN ihr erstes Konzert in voller Länge, ohne Carmen Nebel, Vollplayback-Theater und Co. Die Santiano-Seefahrerromantik katapultierten die Musiker auf ihrer ersten CD „Seit an Seit“ mehr oder weniger gelungen in das feucht-fröhliche Musketieruniversum. Live funktioniert die mittelalterliche Unterhaltungsmusik besser als erwartet und klingt überraschend folkig.

dartagnan-168196

Die drei Musketiere entern mit dreifacher Unterstützung an Schlagzeug und Saiteninstrumenten, u.a. dem hervorragenden Hans Platz von Feuerschwanz, etwas verspätet – und ohne Support – die Bühne der Backstage Halle. Diese ist relativ gut gefüllt für das Debütkonzert und entwickelt sich stimmungstechnisch beachtlich. Insgesamt 14 Songs wie „Komm mit“, „7 Meilen“ und „En Garde“ umfasst das Erstlingswerk „Seit An Seit“. Dessen Stücke prägen selbsterklärend den heiteren Konzertabend, den das Trio vor allem dank seiner Bühnenerfahrung immer wieder sehr lebhaft gestaltet. Sänger Ben entdeckt beispielsweise ein Feuerschwanz-Shirt in der Menge und kommentiert dies spontan mit einem: „Wer sind die denn?“

coverDass man aus dem hodenherzigen Prinzen im Musketiergewand seine Wurzeln nicht ganz heraus bekommt, zeigt der Auftritt ebenfalls. So mutiert der Frontmann mit Krone zum „König von Frankreich“ und lässt sich von seinen beiden konkurrierenden Gefolgsleuten via Stagedive zwei Bier von der Bar bringen. Simple Aktionen wie diese tragen zur Unterhaltung bei und verlängern zusammen mit eingestreuten Traditionals und einem auf „Mus, Mus, Musketier“ umgedichteten Cover von „Dschingis Khan“ das Programm auf rund 90 bis 100 Minuten. Beim fröhlichen Ringel Ringel Reihe um ein Pärchen in der Mitte der Halle strecken Ben, Tim und Felix das instrumentale Stück kontinuierlich, um die Stimmung weiter anzuheizen. Dies gelingt, ebenso wie die Auftritte von Tim am Mikro im Zugabenblock, u.a. mit dem einzigen englischsprachigen Song des Abends: „Little Lion Man“, ursprünglich von Mumford and Sons interpretiert und an diesem Abend in ein etwas folkigeres Gewand gehüllt. Mit verschiedenen Flöten, Dudelsäcken und Gitarren präsentieren DARTAGNAN ihre Songs erstaunlich folkig und weniger poppig. Am Ende nimmt Ben sogar am Keyboard Platz und spielt „Komm mit“ in einer akustischen Version, die den Abend krönt und so manch aktueller Feuerschwanz-Ballade den Rang abläuft. Natürlich kreuzen DARTAGNAN mehrfach ihre Degen und singen lyrisch betrachtet über die 365 schönsten Kalendersprüche. Doch besonders der Sound, die hochwertigen Kostüme und die sympathische Vermarktung der Bandmitglieder überzeugen als Gesamtpaket und entschädigen für vieles, das die weichgespülten Studioproduktionen nicht transportieren können.

Zwischen Auftritten bei Florian Silbereisen und Konzertkritiken bei Schlagerplanet oder Schlagerblume holen DARTAGNAN in dieser Form auch den gemeinen Folk-Hörer ab. Einige Feuilleton-Schreiber dürften sich schon heimlich die Hände gerieben haben, um die drei Musketiere im Live-Kontext ebenso ordentlich abzuwatschen wie für ihr erstes Album. Dafür bieten das Dreigespann mit seiner durchdachten, kurzweiligen Show allerdings keinen Anlass. Im Gegenteil, live wächst das Kunstprojekt aus der Sony-Erfolgsschmiede erfreulicherweise über viele Vorurteile hinaus.

 

Publiziert am von und

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert