Konzertbericht: Hypocrisy w/ Abbath, Vomitory, Vreid

25.04.2026 München, Backstage (Werk)

Wie unwichtig Alben im Musikgeschäft geworden sind, merkt man, wenn von vier Bands in einem Tour-Package nur zwei mit neuer Musik unterwegs sind und das die Vorbands sind. Während nämlich VREID und VOMITORY in diesem Jahr Alben veröffentlicht haben, wartet man auf neues Material von ABBATH und HYPOCRISY schon vier beziehungsweise fünf Jahre. Das Backstage Werk ist trotzdem ausverkauft – ein weiterer Beweis dafür, dass die Fans keinen konkreten „Anlass“ brauchen – wenn nur das Package stimmt. Und mit zwei Black- und zwei Death-Metal-Bands ist hier ja schon fast für jede:n was dabei.

So dürfen sich bereits VREID als erste Band des Abends über fast die volle Zuhörerschaft freuen: Das Werk ist um 19:00 Uhr bereits bis auf den letzten Platz gefüllt, die Resonanz zumindest gut. Über die Show kann man das allerdings nur mit Vorbehalt sagen: Während die Norweger instrumental einen sauberen Job erledigen, klingen die Growls von Sture Dingsøyr leider ziemlich mau. Bei der nunmehr 20. Show in nur 24 Tagen sei ihm das verziehen – zumal die heutige Show die fünfte in Folge ist. Schön klingt das zwar nicht, insbesondere mit dem Tribute für Ozzy Osbourne („The Skies Turn Black“) bekommen VREID das Publikum dennoch auf ihre Seite – und 30 Minuten sind ansonsten ja auch schnell überstanden.

  1. Speak Goddamnit
  2. Pitch Black
  3. The Skies Turn Black
  4. Into The Mountains
  5. From These Woods
  6. Lifehunger

Ähnliches dürften sich die beinharten Black Metaller im Publikum über VOMITORY denken: Die Schweden haben nämlich „nur“ gradlinigen Death Metal im Programm – so gradlinig, dass man eigentlich bereits nach dem ersten Song alles gehört hat. Weil VOMITORY aber technisch extrem sauber und mit ordentlich Wucht performen, macht das gar nichts: Zwar bleiben die Reaktionen der Zuschauenden insgesamt eher verhalten – wer aber schwedischen Death Metal der alten Schule mag, bekommt von VOMITORY verlässlich „geliefert wie bestellt“. Für alle anderen gilt, wie schon bei VREID: 30 Minuten sind schnell überstanden.

  1. Revelation Nausea
  2. Terrorize Brutalize Sodomize
  3. For Gore And Country
  4. Rage Of Honour
  5. All Heads Are Gonna Roll
  6. Wrath Unbound
  7. Regorge In The Morgue
  8. Chaos Fury

Dass mit ABBATH quasi ein Co-Headliner ansteht, merkt man schon in der Umbaupause: Mit einigermaßen viel Aufwand wird das imposante, zweiteilige Metall-Logo durch den Bühnengraben auf die Bühne geholt, die damit zwar nicht weniger voll gestellt wirkt, aber doch nicht mehr ganz so sehr an ein Lagerhaus denken lässt. Vielleicht wäre es allerdings besser gewesen, die Zeit in einen ordentlichen Soundcheck zu investieren: Im Publikum ist vornehmlich Schlagzeug und Gesang zu hören, und auch auf der Bühne scheinen nicht grade ideale Bedingungen zu herrschen: Mit dem Sound aus seinen Monitor-Boxen ganz und gar nicht zufrieden, gestikuliert und schimpft Bandkopf Abbath vehement zu seinen Technikern, und im zweiten Song, „Hecate“, verlieren dann so ziemlich alle Beteiligten den Überblick.

Als Routinier der alten Schule kann Abbath das aber gänzlich von seiner Laune dem Publikum gegenüber trennen – so muss niemand auf die (immer wieder beachtliche) Zunge, kurze „Crabwalk-Einlagen“ und andere Scherze verzichten. Auch musikalisch bekommt man die volle Portion ABBATH: Mit „To War!“ gibt es gleich zu Beginn einen zuletzt eher selten gespielten Song, der Rest des Sets besteht aus den erwartbaren ABBATH-Songs sowie den beiden IMMORTAL-Songs „In My Kingdom Cold“ und „Tyrants“. Für das wirklich große Spektakel fehlt es der Show leider an besserem Sound, etwas mehr Licht (bisweilen verschwindet die Band komplett in Dunkelheit und Nebel) und vielleicht eben doch auch so langsam mal ein paar neue Songs. Nachdem IMMORTAL unlängst ein neues Album angekündigt haben, wäre es höchste Zeit …

  1. To War!
  2. Hecate
  3. Acid Haze
  4. Dream Cull
  5. In My Kingdom Cold (IMMORTAL-Cover)
  6. Tyrants (IMMORTAL-Cover)
  7. Ashes Of The Damned
  8. The Artifex
  9. Dread Reaver
  10. Winterbane

HYPOCRISY scheinen sich die Sache mit der Tour etwas genauer überlegt zu haben: Im gewohnt liebevoll ausgearbeiteten Stage-Design mit unzähligen LED-Leinwänden und Scheinwerfern bieten die Schweden ein Set mit so mancher Überraschung dar: In Ermangelung an neuen Songs legen Peter Tägtgren und seine Mitstreiter den Fokus auf ganz altes Material. Neben den Evergreens und dem 2026 erstmalig gespielten „They Will Arrive“ von „Worship“ gibt es diverse Oldschool-Nummern wie „Killing Art“ und „Carved Up“ von „Abducted“ oder das in den letzten Jahren reaktivierte „Inferior Devoties“ von „Osculum Obscenum“ zu hören, sowie als Die-Hard-Fan-Highlight das 2026 erstmalig seit 22 Jahren wieder ins Set geholte „Deathrow (No Regrets)“ von „Into The Abyss“.

Ansonsten ist – der Professionalität dieser eingespielten Truppe wegen – alles wie immer: Peter Tägtgren macht ein paar Faxen mit seinen Mitstreitern, beschränkt sich aber ansonsten auf die Darbietung seiner Musik. Die klingt dank des nun deutlich besseren Sounds quasi genau wie auf den Alben – oder eben besser, wenn es an das Frühwerk geht. Mit besonders persönlichen Ansagen oder sonstigen Überraschungen ist bei den Routiniers aber nicht zu rechnen: So weiß natürlich auch jeder im Saal, dass der Abend nicht mit „Adjusting The Sun“ endet, sondern erst, als im mittlerweile tropisch heißen Backstage Werk nach knapp 75 Minuten auch „Rosewell 47“ (mit der obligatorisch angepassten Zeile „Munich 47“) gespielt ist.

  1. They Will Arrive
  2. Fire In The Sky
  3. Inferior Devoties
  4. Chemical Whore
  5. Carved Up
  6. Children Of The Gray
  7. End Of Disclosure
  8. Killing Art
  9. Eraser
  10. Deathrow (No Regrets)
  11. Adjusting The Sun —
  12. Fractured Millennium
  13. Warpath
  14. Roswell 47

Der Nachteil an Touren ohne Album ist, dass wenig Chance auf eine wirklich „neue“ Show besteht. Bei ABBATH macht sich das so langsam bemerkbar; das größere Problem ist hier allerdings der Sound. Durch das unverwechselbar ulkige Auftreten des Namensgebers bleiben aber auch ABBATH heute als kurzweiliger Act in Erinnerung – wie schon VREID und VOMITORY zuvor, wennschon das bei diesen eher an der tatsächlich kurzen Spielzeit liegt. Von HYPOCRISY wiederum kann man eigentlich nicht enttäuscht werden; zu gut sind Songs wie „Eraser“, zu souverän ist jede einzelne Show der Schweden. Die Kehrseite dieser Medaille ist, dass HYPOCRISY bisweilen arg routiniert durch ihr Set jagen: Außer der Hitze in der Halle dürfte auch den Schweden selbst an dieser Show nichts „besonders“ vorgekommen sein – und so geht es wohl allen, die HYPOCRISY schon mal live gesehen haben. Unterhaltsam ist die Performance allemal, aber eben auch nicht mehr.

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Moritz Grütz

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