
Eigentlich hätten LYNYRD SKYNYRD schon 2020 auf dem Münchner Tollwood spielen sollen – doch die Pandemie machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Nun, fünf Jahre später, endlich der Auftritt, den viele Fans sehnlichst erwartet hatten. Die Band aus Florida präsentiert sich in der prall gefüllten Musik-Arena als eingespieltes Ensemble, das trotz unvermeidbarer Klischees den Sound und die Atmosphäre lebendig hält, für die sie seit Jahrzehnten steht.

Den Auftakt des Abends bestreitet SIMON MCBRIDE, aktuell Gitarrist bei DEEP PURPLE, der hier mit seinem Soloprojekt auftritt. Unterstützt von Bass und Schlagzeug liefert das Trio eine kompakte, kraftvolle Show ab. Schon mit den ersten Takten wird deutlich: MCBRIDE und seine Mitmusiker beherrschen ihr Handwerk aus dem Effeff. Erdige, rohe Riffs rollen wuchtig durch die Musik-Arena und bringen frühe Betriebstemperatur. Überraschend verzichtet der Ausnahmegitarrist komplett auf Songs seiner Hauptband – lediglich einmal schimmert der ikonische „Smoke On The Water“-Riff kurz durch. Stattdessen setzt MCBRIDE auf eine Mischung aus eigenen Stücken und ausgewählten Cover-Versionen, darunter BRYAN ADAMS’ „Kids Wanna Rock“ und „Lovesong“ von THE CURE. Auch diesen Songs verleiht er seinen ganz eigenen Sound und wird dafür vom Publikum mit verdientem Applaus gefeiert.

Wer sich LYNYRD SKYNYRD live ansieht, kommt an plakativ-kitschigen Merch-Shirts kaum vorbei: überbordend mit Trucks, US-Flaggen und Adlern. Der offen zur Schau gestellte Patriotismus gehört zum Kult der Band, genau wie ihre Songs, die längst zum Rock-Kanon zählen und glücklicherweise auch für sich sprechen. Ein Mitglied der ersten Besetzung ist heute allerdings nicht mehr dabei: Gründungsgitarrist Gary Rossington verstarb 2023, Sänger Ronnie Van Zant sowie weitere Mitglieder kamen tragischerweise bei dem berüchtigten Flugzeugabsturz in den 70er Jahren ums Leben.

Dennoch schlägt mit Johnny Van Zant, dem jüngeren Bruder von Ronnie, ein echter Van Zant am Mikrofon – ein wichtiger Anker der Bandidentität von LYNYRD SKYNYRD. Gitarrist Ricky Medlocke, seit 1971 mit Unterbrechungen dabei, komplettiert das dreiköpfige Gitarrentrio, das den typischen, mächtigen Südstaaten-Sound liefert. Gemeinsam bringen sie Evergreens wie „Saturday Night Special“ oder den eindringlichen Drogensong „That Smell“ mit beeindruckender Spielfreude auf die Bühne.

Musikalisch ist alles tight, die Riffs sitzen perfekt, und Johnny gibt seinen Songs mit rauer Stimme eine markante Note. Klassiker wie „Simple Man“ fehlen ebenso wenig wie „Sweet Home Alabama“ als umjubelter Abschluss des regulären Sets. Der emotionale Höhepunkt folgt mit „Free Bird“ als einziger Zugabe – einem Stück, das sowohl Ronnie Van Zant als auch den verstorbenen Bandmitgliedern gewidmet wird. Auf den Leinwänden flackern Kerzen neben den Namen der Verstorbenen. Vielleicht etwas zu viel des Guten, genau wie die Menge an Amerika- und Deutschlandflaggen gegen Ende. Ungeachtet dessen rundet der Gitarrensolo-Klassiker den Abend nach rund 80 Minuten mit einem der Highlights ab.

LYNYRD SKYNYRD liefern auf dem Tollwood eine kraftvolle Show voller Herzblut, die nicht ohne Klischees auskommt, aber auch genau deshalb ihre Fans erreicht. Trotz fehlender Originalbesetzung bleibt der Spirit der Band lebendig – ein zeitloser Südstaaten-Rockabend und womöglich eine der letzten Gelegenheiten, die Legenden in München live zu sehen.

