Subway to Sally w/ Support

  • Tollwood, München
  • 12. Juli 2013

„A Dark Summer Night“ kündigte das Tollwood Sommerfestival 2013 zum 25-jährigen Jubiläum an. Ein (goth)rock-folkiges Dreigestirn hatten die Veranstalter dafür nach München eingeladen, namentlich SUBWAY TO SALLY, SALTATIO MORTIS und MONO INC. Dass der Titel der Veranstaltung dabei (abgesehen vom Bühnenlicht) nicht wirklich zutraf, wussten Szeneanhänger bereits beim ersten Blick auf das Lineup. Und dieses hielt größtenteils mehr als es versprach.

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Den Beginn machen die Hamburger MONO INC. um 18 Uhr zu weit vorgerückter Stunde. Eigentlich hätten die Nordlichter mit 30 Minuten Spielzeit auskommen müssen, doch dank Subway to Sally wird eine Dreiviertelstunde daraus, wie Sänger Martin Engler verkündet. Dies ist für einen Auftritt der Gothrocker anno 2013 genau die richtige Länge, ist die Stromlinienförmigkeit der meisten Songs doch offenkundig. Und wenn MONO INC. nicht wie MONO INC. in den letzten drei Jahren klingen, dann wagt sich das Quartett auf seiner neuen Single sowie dem neuen Album „Nimmermehr“ (ehemals Nevermore) nun auch an deutsche Texte. „Heile, heile Segen“ ist dabei der erste Vorbote, welcher in München offenbart, dass man das musikalische und textliche Niveau nur fest genug mit (Schlager)tritten versehen muss, um das Publikum zu begeistern. So feiert das Tollwood zu einem banal abstrahierten Kinderreim, bei dem Schlagzeugerin Katha Mia mittendrin sogar ihr Playback vergisst. Besser gelingt ihr das Drumsolo nach „After The War“ auf zwei Fässern sowie ihrem Schlagzeug.SONY DSC
Indes wäre der Support-Slot bei Unheilig für MONO INC. nie passender gewesen als momentan, wirkt vor allem der Abstecher in deutsche Gefilde so, als ob dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz zufällig kommt. Dabei haben die Monos unter anderem mit „Voices Of Doom“ oder auch „Temple Of The Torn“  immer noch ein paar moderne Gothrock-Hits im Gepäck. Und auch „The Passenger“ (O-Ton Martin Engler: „ganz alter Mittelaltersong für das mettrinkende Publikum“) in seiner neuen nicht-akustischen Version funktioniert, wobei sich der Sänger schwer damit tut, dass Publikum nach schwachem Anfangschorus über die Fußballschiene einzubeziehen. Lediglich als er am Ende nach Fans des 1. FC St. Pauli fragt und niemand antwortet, erntet er einige Lacher für seinen Kommentar, dass die Reaktionen in Hamburg genauso ausfielen. Insgesamt bleibt der Auftritt musikalisch ein typischer MONO INC.-Festivalgig mit einem irrwitzig wie grotesken Höhepunkt in Form von „Heile, heile Segen“ und viel Midtempo-Durchschnittskost nahe an der Radiotauglichkeit.

Setlist:
My Worst Enemy
Heile, heile Segen
Arabia
Temple Of The Torn
The Passenger
Revenge
After the War (+ Drumsolo)
Voices Of Doom

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Für SALTATIO MORTIS ist der 12. Juli ein Grund zum Feiern, sind die Karlsruher nicht zur am Tollwood zu Gast, sondern veröffentlichen an diesem Tag auch ihre Single „Wachstum über alles“. Zusammen mit „Früher war alles besser“ haben die Totentänzer direkt zwei neue Songs von ihrem kommenden Album „Das schwarze IXI“ im Gepäck. Besonders die aktuelle Single wirkt dabei mit Erklärung von Lasterbalk deutlich nachvollziehbarer, wenngleich Saltatio mit ihrer Abwandlung des Deutschlandslieds schwieriges Terrain betreten. „Früher war alles besser“ als zweiter Vorgeschmack erinnert dafür an eine mittelalterliche Variante der Toten Hosen, funktioniert in München aber ebenso wie der Rest des bunt gemischten Programms. Zwar fehlen im Vergleich zum Feuertanz Festival etablierte Livekracher wie „Manus Manum Lavat“ und „Spiel mit dem Feuer“, doch besonders Sänger Alea erwischt – im Vergleich zum Rest der Band etwas leiser abgemischt – einen hervorragenden Tag und erzeugt am Mikro nicht nur durch seine Athletik. Das Highlight aus Sängersicht ist dabei ein einarmiger Handstandüberschlag während eines Refrains. Im Gesamtkontext sind besonders die aktuellen Liveversionen von „Sündenfall“ und „Orpheus“ (mit Jean Mechant als hervorragender Zweitstimme) hervorzuheben, bei denen im Vergleich zum Stadio an Härte und Tempo gefeilt wurde. So entfalten beide Stücke ihr volles Potential, während „Eulenspiegel“, „Prometheus“ und Co. in München am Tag des Singlereleases außerordentlich gut funktionieren und das Publikum die Band von Song zu Song mehr feiert. Vor „Wachstum über alles“ kniet schließlich fast das gesamte Zelt und erhebt sich geschlossen gegen unkontrolliertes Wachstum und Konsum. So funktionieren SALTATIO MORTIS an diesem Tag auf einem Niveau, wie man es in dieser Gesamtheit lange nicht gesehen hat. Gekrönt wird die 60-minütige Folkrockshow schließlich vom „Spielmannsschwur“. Wild und frei – und hymnisch.

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Setlist:
Intro
Ode an die Feindschaft
Habgier und Tod
Sündenfall
Prometheus
Orpheus
Hochzeitstanz
Wachstum
Koma
Nach Jahr und Tag
Früher war alles besser
Eulenspiegel
Falsche Freunde
Spielmannsschwur

Nach einer kurzen Umbaupause wird es schließlich dunkel, und mit einer Strophe aus „Eisblumen“ treten SUBWAY TO SALLY auf die Bühne. Erwartungsgemäß hat die Stimmung kaum unter der Pause gelitten, schon wenige Minuten später kann Eric Fish im feiernden „Schwarzen Meer“ baden. Um die kurze Spielzeit gut zu füllen, entschieden sich die Szeneurgesteine bei der Setlist für diverse Medleys alter und neuer Songs. Was bei abendfüllenden Konzerten für viele wohl eher als Unart gelten würde, geht auf der Dark Summer Night wunderbar auf. Das Anspielen von Stücken wie „Henkersbraut“ oder „Mephisto“ genügt, um das Publikum bei Laune zu halten, und Lieder wie „Wenn Engel hassen“ oder „Kleid aus Rosen“ werden aus vollen Kehlen mitgesungen.

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Wie immer warten SUBWAY TO SALLY mit einer Menge Pyrotechnik auf, die diesmal den Stoffen und Scheinwerfern der Tollwood-Bühne gefühlt deutlich zu nah kommen, doch glücklicherweise passiert nichts weiter als dass nicht nur die Stimmung, sondern auch das Zelt sich weiter aufheizt. Die Band ist gut drauf, souverän ignorieren die Musiker auch die vielen „Julia und die Räuber“ Zwischenrufe, die ruhige Momente und Pausen ihrer Setlists oft stören, und schaffen es so, die spontanen Gesänge ein wenig im Zaum zu halten. Dadurch können Eric Fish und Co. auch nach einem aufputschenden Medley aus „Sieben“, „Ohne Liebe“ und „Veitstanz“, bei dem sogar Saltatio Mortis mit Dudelsäcken auf die Bühne treten und unter begeistertem Aufschreien aus dem Publikum die befreundete Band musikalisch unterstützen, einen Zugabenblock anfügen, in dem auch die wunderschöne, nur mit Gitarre und Stimme vorgetragene Ballade „Maria“ zu finden ist. Und neben den älteren Perlen „Carrickfergus“ sowie „Sag dem Teufel“ natürlich auch das obligatorische „Julia und die Räuber“ (in seiner modernen Version mit Eric Fish am Dudelsack). Man kennt ja seine Pappenheimer.
Und so geht nach mehreren Stunden und dennoch irgendwie viel zu früh ein toller Konzertabend zu Ende. Schade nur, dass das Zusammenwirken der Bands sich auf der Bühne auf einen einzigen Song beschränkte. Davon würde man gerne mehr sehen. Und bietet sich an solchen Abend auch wunderbar an. Bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt.

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Setlist:
Ouvertüre/Eisblumen
Das schwarze Meer
Henkersbraut/Falscher Heiland
Knochenschiff/Rätsel II
Liebeszauber
Wenn Engel hassen
Mephisto/Unsterblich
Kleid aus Rosen
Tanz auf dem Vulkan
Besser du rennst
Sieben/Ohne Liebe/Veitstanz

Carrickfergus
Maria
Sag dem Teufel
Julia und die Räuber

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