Konzertbericht: Swallow The Sun w/ Antimatter, The Foreshadowing

31.10.2013 Helvete, Oberhausen

Tourplakat 2013

Ist es angebracht, in diesem Zusammenhang von einem „Killer-Package“ zu sprechen? Angesichts der Qualität der drei Bands sicherlich, auch wenn der Begriff irgendwie Knüppel-Musik impliziert und dies trifft natürlich auf keine der drei Truppen zu, die sich an diesem Abend auf die Mini-Bühne im Oberhausener Kult-Club Helvete begaben. Dank des üblichen Feierabendverkehrs im Ruhrpott kam ich leider gleich mal zehn Minuten zu spät, was sich als beinahe fatal erweisen sollte.

Denn die Italiener THE FORESHADOWING haben ihr Set bereits aufgenommen und da es die Eröffnungsbands in der Regel mit recht kurzen Setlists trifft, habe ich somit schon fast ein Drittel des Programms verpasst. Egal, die Mannen um den charismatischen Frontmann Marco Benevento machen dem Gast den Einstieg in den Konzertabend sehr leicht, leider verlaufen sich zu diesem Zeitpunkt nur vielleicht 50 Nasen im separaten Bereich des Helvete. Immerhin haben einige direkt den Weg zur Bühne gefunden und sorgen für erste fliegende Haare. Verdientermaßen, denn THE FORESHADOWING liefern einen energiegeladenen Auftritt ab, der sowohl die Power der Songs einfängt, als auch die ihnen innewohnende Melancholie unterstreicht.

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Marco zeigt dabei einmal mehr, welche Fähigkeiten er besitzt, die düstere Stimme intoniert mit traumhafter Sicherheit auch die komplizierteren Gesangspassagen und für die eine oder andere Ansage zwischen den Songs reicht es auch. Ganz witzig: Nachdem die Band „The Forsaken Son“ gespielt hat, kündigt er es gleich noch mal an, um dann zu meinen, dass er sich gerade wohl etwas vertan hätte. Auch sonst scheint des Sextett einigen Spaß zu haben, Stageacting ist auf der kleinen Bühne zwar schwierig, aber vor allem der Keyboarder Francesco und der Bassist, ebenfalls Francesco, sorgen für Betrieb, während Altmeister Alessandro Pace an der Gitarre irgendwie immer noch aussieht wie der nette Onkel von nebenan. Geht aber klar, schließlich präsentieren THE FORESHADOWING einen mehr als netten Auftritt, der leider nach nicht mal 40 Minuten schon wieder zu Ende ist.

Weiter geht es dann mit den britischen Melancholic-Rockern ANTIMATTER. Einerseits habe ich mich auf Mick Moss und Co beinahe am meisten gefreut, andererseits war gerade hier die Frage am drängensten, wie die größtenteils akustische Musik wohl zu dem Rest passen würde. Diese Sorge wird gleich zu Beginn des Sets entkräftet, zwar sieht der Schlagzeuger eher wie ein Mathematik-Student aus und der Bassist ähnelt dem Schauspieler von „Kommissar Beck“, aber Power entfachen sie absolut. Zwar leidet das Programm zu Beginn unter einem etwas übersteuerten Sound, aber dies legt sich glücklicherweise bald, so dass man die Lieder voll und ganz genießen kann. Leider, aber nachvollziehbarerweise, beschränkt man sich hauptsächlich auf die späteren Alben, wobei das „Leaving Eden“-Album nun nicht mehr unbedingt als neu zu bezeichnen ist.

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Während des Sets steigt dann Vic Anselmo auf die Bühne, die die weiblichen Vocals übernimmt. Kräftig aufgebrezelt, aber mit einer schüchternen Attitüde liefert sie sich einige Mikroduelle mit Mick, um danach (wie bei den anderen Bands auch) mächtig im Publikum abzugehen. Die Energie springt auch gleich von der Bühne über, mittlerweile ist das Helvete gut gefüllt und das Publikum zeigt, dass ihm die Darbietungen gefallen. So merkt man überhaupt nicht, wie die Stunde vergeht, obwohl ANTIMATTER fast nur überdurchschnittlich lange Songs spielen, sind diese doch ausgesprochen kurzweilig und plötzlich ist Schluss. Schade, vor allem, weil ein Blick auf die Running Order verheißt: SWALLOW THE SUN werden erst in einer Stunde auf die Bretter gehen.

Anders als bei einem Festival sind in einem Club die Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben natürlich beschränkt. Da im Restbereich aber eine Halloween-Party gefeiert wird, gibt es zumindest ein paar skurrile Gestalten zu bestaunen, zudem platziert sich Mick Moss schließlich mit einer recht albernen Pest-Maske am Merchandise-Stand. Immerhin etwas Abwechslung, um der stickigen Wärme des engen Konzertbereichs zu entfliehen.

SWALLOW THE SUN sind dann freundlicherweise doch schon nach einer halben Stunde Umbaupause auf der Bühne. Dieses Jahr ist das zehnjährige Jubiläum des Debütalbums „The Morning Never Came“, entsprechend bedient man diese Platte. Die Fans danken es, scheinbar sind viele Freunde der ersten Stunde anwesend. In meinen Augen ist der Sound zu Beginn auch hier etwas schwach. Dies regelt sich im weiteren Verlauf, trotzdem klingt alles unter dem Strich etwas dünn. Schwer zu sagen, woran es hapert, irgendein Instrument scheint immer zu leise zu sein, zudem merkt man es offenbar erst in der Livesituation, wie sehr sich viele Songs der Finnen doch ähneln. Oft denkt man `dieser Songs ist es`, um Sekunden später zu merken, dass es doch ein anderer ist. Sicherlich runden SWALLOW THE SUN den mehr als gelungenen Konzertabend gut ab, trotzdem sind sie für mich die Band, die am wenigsten Intensität versprüht.

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Immerhin kommen alle Klischees auf den Tisch, die man Männern aus dem hohen Norden nachsagt, wortkarg (gibt es während der ersten Dreiviertelstunde überhaupt eine einzige Ansage?), aber gestenreich (Grimassen, Fäuste), dazu nutzt man jede sich bietende Möglichkeit, um sich einen oder viele Schlucke Bier zu verinnerlichen, besonders Fronter Mikko (neue Mütze!) und Keyboarder Aleksi (mit widerspenstiger Frisur) lassen sich nicht lumpen. Netterweise hat man mit „Falling World“ gegen Ende noch meinen persönlichen Favoriten am Start, so dass ich kurz vor Ende des Konzerts zufrieden den Heimweg antreten kann und so an der Kasse noch mächtig Boden gut machen kann.

Insgesamt boten alle drei Bands tolle Auftritte. Von THE FORESHADOWING hätte ich gerne mehr gesehen, ANTIMATTER überzeugten mit Power, die man in Kenntnis der Alben gar nicht erwartet hätte und SWALLOW THE SUN präsentierten sich, wie man es von Finnen, die Metal spielen, erwartet. Derartig hochqualitative Line-Ups dürfen gerne öfter durch die Lande ziehen, ein Abend zum Wohlfühlen. Zudem konnte man noch eine wichtige Erkenntnis gewinnen: Der Musiker, der sich verspielt, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit derjenige, der Sekunden später dem Mischer hektisch zuwinkt und auf den Monitor deutet. Kein Problem, kommt in den besten Familien vor.

Publiziert am von Jan Müller

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