Swallow The Sun w/ Insomnium, Omnium Gatherum

  • Orangehouse (Feierwerk), München
  • 11. Dezember 2009

Auch der konzertreichste Herbst neigt sich irgendwann einem Ende entgegen… nachdem Amorphis der bayerischen Landeshauptstadt bereits im November einen Besuch abgestattet hatten, scheint sich nun der Rest der finnischen Melodic Death Metal-Szene zusammengeschlossen und auf Reisen begeben zu haben: Mit Triplet aus OMNIUM GATHERUM , INSOMNIUM und SWALLOW THE SUN steht ein letztes Metalevent für dieses Jahr in meinem Kalender – und das offensichtlich auch noch am falschen Tag, hätte ich das Konzert doch um ein Haar in der festen Überzeugung, es wäre einen Tag später, verpasst.
Nach der rettenden Erkenntnis um meinen Irrglauben doch noch zur rechten Zeit im Münchner Feierwerk eingetroffen, ist beruhigender Weise schon eine erkleckliche Anzahl Metalheads vor Ort, was zumindest eine „Leeres Haus, das muss München sein“-Blamage, wie man sie hierzuorte nur all zu oft erlebt, abwendet.

Pünktlich um 20.30 betritt der Opener, OMNIUM GATHARUM, die Bühne. Dass es sich bei den Jungs auch schon um alte Hasen im Geschäft handelt, lässt sich nicht nur unschwer an der mit 4 Alben und einigen Demos recht umfangreichen Diskographie der Truppe, sondern auch an ihrem Stageacting unschwer erkennen: Routiniert und ausgelassen zocken die Musiker die Songs, schütteln die Köpfe und sorgen auch sonst für einige Action auf der Bühne – allen voran Sänger Jukka Pelhonen. Dieser gibt sich dabei stellenweise fast etwas zu selbstsicher, so dass man ihm sein Gebaren stellenweise fast als arroganzgeschwängert bezeichnen könnte. Und auch, wenn mich sein Gesang technisch nicht sonderlich zu überzeugen weiß, macht die Spielfreude, die die Truppe an den Tag legt, einiges wieder wett – da zudem auch noch der Sound keinerlei Anlass zu Kritik bietet, ein alles in allem gelungener Auftritt.

Setlist OMNIUM GATHERUM:
01. Nail
02. Perfumed Garden/Into Sea
03. Return
04. Redshift
05. Shadowkey
06. It Shines
07. Chameleon Skin
08. Sons Thoughts

Mit INSOMNIUM betreten alte Bekannte die Bühne, sind die vier Finnen doch bereits zum dritten Mal in München zu Gast. Dass sie sich schon bei den letzten beiden Malen in di Herzen des Münchner Publikums gespielt haben, ist offensichtlich, fällt doch bereits der Begrüßungsapplaus überdurchschnittlich laut aus. Darüber sichtlich erfreut, stimmt die Truppe, wie schon auf der letzten Tour und auf dem aktuellen Album, unterstützt von SWALLOW THE SUN-Keyboarder Aleksi Munter, nach einem epischen Intro auch sofort das neue Album an. Was folgt ist ein bunter Strauß Melodien quer durch die Diskographie der finnischen Ausnahmemusiker. Unterstützt vom wirklich starken Soundgewand, das der Tontechniker hier zusammengemischt hat, verfehlen die Songs auch ihre Wirkung nicht: Das Publikum headbangt, feuert an und freut sich über Niillo Sevänens (durchaus anerkennenswerte) Versuche, möglichst große Teile der Zwischensong-Kommunikation in deutscher Sprache zu führen. Zwar können die Songs des neuen Albums „Across The Dark“ live (noch?) nicht den Power eines „The Killjoy“ oder anderer älterer Songs mithalten, wissen aber dennoch zu überzeugen, zumal die auf „Across The Dark“ von Jules Näveri eingesungenen Cleanpassagen nicht etwa weggelassen oder schlicht gegrowlt interpretiert werden, sondern vom Leadgitarren-Ville (Friman) so überzeugend dargeboteb werdebmd ass man sich fragt, warum die Band für das Album überhaupt einen Gastsänger in Anspruch genommen hat. Als dem Publikum auch noch der lautstark zum Ausdruck gebrachte Wunsch nach einer Zugabe erfüllt wurde, ist der Gig nach nur einer Dreiviertelstunde wieder vorbei. Schade, ein, zwei Songs mehr hätten wohl nicht geschadet, aber auch so war es ein großartiger Gig einer großartigen Band, die, wie das Publikum unmissverständlich klar macht, mittlerweile durchaus auch als Headliner auf Tour gehen könnte.

Setlist INSOMNIUM:
01. Equivalence
02. Down With The Sun
03. Drawn To Black
04. Killjoy
05. Where The Last Wave Broke
06. The Harrowing Years
07. The Gale
08. Mrotal Share
09. Man Weighed Down With The Sorrow
10. Devoid of Caring

Um kurz vor 23.00 ist es dann für den Headliner, die Doom-Death-Metaller SWALLOW THE SUN, Zeit, das „Bühnenwohnzimmer“ betreten – der Teppichboden auf der in einer Wandniesche eingelassenen Bühne sowie das tapetenartige Backdrop der Finnen verbreiten fast schon dabei eine heimelige Athmosphäre. Deren erste Aufgabe besteht darin, die Begeisterung, die INSOMNIUM beim Publikum ausgelöst hatten, in ihr eigenes Set hineinzutragen… was eigentlich auch recht gut klappt: Mit „These Woods Breathe Evil“ und „Falling World“, den beiden ersten Liedern vom aktuellen Album „New Moon“ legt die Band gleich gut vor.
Doch auch ältere Stücke wie „Descending Winters“ erfüllen dem gewogenen Fan alle Wünsche. Dennoch stellt bei mir als unvoreingenommenem Hörer auch beim zweiten SWALLOW THE SUN-Konzert, dem ich beiwohne, von Song zu Song deutlicher ein gewisses „schon mal gehört“-Gefühl ein, unterscheiden sich die Songs der Truppe doch (zumindest live) hinsichtlich ihres Aufbaus wenig: Ein paar mehr Riffs und etwas Experimentierfreude könnten hier jedenfalls nicht unbedingt schaden.
Dem Publikum scheint es dennoch zu gefallen, und auch wenn ich meine, dass der Applaus bei den vorangegangenen INSOMNIUM frenetischer ausgefallen war, gibt es für SWALLOW THE SUN wohl keinen Grund, unzufrieden zu sein. Ein großes Lob an dieser Stelle noch einmal an den Tontechniker, der allen drei Bands einen glasklaren Sound zusammengeschustert hat, wie man ihn in solcher Ausgewogenheit selten hört.

Insgesamt kann man also von einem durchweg gelungenen Abend sprechen, auch wenn das Billing der letzten INSOMNIUM / SWALLOW THE SUN-Tour mit Amorphis als Headliner für meinen Geschmack noch einen Tick lohnenswerter war. Aber auch so gibt es keinen Grund zur Klage: Alle Bands haben einen guten Job gemacht, der Mischer sowieso und auch das Publikum hat seinen Teil zum Gelingen des Abends beigetragen. Ein würdiger Ausklang für mein Konzert-Jahr 2009, man darf gespannt sein, was das nächste Jahr alles bringt – auf jeden Fall INSOMNIUM beim Summer-Breeze 2010.

 

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