CD-Review: Swallow The Sun - When A Shadow Is Forced Into The Light

Besetzung

Mikko Kotamäki – Gesang
Juha Raivio – Gitarre, Keyboard
Juho Räihä – Gitarre
Matti Honkonen – Bass
Juuso Raatikainen – Schlagzeug
Jaani Peuhu – Keyboard, Hintergrundgesang

Sessionmusiker:
Irina Rusu - Violine
Helena Dumell - Bratsche
Magdalena Valkeus - Cello
Teemu Mastovaara - Cello
Krista Ruusunen - Klavier
Clémentine Curie - Erzählstimme (Track 6)

Tracklist

01. When A Shadow Is Forced Into The Light
02. The Crimson Crown
03. Firelights
04. Upon The Water
05. Stone Wings
06. Clouds On Your Side
07. Here On The Black Earth
08. Never Left


Wenn man die dunkelsten Schatten und tiefsten Abgründe durchlebt hat, folgt entweder Resignation, oder man versucht sich mit aller Kraft und Mühe wieder zurück ins Leben zu befördern. Juha Raivio, Gitarrist und Songwriter der finnischen Death-Doom-Band SWALLOW THE SUN fiel in einen solchen Abgrund: Am 18. April 2016 starb seine Partnerin und die Liebe seines Lebens, Trees-Of-Eternity-Sängerin Aleah Stanbridge, an Krebs. Nach knapp einem Jahr des Trauerns gründete Raivio das Projekt Hallatar und veröffentlichte das Album „No Stars Upon The Bridge“ (eine Anspielung auf Stanbridges Künstlernamen „Aleah Starbridge“). Mit diesem wollte er Stanbridges Tod verarbeiten und ihr ein eigenes Album widmen.

„When A Shadow Is Forced Into The Light”, das nach einer Zeile in einem Trees-Of-Eternity-Song benannt ist, ist als Albumtitel hier also tatsächlich wörtlich zu verstehen. Es ist Raivios Versuch, sich aus den Schatten der Trauer zurück ins Licht zu kämpfen. Bereits im Vorfeld hatte die Band daher angekündigt, dass sie bei ihrem neuen Album eine positivere Herangehensweise im Sinn hatte. Und tatsächlich hört man das: „When A Shadow Is Forced Into The Light”, obwohl in den dunkelsten Stunden ihres Songwriters entstanden, ist die mit Abstand am hoffnungsvollsten und lebensbejahend klingende SWALLOW-THE-SUN-Platte bisher.

Doch gänzlich will das für den Hörer nicht aufgehen. Es ist nicht so, dass die positiveren Momente des Albums unglaubwürdig oder unauthentisch klingen. Dennoch merkt man an vielen Stellen, dass es Raivios Songwriting nach wie vor zu den bedrückenden, traurigen Momenten zieht, was dieser dann aber im letzten Moment absichtlich nicht zulässt. Auf viele düstere, traurige Abschnitte folgt ein geradezu versöhnlicher, aber eben forcierter Twist. Das mag angesichts der Intention Raivios nachvollziehbar sein – überzeugend wirkt es jedoch nicht immer, wenn man doch zwischen den Zeilen und Tönen der Musik noch immer bittere Trauer spürt.

Am deutlichsten merkt man dies in Songs wie „The Crimson Crown“, „Firelights“ oder dem abschließenden „Never Left“: Die hoffnungsvollen Melodien, die Fronter Mikko Kotamäki gerade in den Refrains zum Besten gibt, sind zweifelsohne schön – sie fühlen sich nur nicht richtig ehrlich an. Im Gegensatz dazu beeindrucken SWALLOW THE SUN dennoch mit Stücken wie dem Titeltrack, dessen Lead-Gitarren-Melodie zu den schönsten auf dem Album gehört, dem eingängigen „Stone Wings“ oder „Clouds On Your Side“, das neben einem markanten Rhythmuspattern zusätzlich mit einem stimmigen, französisch erzählten Ende aufwartet.

Zu den Highlights und großen Stars der Platte zählen aber dieses Mal die Gastmusiker, allen voran die Streicher. Ihnen wird auf „When A Shadow Is Forced Into The Light“ eine große Rolle zuteil. Die filigranen, sanften und gefühlvollen Arrangements wurden wie ein riesiges Spinnennetz durch die Musik der Kernband gewoben und tragen die Last der schwermütigen Musik. Fein und mit viel Gespür herausgearbeitet wurden die Instrumente von Profi-Produzent Jens Bogren, der den einzelnen Elementen im Mix jederzeit genug Raum zum Atmen lässt.

„When A Shadow Is Forced Into The Light”, zweifelsohne erneut wunderschön und gefühlvoll, gehört leider dennoch nicht zu den besten Werken in der Diskographie der Finnen. Obwohl man sich eigentlich für Raivio freut, dass er die Reise zurück ins Positive des Leben antritt, hätte das neue SWALLOW-THE-SUN-Album noch mal die Möglichkeit geboten, sich den tiefsten Emotionen zu stellen, die durch den tragischen Tod Stanbridges entstanden sind. Dass die Band sich gegen diesen Weg entschieden hat, sollte man aber natürlich respektieren. Und mal ehrlich – kaum eine Band lässt sich so tief in die Seele blicken wie SWALLOW THE SUN. Selbst ein Album wie „When A Shadow Is Forced Into The Light” ist den meisten Doom-Metal-Werken in diesem Punkt immer noch weit voraus.

Bewertung: 7 / 10

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1 Kommentar zu “Swallow The Sun – When A Shadow Is Forced Into The Light”

  1. Jan

    Also, da ich die Platte jetzt einige Male gehört habe, möchte ich auch ein wenig dazu schreiben, ich verfolge die Finnen auch schon eine Weile. Ich finde nicht, dass die Melodien so wahnsinnig positiv sind, der Titel drückt es auch irgendwie so aus, als wenn die Katharsis noch andauert: Die Gefühle werden nach außen gezwungen in der Hoffnung, die Schatten dadurch loszuwerden, in wie weit der Prozess abgeschlossen ist, beantwortet das Album meiner Meinung nach nicht. Für mich klingen Schmerz und Verlust aus jeder Zeile, wenn es ihm durch das Album jetzt aber tatsächlich besser geht, freut mich das natürlich auch ;)

    Ich finde allerdings die Streicher nicht so wahnsinnig geil, irgendwie gehen sie mir etwas unter, da hätte man mehr aus dem Potential machen können. Sicher nicht das stärkste Album, aber für eine solide 8 hätte es schon gereicht, auch wenn die Messlatte nach dem Dreifachvorgänger schon nahezu unerreichbar hoch lag ;)

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