Das Kulturzentrum De Oosterpoort in den Niederlanden hat schon einigen Künstlern eine Bühne geboten. Jüngst ist dort Floor Jansen zu Gast gewesen, aber auch Bands wie WHITE LIES oder PIXIES standen schon auf dem Parkett dieses Konzertsaals. Im März 2025, genauer am 27. und 28. des Monats und damit über ein Jahr vor dem eigentlichen Release des zugrundeliegenden Albums „The Moth“, brachte Devin Townsend dieses ausladende Epos mithilfe des North Netherlands Orchesters und dazugehörigem Chor unter der Leitung von Jukka Iisakkila auf die Bühne.
Was direkt auffällt: „The Moth (The War – Live In Groningen)“ reduziert sich genau auf das, was sein Titel sagt. Hier gibt es kein großes Intro, keinen spannungsgeladenen Bühnenaufgang, nach der Titelleinde und etwas Philosophie über das abzuhandelnde Insekt geht es direkt los. Und was soll man sagen, schon die ersten drei Titel „Semi-Prologue“, „War Beyond Words“ und das namensgebende „The Moth“ lösen beim Publikum Verzückung aus, was der spontan aufbrausende Applaus so kurz nach Start des Konzertes eindeutig unterstreicht. Kein Wunder, kann man doch diese drei Titel in ihrer orchestralen Größe und bei der ausgezeichneten Gesangsleistung von Devin nur als wunderschön bezeichnen.
Apropos Gesang: Zwar fehlt die großartige Anneke van Giersbergen, die dem Axolotl Lexin ihre Stimme geliehen hat an diesem Abend auf der Bühne, das jedoch ist bei der Gesangsleistung von Lyn Wuu, die ebenfalls auf dem Studioalbum zu hören war, ohne Weiteres zu verschmerzen, leistet sie doch als stimmlicher Konter auf Songs wie „Covered By Caresses“ oder „Stained Hearts“ fantastisch Arbeit. Gleiches trifft natürlich auf Devins Band zu, die die hymnische Opulenz dieses Live-Manifests mit ihren drückend-progressiven Riffs und punktgenauem Schlagzeugspiel unterfüttert. Dass besonders die Gitarren von Darby Todd und Pete Rinaldi während dieser Performance weit besser zur Geltung kommen, tut Songs wie „Enter The City“, „Prepare For War“ oder „The Big Snit“ durchweg zugute, gingen sie doch im Getöse des eigentlichen Albums häufig etwas unter.
Leider hat „The Moth (The War – Live In Groningen)“ aber das gleiche Problem wie sein Studio-Brüderchen. Zwar hat auch der zweite Akt des Konzertes mit „The Clergy“ oder „Stained Hearts“ seine Highlights, jedoch erreichen die Stücke nicht noch einmal die Dynamik der ersten Hälfte. Damit wird das Konzerterlebnis zum Ende hin trotz stimmiger Lichtshow, passender Visuals, einem durchweg begeisterten Publikum und einem mal tänzelnden, mal pathetisch gestikulierenden Devin zu einer ziemlichen Gedulds- und vor allem auch Stimmungssache. Hinsichtlich dessen, dass das Live-Konzert aber die 1:1-Wiedergabe der Studiovariante darstellt, ist die Ausdauer, die man für das Konzert mitbringen muss, die gleiche, wie sie das Album voraussetzt.
Dass Devin Townsend schon immer ein beeindruckender Live-Künstler war, das darf getrost außer Frage gestellt werden. Und auch der Umsetzung von „The Moth (The War – Live In Groningen)“ fehlt es an nichts, das man von Townsend nicht kennt. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung des Studioalbums ist „The Moth (The War – Live In Groningen)“ eine schöne Ergänzung für alle, die sich damals nur die Standard-Edition der Scheibe leisten konnten, aber ein wirklich überragender Mehrwert ergibt sich daraus nur für den echten Über-Fan.
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Wertung: 7.5 / 10


