Es gibt Bands, deren Veröffentlichungsturnus liegt bei regelmäßigen zwei Jahren. Das ist beachtlich, jedoch nicht in jedem Fall ein Garant für Qualität. HYPERION aus Stockholm schlagen mit ihrem melodischen Blackened Death Metal in die genau entgegengesetzte Richtung aus. So hat es die Band seit ihrer Entstehung 2007 gerade einmal (einschließlich diesem) auf zwei Alben gebracht. Das ist tatsächlich schade. Um ein Stück des Fazits vorwegzunehmen: HYPERION müssten sich nicht derart rar machen.
Denn wie ihre neue Veröffentlichung „Elysia“ zeigt, verstehen sich die Schweden bestens auf ihr Genre. Nach dem obligatorischen, jedoch absolut funktionalen Intro-Track „Rapturous Overture“, der direkt mit viel Epik und Düsternis auf das Kommende vorbereitet, machen HYPERION keine Gefangenen. Hochmelodiös und rasant bahnt sich „Nefarious Sacrament Of The Immorals“ seinen Weg durch den Gehörgang. Ausgestattet mit fantastischen Leads, großen Keyboardflächen und einem heroischen Klangmotiv weiß dieser Track sofort zu überzeugen. Gastsänger Lars Johan Marcus (RIKET) macht auf dem Opener ebenso einen großartigen Job. Und Himmel… oder besser Hölle? Diese Leadgitarren…
Wo wir gerade bei Gastauftritten waren: Für „Iliou Persis“ konnten HYPERION niemand Geringeren als GORGOROTH-Sänger Atterigner gewinnen. Das ist gerade für diesen Track eine überaus passende Wahl, ergänzt er doch die rauschenden und zugleich mitreißenden Riffs von Erik Molnar und Joel Hagroth sowie das Schlagzeugspiel von Mauritz Flodin hervorragend. Dass die Schweden dabei nicht in kompositorische Unwucht geraten, liegt vor allem an vielerlei Wendungen und eben dem immensen (durchaus fordernden) Aufgebot an Melodien.
Es ist überhaupt erstaunlich, wie leichtfüßig die Truppe in der Lage ist, einen Zwölfminuter wie „Paraphrosynia“ zu füllen, ohne dass sich Langeweile einstellt oder die Arrangements sich verbrauchen würden. Was hier instrumental wie gesanglich geboten wird, kann man auf ein Wort herunterreduziert mit „Vollbedienung“ beschreiben. Das ist wohl auch dadurch begründet, dass HYPERION keinerlei Angst davor haben, ihr Tempo zu drosseln, wenn der Song es benötigt, oder auch einfach einer Akustikgitarre Platz zu machen, um in ein neues Motiv überzuleiten.
Das Schöne: „Elysia“ löst diese Qualitäten auf seiner gesamten Länge ein. Ob es um den stürmischen Geist von Schweden-Tod und Schwarzmetall geht, wie er mit etwas Progressivität garniert auf „Perennial Transcendence“ zelebriert wird, oder um die anbrandende Tragik, die ein Song wie „Epic Of Tribulation“ mit sich führt, was HYPERION wollen, greift auf ganzer Linie. Denn ob sie nun im klassischsten Sinne fies klingen wollen, oder ob es ihnen tatsächlich um melodiöse Schönheit geht – beides funktioniert innerhalb ihrer Titel vollkommen homogen. Ein kleines Aber gibt es dennoch: Wie erwähnt, alles, was die Band auf ihren neuen Stücken zusammenbringt, wirkt auch. Aber die Schweden sollten darauf achten, dass aus einem reichlichen Angebot, was Melodien und Motive betrifft, kein Überangebot wird. Denn so großartig leise, laut, harmonisch und eruptiv „The Primordial Wellspring“ „Elysia“ schlussendlich beschließt, mit dem letzten wunderschönen Ton ist man dann auch erstmal satt.
Nichtsdestotrotz: Selten hat das Sprichwort „Gut Ding will Weile haben.“ so sehr auf ein Album gepasst wie es bei „Elysia“ der Fall ist. Zehn Jahre zwischen zwei Alben können gerade heute einfach eine zu lange Zeit sein, um im Gedächtnis der übervollen Metal-Kultur zu bleiben. Sollte das bei HYPERION der Fall sein, so ist deren zweites Album ein absolut prägnanter Reminder an eine großartige Band. Mit ihrer Mischung aus melodischem Death Metal, so fiesen wie rasanten Black-Metal-Einschüben und der kleinen Note retrospektiver Keyboard-Epik hat die Formation jedenfalls alle Karten auf der Hand, um längerfristig in Erinnerung zu bleiben.
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Wertung: 9 / 10


