CD-Review: Ahab - The Giant

Besetzung

Daniel Droste – Gesang, Gitarre
Christian Hector – Gitarre
Stephan Wandernoth – Bass
Cornelius Althammer – Schlagzeug

Gastmusiker:
Herbrand Larssen – Gesang

Tracklist

01. Further South
02. Aeons Elapse
03. Deliverance
04. Antartica (The Polymorphess)
05. Fathoms Deep Blue
06. The Giant


AHAB können mit Fug und Recht von sich behaupten, noch kein qualitativ minderwertiges Album veröffentlicht zu haben. Das abgrundtief böse Debüt „The Call Of The Wretched Sea“, das verzweifelte „The Divinity Of Oceans“ und die EP „The Hunt“ – alles Scheiben, die sowohl in der Doom-Szene als auch und vor allem außerhalb äußerst positiv rezipiert wurden. Man munkelt, der Grund, weshalb AHAB mit jeder Veröffentlichung zu überzeugen wissen, sei die perfekt dosierte musikalische Entwicklung. Auch „The Giant“ bringt von dieser wieder einiges mit. Nach den ersten drei Releases, die mit der grob übergreifenden Melville-Thematik schlussendlich doch sehr stark miteinander verknüpft waren, sogar deutlich mehr, als man vielleicht erwartet hätte.

Das beginnt mit dem verstärkten Einsatz von Akustikgitarren, die bereits mit dem Opener „Further South“ eingeführt und später durchaus häufig wieder ausgepackt werden, und endet beim deutlich stärkeren Fokus auf klarem Gesang. Die Zurücknahme der extremen Doom-Momente, so diese denn auf dem Vorgänger überhaupt noch präsent waren, führt bisweilen zu einer regelrecht pittoresken, dabei aber nicht zwingend positiven Atmosphäre. Keinesfalls sind diese Songs so schwarz wie ein „Below The Sun“ oder ein „Tombstone Carousal“, doch harmlos sind sie eben auch keinesfalls, das Unheil wird hier subtiler transportiert. Nach dem komplett auf Tiefsee-Grauen fokussierten „The Call…“ und dem hoffnungslosen, aber immerhin schon an der Wasseroberfläche spielenden „The Divinity…“ hat man mit „The Giant“ nun erstmals das Gefühl, dass Land in Sicht ist. Relativ abwechslungsreich geht es atmosphärisch von exotischen Südsee-Stränden bis hin zu Eisblöcken in der Antarktis und wieder zurück, jeweils treffend betitelt. Dass es sich hierbei aber noch immer um keinen Panorama-Trip handelt, wird durch die hintergründige, unheilvolle Komponente deutlich, die ständig eine Hauch von Grauen in den Melodien mitschwingen lässt – Wenn man als Hörer immer noch ein wenig am Debut-Album hängt, kann einem dies anfangs durchaus Probleme bereiten, musste man hier doch eher wenig zwischen den Zeilen lesen.
Nach einigen Durchläufen kristallisieren sich dann zwar Höhepunkte heraus, die Konsistenz der Vorgänger erreicht die Platte aber dennoch nicht – obwohl der literarische Hintergrund hier natürlich durchaus einige Puzzleteile zum Gesamtbild beisteuert. Manchmal verlieren sich AHAB etwas zu sehr in atmosphärisch undefinierten Momenten, in dem man zwar ebenfalls das Gefühl hat, verloren auf See herumzudümpeln, aber eben nicht unbedingt auf dem Meer des Einfallsreichtums. Dies trifft gerade auch auf die altbekannten Doom-Elemente zu, wenn sie denn doch mal zum Zuge kommen: Wucht und Härte, die die früheren Alben zumindest teilweise auszeichneten, kommen in den Songs nicht mehr wirklich zur Geltung.

Positiv an der Kursänderung ist dennoch festzustellen, dass sowohl die akustische oder zumindest cleane Gitarre als auch der aktiv genutzte klare Gesang sowohl Drostes als auch Larssens sehr zu überzeugen wissen. Und angesichts ziemlich übermächtiger Nummern wie „Antarctica (The Polymorphess)“, „The Giant“ oder „Further South“ kann man auch durchaus von einer gelungenen Weiterentwicklung reden. Das Album klingt, als wäre es ein Zwischenschritt in der Entwicklung hinzu einer noch stärkeren Abwendung vom einstigen Funeral Doom Metal. Man darf gespannt bleiben, alles in allem sind AHAB auch 2012 spannend und vor allem unverwechselbar geblieben.

Bewertung: 8 / 10

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