CD-Review: Ahab - The Boats Of The Glen Carrig

Besetzung

Daniel Droste – Gesang, Gitarre
Christian Hector – Gitarre
Stephan Wandernoth – Bass
Cornelius Althammer – Schlagzeug

Tracklist

01. The Isle
02. The Thing That Made Search
03. Red Foam (The Great Storm)
04. The Weedmen
05. To Mourn Job


Drei Jahre sind seit AHABs drittem Streich, „The Giant“, vergangen. Nun melden sich die Meister (und vielleicht einzigen Vertreter) des „Nautic Funeral Doom“ zurück: „The Boats Of The Glen Carrig“ lautet der Titel ihres neuesten Werkes. Mag das gleichnamige Buch, das diesmal die Grundlage für die Texte bietet, auch nicht so bekannt sein wie der Wälzer über den weißen Wal – Zweifel an neuerlich nautischer Thematik lässt der Titel zumindest keinen.

Der Wandel, den AHAB im Laufe der Jahre durchgemacht haben, ist direkt auf den ersten Blick erkennbar: Zierten die ersten, „Moby Dick“-inspirierten Alben noch pathetische Gemälde, war bereits „The Giant“ mit einem sehr modernen Layout versehen. Das von „The Boats Of The Glen Carrig“ zu behaupten, wäre maßlos untertrieben, mutet das Artwork doch eher wie der eine auf LSD konzipierte Erwachsenenversion von „Findet Nemo“ an. Davon sollten sich Fans jedoch nicht abschrecken lassen, denn, soviel sei vorweggenommen: All zu abgefahren geht es auf „The Boats Of The Glen Carrig“ trotz der im Bereich der Horrorliteratur anzusiedelnden Geschichte von William Hope Hodgson als Textgrundlage zumindest musikalisch nicht zu: Ähnlich „The Giant“ beginnt auch AHABs viertes Album mit sanften Cleangitarren, zu denen sich nach einiger Zeit Klargesang gesellt, bevor die Distortion-Gitarren und Drostes einmalig tiefer Growlgesang einsetzen. An dieser Konzeptionierung ändern AHAB auch über den Verlauf von „The Boats Of The Glen Carrig“ wenig.
Dennoch klingt das Album von seiner Grundstimmung her anders als der Vorgänger: Zunächst fällt der etwas trockenere, puristischere Sound auf, der vor allem daraus resultiert, dass sämtliche Instrumente mit einer Spur weniger Hall belegt sind und das Album insgesamt etwas knackiger klingen lässt. Doch auch musikalisch gehen AHAB weniger verspielt zu Werke als zuletzt. Während der späte Cleanteil im Opener in seiner Natürlichkeit auch von Sólstafir auf Valium stammen könnte, lassen derade die bisweilen deutlich derberen Riffs in den harten Passagen an Vergleichsbands wie Valborg oder auch Isis denken. So klingt gerade die fast schon rockige Midtempo-Nummer „Red Foam (The Great Storm)“ insgesamt eher nach Death-Doom denn nach dem bisher zelebrierten Funeral Doom. Wer sich all zu sehr an die verträumten AHAB von „The Giant“ gewöhnt hat, könnte hier etwas Eingewöhnungszeit brauchen, klingt das Album doch im Gegensatz zu seinem extrem aufpolierten Vorgänger insgesamt etwas roher und ungezähmter.

Mit „The Boats Of The Glen Carrig“ rudern AHAB vielleicht ein paar Schläge zurück, aber nur, um anschließend in neuen Fahrwassern erst so richtig an Fahrt aufzunehmen: Ohne viel Melancholie einzubüßen, klingt das Album wieder düsterer als seine beiden Vorgänger und ist dennoch alles, nur kein Versuch eines zweiten „The Call Of The Wretched Sea“: Von ihren Wurzeln im Funeral Doom waren AHAB wohl noch nie so weit entfernt – und doch lässt keiner der Songs Zweifel daran aufkommen, wer dahintersteckt. All das sollte Fans nicht verschrecken, sondern allenfalls neugierig machen. Denn auch, wenn es keines der Alben ist, die man vom ersten Hördurchgang weg als Krönung des bisherigen Schaffens einer Band einstufen würde, hat das Werk doch einiges Potential, das zweifelsohne mit jedem Hördurchgang weiter zur Entfaltung kommt.

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: