Interview mit Daniel Droste von Ahab

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 23 der Serie unterhalten wir uns mit Daniel Droste, Gitarrist von AHAB.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Angefangen habe ich mit 14 Jahren.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Mein Interesse an Rock- und Metal-Musik war letztendlich  ausschlaggebend, insbesondere Guns N‘ Roses habe ich damals rauf und runter gehört. Ich schwankte Anfangs noch zwischen Schlagzeug und E-Gitarre, letztere schien mir aber letztendlich die praktischere Wahl zu sein.

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt (erlernen müssen)?
Ich hatte zunächst in jungen Jahren musikalische Früherziehung und im Anschluss viele Jahre Block- und Altflöte gelernt. Parallel dazu hatte ich viele Jahre Klavierunterricht. Ich wurde seitens meiner Eltern diesbezüglich nie zu etwas gezwungen und ging eigentlich auch immer gern zum Unterricht. Die regelmäßigen Vorspiele der Musikschule empfand ich jedoch vor allem am Klavier stets als nervig und überflüssig, da die Zuhörer ausschließlich Eltern waren die logischerweise nur kamen, um ihr Kind spielen zu hören.

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Meine erste Gitarre war eine schwarz-weiße Stratocaster Kopie die, wenn ich mich recht entsinne, damals ungefähr 300 DM kostete, an den Hersteller erinnere ich mich nicht mehr.

Wie viele Gitarren besitzt du?
Aktuell besitze ich sechs Gitarren. Eine Cheri Powerstrat, eine Gibson Les Paul Standard, eine Studio und eine Explorer. Zudem eine japanische DMC Stratocaster und eine JV Squier Stratocaster SST57.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Mein Hauptinstrument ist aktuell eine 1996er Gibson Les Paul Standard . Wenn wir nicht fliegen, ist diese Gitarre immer mit dabei. Für Flugreisen habe ich eine 2004er Les Paul Studio von Gibson im Gepäck. Diese Gitarre war vor der Standard mein Hauptinstrument, bis sie mir im Proberaum mal aus dem Ständer viel, was einen großen Riss zwischen Hals und Kopf zur Folge hatte. Ein Gitarrenbauer hat das zwar wieder super hinbekommen, den Restwert der Gitarre hat es jedoch auch verringert. Eventuelle Beschädigungen auf Flugreisen oder gar ein Verlust würden mich bei dieser  Gitarre nicht so sehr treffen, als es bei meinem aktuellen Hauptinstrument der Fall wäre.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Von der technischen Seite habe ich ehrlich gesagt wenig Ahnung. Wenn mir der Klang zusagt und ich mit dem Instrument spielen kann und zu guter letzt noch die Optik passt, bin ich zufrieden.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Ich würde definitiv behaupten, eine Bindung zu meinen Instrumenten zu haben, gerade das macht es ja so schwierig sich von ihnen zu trennen. Die Explorer beispielsweise nehme ich nur noch selten in die Hand, da sie schlicht ein großes und schweres Instrument ist. Ich habe schon des Öfteren mit dem Gedanken gespielt sie zu verkaufen, es aber bislang nicht übers Herz gebracht. Mit der Gitarre wurde „The Call Of The Wretched Sea“ eingespielt und ich spielte sie auf unseren ersten Live Shows. Zudem war diese Gitarre mein erstes gutes Instrument, welches für mich nach wie vor gut klingt und sich sehr gut spielt. Dennoch sollten Instrumente auch regelmäßig benutzt werden, sollte also jemand Interesse an einer 99er Gibson Explorer mit Vorgeschichte haben darf er mich gerne kontaktieren (lacht).

Mein aktuelles Lieblingsinstrument ist die JV Squier. Diese Gitarren aus der Japan Vintage Serie haben im übrigen nichts mit den heute erhältlichen Squier Gitarren gemein. Auf meiner Suche nach einer Stratocaster stieß ich 2018 auf einen Sammler japanischer Fender Gitarren. Nach einigen Telefonaten vereinbarten wir schließlich einen Termin, ich war dermaßen gespannt auf seine Sammlung dass ich die 400km Anfahrt ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nahm. Nachdem ich dort in sechs Stunden 30 bis 40 Gitarren in der Hand hatte, musste ich diese unbedingt haben. Ein seltenes Instrument aus der Fujigen Fabrik welches mittlerweile 37 Jahre auf dem Buckel hat, sich super bespielen lässt und einfach wunderbar klingt. Obwohl diese Gitarre in ihrem jetzigen Zustand als Hauptinstrument für AHAB gänzlich ungeeignet ist möchte ich sie nicht mehr hergeben. Ich werde sie auch definitiv im Originalzustand belassen, vielleicht wird sie ja bei kommenden Aufnahmen im Studio zum Einsatz kommen.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen, oder ist es sowieso ein Custom-Modell? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Diese Gitarre werde ich, wie bereits erwähnt, im Originalzustand belassen. Meine DMC Strat plane ich in Zukunft auch für AHAB zu benutzen. Da wir auf C-Standard gestimmt haben, wurden hier stärkere Saiten aufgezogen, zudem muss der Singlecoil am Steg demnächst einem Mini Humbucker weichen.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Ich hatte bereits die Möglichkeit im Framus Werk Devin Townsends Mayfield Custom zu testen, eine Gitarre von welcher in dieser Ausführung wohl nur zwei weltweit existieren, das war schon sehr cool. Zudem würde ich Martin Schirencs Telecaster gerne mal aus der Nähe betrachten, weil ich sehr neugierig bin, welche Pickups in dieser verbaut sind.

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Bezüglich Plektren bin ich relativ anspruchslos. Ich habe lange diese grauen Dunlop USA Nylon in 0,88 mm bevorzugt, welche ich nach wie vor nutze, da ich noch einige zuhause habe. In letzter Zeit nehme ich auch hin und wieder mal etwas stärkere Plektren in die Hand. Gerade bei den percussiven Strat-Modellen bilde ich mir ein, damit noch einen Tick dynamischer spielen zu können.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich spiele seit längerem ein Orange Rockerverb 100 MK1, ein toller zuverlässiger Amp mit Charakter im Zerrkanal. Ich habe zudem einen Sovtek mig100, den ich bei Proben ebenfalls spiele und auch liebend gerne mal mit auf die Bühne nehmen würde. Ich habe aber bislang noch kein Zerrpedal gefunden, welches dem Klang des Rockerverb das Wasser reichen kann. Den Orange AMP nehme ich grundsätzlich mit wenn wir nicht fliegen, sollte ich das gleiche Modell gestellt bekommen, würde ich den Amp aber auch zuhause lassen.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Bis vor ein paar Jahren nutzte ich noch ein Boss Gt8. Multieffektboards haben durchaus ihre Vorzüge. Sie sind leicht, kompakt und haben in der Regel alle gängigen Effekte an Bord. Die Fummelei in irgendwelchen Untermenues  fand ich allerdings immer sehr unkomfortabel. Zudem habe ich absolut keine Lust Anleitungen zu studieren, somit konnte ich vermutlich das Potential des Gt8 nie ganz ausschöpfen. Durch Einzeleffekte kann ich mein Board individueller zusammenstellen und Sounds schneller anpassen. Ein Loopswitcher ist zur Bedienung der Effekte für mich zwingend erforderlich. Ich spiele Gitarre und singe , zudem ist es auf der Bühne meist dunkel, ich trage eine Brille die häufig beschlägt, habe oftmals Haare im Gesicht und spiele daher häufig im Blindflug. Müsste ich zusätzlich um meine Sounds zu wechseln noch mehrere Schalter mit dem Fuß betätigen, würde das im Chaos enden.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Mein Gitarrensignal geht zunächst in ein Ernie Ball jr. Volume Pedal , von dort aus in einen G-Lab Gsc drei Loop Switcher dessen sechs Loops wie folgt belegt sind: Ein Maxon Od 808, KMA Logan, FX Send/Return AMP, MXR Phase 90, Strymon Timeline und Strymon Bigsky. Alle Kabel welche das Board verlassen gehen durch eine Patchbox von Looperwerk zum Amp.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Mein Zerrsound entsteht fast ausschließlich aus dem Rockerverb und wird lediglich für Solos durch das Maxon etwas geboostet. Sollte dieser Amp zur Verfügung stehen würde meine Wahl vermutlich ein Strymon El Capistan sein.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt, als eigentlich vorgesehen, oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Von Technik habe ich keine Ahnung, daher habe ich noch nichts selbst zusammengelötet. Ansonsten nutze ich alle Geräte ganz standardmäßig.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Noisegates habe ich früher benutzt weil ich dachte, es wäre erforderlich. Ich habe aber seit Jahren keines mehr auf dem Brett. Feedback lässt sich auch ganz gut ohne kontrollieren, zudem darf es bei einer Doomband ruhig mal ein wenig dröhnen, wie ich finde.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Kleinigkeiten werden eigentlich ständig geändert, wobei ich mit den Pedalen die ich aktuell spiele sehr zufrieden bin. Ich plane mir demnächst einen Looper mit mehr Eingängen zuzulegen, da wird dann mit Sicherheit noch das ein oder andere Teil dazukommen.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Ich kaufe mittlerweile fast nur noch gebrauchtes Equipment. Wenn man etwas Zeit mitbringt findet man in der Regel was man sucht zu einem vernünftigen Preis. Trotzdem würde ich vor allem Instrumente niemals ungesehen kaufen und immer ausprobieren wollen.


Im nächsten Teil der Serie kommt Sebastian Ramstedt von NECROPHOBIC zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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