Ahab - The Coral Tombs

Review Ahab – The Coral Tombs

  • Label: Napalm
  • Veröffentlicht: 2023
  • Spielart: Doom Metal

Fragt man nach den wichtigsten Romanen mit nautischer Thematik, würden „Moby Dick“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ wohl mit amhäufigsten genannt. Umso verwunderlicher ist es, dass AHAB als führende Institution im „Nautic Doom Metal“ zwar auf Melvilles Werk ihre Karriere aufgebaut, sich aber erst jetzt – 18 Jahre und vier Alben später – dem Opus von Jules Verne angenommen haben. Acht volle Jahre nach ihrem letztem Werk „The Boats Of The Glen Carrig“ begeben sich die Heidelberger mit „The Coral Tombs“ endlich auf die Spuren von Kapitän Nemo und Professor Pierre Aronnax.

Dessen Abstieg in die Tiefe ist dann auch gleich Titel und Thema des Openers, „Prof. Arronax’ Descent Into The Vast Oceans“, der – man kann es nicht anders sagen – banduntypischer kaum sein könnte: Der brachiale Post-/Sludge-Metal-Einstieg im Stile von Bands wie Phantom Winter oder Ultha hat durchaus das Potenzial, langjährige Fans zu verunsichern, ob hier wirklich die Doom-Metaller AHAB zu hören sind – zumal das rohe Screaming zu diesem fulminanten Auftakt tatsächlich (auch) von Ultha-Fronter Chris Noir kommt. Brutaler und wilder hat man AHAB noch nicht gehört – da kann man Aronnax nur Seetüchtigkeit wünschen.

Doch wie man sich den Abstieg in einem U-Boot so vorstellt, wird es unter den sturmgepeitschten Wogen schnell ruhig: Noch in diesem ersten Stück kehren AHAB alle Elemente in ihr Gegenteil – statt Doublebass gibt es sachte Becken, statt fieser Zerre Cleangitarre, statt Screaming getragenen Klargesang. Dass der Song irgendwann unvermittelt ausgefadet wird, wirkt etwas unbeholfen – und doch ist „Prof. Arronax’ Descent Into The Vast Oceans“ ein erster Track, der großes verspricht.

Tatsächlich bleibt es bei diesem einen wilden Aufbäumen, während AHAB über den Rest der insgesamt gut 60 minütigen Spielzeit eher das zu bieten haben, was Fans erwartet hätten: Düsteren Doom-Metal mit entschleunigtem Riffing, Slow-Motion-Drumming und dem bereits von den letzten Alben bekannten Wechselspiel aus melancholischem Klargesang und den vielleicht tiefsten Growls der Welt: Während die erste Albumhälfte eher die wuchtige Seite des AHABschen Dooms hervorkehrt, wagen sich die Heidelberger mit dem von Cleangitarren und Klargesang dominierten Titeltrack„A Coral Tomb“ in extrem ruhige Gefilde vor, ehe es über „Ægri Somnia“ langsam aber sicher dem finalen „Mælstrom“ entgegengeht. Der Song, in dem neben Daniel Droste auch Greg Chandler (Esoteric) zu hören ist, wird seinem Titel auch musikalisch gerecht: Unaufgeregt, aber auch unbezwingbar bringt er „The Coral Tombs“ wie schon „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu seinem unabwendbaren Ende.

Anders als die ersten Takte glauben machen, bleiben sich AHAB auf ihrem fünften Album im Großen und Ganzen doch treu. Als größte Entwicklung gegenüber früheren Werken lässt sich festhalten, dass Daniel Droste mehr denn je seiner klare Stimme vertraut – und das völlig zu Recht, hebt das allein die Songs doch in Sachen Melodik und Melancholie auf ein ganz neues Level und sorgt dafür, dass „The Coral Tombs“ ohne Zweifel das vielseitigste Album der Nautic Doomer geworden ist. Wer düster-schlammigen Doom-Metal sucht, ist fraglos mit den Frühwerken des Quartetts besser beraten – allen anderen sei „The Coral Tombs“ dringend ans Herz gelegt.

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Wertung: 8.5 / 10

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