Spielt man nicht gerade in der Liga von IRON MAIDEN und Co., können sechs Jahre ohne neues Album schnell das Ende für eine Band bedeuten. Besonders, wenn dazu auch noch diverse Besetzungswechsel kommen. ALL THEM WITCHES scheinen die Turbulenzen der letzten Jahre seit dem 2020er-Album „Nothing As The Ideal“ aber mühelos weggesteckt zu haben. 2021 kam der erst 2018 ausgestiegene Keyboarder Allan Van Cleave zurück und vervollständigte das Quartett so wieder, bevor 2024 Drummer und Gründungsmitglied Robby Staebler die Band verließ. Im Nachgang stellte sich heraus, dass dieser Ausstieg nicht im Guten verlief. Mit neuem Drummer und neuer Energie, melden sich ALL THEM WITCHES aber nun mit dem neuen Album „House Of Mirrors“ zurück.
Ähnlich wie auch ELDER (die am selben Tag ihr neues Album „Through Zero“ veröffentlichen) haben sich ALL THEM WITCHES im Laufe ihrer Karriere weit von ihren Stoner-Wurzeln entfernt und sich eine eigene Nische irgendwo zwischen Retro-Rock, Psychedelic, Blues und Americana erspielt. Daran hat sich auch sechs Jahre nach dem letzten Studioalbum nichts geändert, vielmehr machen ALL THEM WITCHES genau da weiter, wo sie aufgehört haben, höchstens mit noch etwas mehr düsteren Americana-Elementen.
Daher ist es nur passend, dass „House Of Mirrors“ mit einer eindringlichen Neuinterpretation des Bluegrass-Klassikers „Red Rocking Chair“ beginnt, dessen Mischung aus schweren, doomigen Riffs und einer gespenstischen Atmosphäre direkt ein erstes Ausrufezeichen setzt. Der stärkere Fokus auf amerikanische Folk-Elemente steht dem Quartett gut, etwa wenn in „Aethernet“ eine staubige Blues-Gitarre und ein Tamburin den Song tragen oder „The Welterweight“ zwischen Psychedelic und Düster-Folk-Rock pendelt.
„The Welterweight“ ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie sehr ALL THEM WITCHES und damit auch „House Of Mirrors“ vom Duo Charles Michael Parks Jr. und Ben McLeod getragen werden. Parks warme Stimme steht immer deutlich im Vordergrund, füllt den ganzen Raum, während McLeod das passende Fundament aus mal sanften, mal wilden Riffs liefert. Allein wie gut Gesang und Gitarre in „Turn On The Light“ harmonieren, ist ein großer Genuss, was sicherlich auch an der klaren, ausbalancierten Produktion liegt.
Aber auch ihre wilde Seite lassen ALL THEM WITCHES immer wieder von der Leine. „Starting Line“ beginnt ruhig, baut die Spannung langsam auf und gibt dann massiven Doom-Riffs Raum, während „Angel On The Wayside“ einfach nur grandios nach vorne geht und mit fetten Riffs aufwartet. Einen leichten Dämpfer bekommt die Euphorie über „House Of Mirrors“ durch die Ziellosigkeit von „Go-Getter“ und „Culling Line“. Beide Stücke plätschern mehr oder weniger vor sich hin, verlieren sich in Psychedelic-Ausflügen und wissen nicht so ganz, wo die Reise hingehen soll.
ALL THEM WITCHES liefern mit „House Of Mirrors“ ein starkes Zeichen dafür ab, dass trotz langer Albumpause und Besetzungswechsel nach wie vor mit ihnen zu rechnen ist. Der Band gelingt es, das Songwriting zu straffen, schneller zum Punkt zu kommen und dennoch ihre unverwechselbare Varianz an Einflüssen und Stilen beizubehalten. Besonders gut stehen ALL THEM WITCHES die stellenweise eingestreute geisterhafte Atmosphäre und die Einflüsse von düsterem Americana, wovon man in Zukunft gerne mehr hören möchte.
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Wertung: 8 / 10


