Der Markt für die eher ruhigen, ätherischen Klänge ist nach wie vor ein funktionierender. CHELSEA WOLFE, AGNES OBEL, KARIN PARK, EIVØR oder ENYA beweisen das immer wieder, und gerade in den letzten Jahren könnte man meinen, erlebt dieser musikalische Stil einen kleinen Boom. Teresa Marraco aka ANTINOË ist ein relativ neuer Name in dieser Sparte. Zwar hat die Künstlerin bereits mit einigen relativ bekannten Bands aus der Black- und Doom-Metal-Szene zusammengearbeitet – etwa mit BALMOG oder den ebenfalls kürzlich hier besprochenen SUN OF THE DYING –, ganz für sich legt ANTINOË mit „The Fold“ allerdings erst ihr reguläres Debüt vor.
Dass sie dabei jedoch keinesfalls unbedarft ans Werk geht, belegt ihr 2023 erschienenes Cover-Album „Whispers From The Dark Past“, auf dem sie unter anderem Klassiker von DIMMU BORGIR, EMPEROR und ULVER in ihr eigenes Soundgewand kleidete. Dieses erwähnte Gewand besteht bei ANTINOË vorwiegend aus getragenen Klavierarrangements, die regelmäßig durch mehrstimmigen Gesang und Ambient-Layer verdichtet werden.
So erinnert das Klavier auf „Night Falls“ ein wenig an SHINING, worauf sich jedoch direkt eine düstere Streicheratmosphäre aufbaut, die von ENYA’esken Gesängen unterstützt in das folgende „The Devil’s Voice“ überleitet. Zwar verbleibt ANTINOË hier auf dem eingeschlagenen Weg, ist aber in der Lage – besonders durch viel Bewegung im Piano – ein gewisses Tempo in den Song zu bringen. Dessen melancholischer Ausklang ist da nur konsequent. Bemerkenswert ist, mit welcher Intensität die Künstlerin Melancholie mit Düsternis zu verbinden vermag („Turn To Dust“) und gleichzeitig eine gewisse Erhabenheit in Szene setzt („Light Bringer“).
Die Verortung nahe Doom und Black Metal kommt indes auch nicht von ungefähr. Das ein oder andere Stück – hier beispielsweise „Threshold“ – erinnert in seinem energetischen und unheilvollen Spiel an den (ehemaligen) Tastenmeister Mustis (DIMMU BORGIR). Allerdings nicht durch mangelnde Kreativität, sondern im besten Sinne. Wie nahe die Spanierin dabei ihren Inspiratoren ist, stellt keinen Nachteil dar, sondern zeugt von einem ausgeprägten Gefühl für die Materie. Das traurige „Chaos In The Skyway“ setzt demgegenüber einen dramatischen wie einfühlsamen Kontrast, der für diese Art von Musik fast eingängig daherkommt, was nicht zuletzt der starken gesanglichen Performance von ANTINOË zuzuschreiben ist.
Ein „Nachteil“ von „The Fold“ (wenn man es denn als solchen sehen will) besteht darin, dass es sich bei den Stücken von ANTINOË um absolute Stimmungsmusik handelt. Es braucht im Inneren wie im Äußeren die richtigen Umstände, um vollends in die düsteren Klangwelten von Teresa Marraco eintauchen zu können. Was „The Fold“ jedoch absolut eindringlich verdeutlicht, ist, wie dünn mitunter die Grenze zwischen extremer Musik und dem intimen Moment von Ambient- und Akustikkulissen sein kann. Und sollte dies die Maßgabe für das Debüt von ANTINOË gewesen sein, kann man nur gratulieren, denn das ist voll und ganz aufgegangen.
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Wertung: 7.5 / 10


