CD-Review: Avast - Mother Culture

Besetzung

Hans Olaf - Gesang, Bass
Ørjan Kristoffersen Lund - Gitarre
Trond Salte - Gitarre
Stian Steensnæs - Schlagzeug

Tracklist

1. Mother Culture
2. The Myth
3. Birth Of Man
4. The World Belongs To Man
5. An Earnest Desire
6. Man Belongs To The World


Was Post Black Metal gelingen sollte, ist das Erschaffen von wuchtigen Klangwelten. Klangwelten, die den Hörer so sehr vereinnahmen, dass dieser während der Laufzeit der Platte kaum ansprechbar wirkt. Die norwegischen Herren von AVAST werfen mit „Mother Culture“ nun ihr Debüt in den Ring für einen der vordersten Plätze in eben jener Disziplin.

Anders als gewohnt bestehen AVAST nicht aus vier Musikern, deren Namen oder zumindest Pseudonymen bereits in allerlei anderen Kapellen auftauchen. Stattdessen agieren die vier Herren als unbeschriebene Blätter in einem recht umkämpften Genre; Deafheaven, Ghost Bath, Harakiri For The Sky – die Liste der aktuellen Trendbands ließe ganze Absätze füllen.

AVAST schaffen es überraschenderweise, sich abzugrenzen. Überraschend deswegen, weil der Zauber des Genres auch zugleich seine größte Eingrenzung darstellt: Überlange Songs mit der gewissen Hypnotik dank stetiger Motivwiederholung. Die einen Bands riffen minutenlang unter einem wuchtigen Schlagzeug-Getöse und schreien sich dabei die Seele aus dem Laib, andere Kapellen unterbrechen dieses wilde Keifen ab und an mit wohl platzierten entschleunigenden Momenten.

Auf „Mother Culture“ gehen AVAST wie die zuletzt genannten Bands vor, allerdings umgekehrt, da (zumindest gefühlt) die melodisch-verträumten, ruhigeren sowie atmosphärischen Parts den harscheren in ihrer Minutenzahl überlegen sind. Und das erstaunlich gut, wie sich schon im Outro des ersten, titelgebenden Songs zeigt.

Gefolgt vom Instrumental „The Myth“, welches mit einer gekonnten Steigerung überrascht, verdeutlichen AVAST vor allem eines: Sie zeigen auf ihrem Debüt nicht nur die ersten Versuche, sondern gleich die gelungenen Umsetzungen von einnehmenden Motiven. Zwar erfinden die Norweger das Rad bzw. die Trademarks des Genres nicht neu, aber sie wissen geschickt damit zu fahren bzw. diese auf ihre Art zu interpretieren.

Auf ihrem Debüt verbinden AVAST das typisch straighte Riffing des Black Metals mit dem Fingerspitzengefühl, den Songs in den passenden Momenten Raum zur Entfaltung zu geben. Dadurch bietet „Mother Culture“ einen Abwechslungsreichtum, die auf manchen Post-Black-Metal-Alben etwas zu kurz kommt; der mitunter eintönige Wechsel zwischen langsameren Momenten und den kraftvollen Ausbrüchen stellt auch auf diesem Debüt das musikalische Fundament der Norweger dar, nur unterhaltsamer miteinander verbunden.

Wer eine Post-Black-Metal-Band für sich entdecken möchte, die – kommerziell betrachtet – ein Dasein noch fernab der namenhaften Vertreter fristet, findet sein Glück bei AVAST!

Bewertung: 7.5 / 10

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