CD-Review: Batushka - Panihida

Besetzung

Krzysztof Drabikowski - Gitarre, Bass
Restliche Besetzung unbekannt

Tracklist

01. Pecn' 1
02. Pecn' 2
03. Pecn' 3
04. Pecn' 4
05. Pecn' 5
06. Pecn' 6
07. Pecn' 7
08. Pecn' 8


Der bisherige Werdegang der polnischen Black-Metaller BATUSHKA kann ohne Übertreibung als abenteuerlich bezeichnet werden. 2015 veröffentlichte die Gruppe mit „Litourgiya“ ein unsagbar starkes Debüt – und das vollkommen anonym. Durch dieses Album und die beeindruckenden Live-Shows der Band versammelten BATUSHKA schnell und verdientermaßen eine große und begeisterte Hörerschaft um sich. Ende 2018 kam es dann zum Bruch zwischen den nun nicht mehr ganz so anonymen Mitgliedern Bartłomiej Krysiuk (Gesang) und Krzysztof Drabikowski  (Gitarre, Bass), die beide die Rechte an der Band jeweils für sich beanspruchen. Inmitten dieses Streits, der mittlerweile auch gerichtlich ausgefochten wird, veröffentlicht Kryzysztof Drabikowksi nun mit „Panihida“ ohne große Ansage seinen Nachfolger zu „Litourgiya“.

Bereits der Vergleich des Vorab-Songs „Pecn‘ 1“ (die Tracklist funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die von „Litourgiya“) mit dem von Bartłomiej Krysiuk und seiner BATUSHKA-Version ins Rennen geschickten Song „Chapter I: The Emptiness – Polunosznica“ verdeutlichte, dass Drabikowskis BATUSHKA-Fortführung (alias Батюшка) deutlich stärker den Spirit des Debüts atmet. Dies ist ein Eindruck, der sich auf „Panihida“ fortlaufend bestätigt, und zwar nicht nur in stilistischer, sondern erfreulicherweise auch in qualitativer Hinsicht.

Alles, was man an „Litourgiya“ hatte und schätzte, findet sich auch auf „Panihida“ wieder. Das Wechselspiel zwischen imposanten liturgischen Chören und garstigen Screams, beides abermals in altslawischer Sprache, wird gewohnt stimmig dargeboten und durch atmosphärische Riffs und Melodiebögen untermauert, die der Musik abermals eine gewisse, ganz besondere Schönheit verleihen und erneut so manche „reine“ Black-Metal-Band alt aussehen lassen. All zu weit bewegen sich BATUSHKA im Vergleich zu „Litourgiya“ also nicht von der Stelle, das macht aber nichts, denn „Panihida“ verdeutlicht auf jedem der acht Songs, dass Drabikowski die guten Ideen innerhalb des eigenen stilistischen Rahmens noch längst nicht ausgegangen sind. Da genügen kleine Abweichungen wie vergleichsweise tiefe Screams, die etwa auf „Pecn‘ 3“ zu hören sind, oder der behutsame, stimmungsvolle Aufbau bis zum musikalischen Ausbruch in „Pecn‘ 5“ dann auch vollkommen, um den abermals hervorragenden Gesamteindruck zu vervollkommnen.

Die stilistische Ähnlichkeit zu „Litourgiya“ nimmt der Platte und ihren Songs nichts von ihrer Existenzberechtigung – im Gegenteil: Bereits mit „Pecn‘ 2“ stellen BATUSHKA nicht nur ihre bisher längste, sondern auch eine ihrer bislang stärksten Nummern vor. Im Gegensatz zum bedrohlich-schleppenden, teilweise schon leicht unheimlich klingenden Album-Einstieg legt der über siebeneinhalb Minuten lange Song zu Beginn ein hohes Tempo vor, ohne etwas von seiner Anmut einzubüßen. Die auf „Pecn‘ 1“ noch spärlich eingesetzten Screams entfalten sich nun in all ihrer Intensität, und wenn die Energie dann im Mittelteil in eine fast schon erlösende und ausführliche Akustik-Passage mündet, tut sich damit ein atmosphärischer Höhepunkt auf, dessen Grundidee nicht neu ist, der sich so stimmig aber wahrlich nicht auf jedem Album ausmachen lässt. Doch auch wenn gewissermaßen das Herzstück der Platte schon an zweiter Stelle platziert ist, bietet „Panihida“ noch vieles mehr. Um das festzustellen, ist es fast egal, welchen Song man herauspickt, insbesondere „Pecn‘ 3“ und „Pecn‘ 6“ erinnern aber ebenfalls eindrucksvoll daran, wofür der Hörer BATUSHKA seit dem Debüt schätzt. Auch für dieses Album gilt jedoch, dass es am besten als Gesamtwerk funktioniert.

Naheliegenderweise kann „Panihida“ nicht mehr ganz den Überraschungseffekt hervorrufen, den das Debüt mit sich brachte. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass BATUSHKA unter der Führung von Kryzysztof Drabikowksi ein weiteres Meisterwerk gelungen ist, welches den Stil des Debüts konsequent fortführt und ihm in nichts nachsteht. Es wird sich zeigen müssen, welche Impulse Bartłomiej Krysiuk mit „Hospodi“ hinzufügen kann. Doch egal, auf welche Seite man sich im Streit der Beiden Musiker stellt, so man es für nötig erachtet, Partei zu ergreifen: Mit „Panihida“ steht bereits jetzt fest, dass Drabikowski nicht auf Krysiuk angewiesen ist, um BATUSHKA fortzusetzen.

Bewertung: 9 / 10

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