Review Belialed – The Echoless Chasm

  • Label: Eigenproduktion
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Was es bedeutet, wenn jemand oder etwas „verteufelt“ wird, ist klar. Nicht ganz auf den ersten Blick ersichtlich hingegen ist, was es wohl bedeutet, wenn jemand „verbelialt“ wird – oder im Englischen eben BELIALED, das (nicht existente) Verb „to belial“ vorausgesetzt. Als Partizip verstanden könnte es jedenfalls etwas wie „Er wurde von Belial verdorben/besessen/gezeichnet“ bedeuten, und so in etwa dürfte auch die Intention der Truppe aus Porta Westfalica gewesen sein, als sie 2021 ihrer Band diesen Namen gaben. Mit „The Echoless Chasm“ erscheint nun jedenfalls – nur zwei Jahre nach dem Debüt „Beyond Resigned“ – deren zweites Album.

Während das Debüt gerade einmal knapp 30 Minuten umfasste, haben sich BELIALED für ihr zweites Werk mehr Zeit auserbeten: Etwas über 50 Minuten lang läuft „The Echoless Chasm“. Ansonsten bleiben sich BELIALED, wie bei der wenigen seit dem letzten Release verstrichenen Zeit kaum anders zu erwarten, in allen Belangen treu.

Der schon auf dem Debüt absolut stimmige Sound wurde noch etwas verbessert – und klingt für eine Eigenproduktion nun wirklich sehr rund. Stilistisch haben BELIALED nach wie vor melodischen Black Metal im Programm, der sich durch ausladende Melodiebögen und gezogene Screams definiert, durch eine gewisse Bösartigkeit insbesondere im Gesang aber nie in „Post-Metal-Verdacht“ gerät. Mehr als einmal gelingt es BELIALED, schon beim ersten Hören direkt in den Song zu ziehen und die Nackenmuskeln zucken zu lassen.

Wie bereits auf dem Debüt nutzen BELIALED auch diesmal Cleangitarren-Parts, um den ansonsten recht gleichförmigen Fluss an Zerrgitarren-Shredding zu unterbrechen – in „Haunted Ruins“ gibt es zudem sogar eine Leadgitarre, die fast als Solo durchgeht, zu hören. Das hilft, kann aber doch nicht ganz kaschieren, dass der stilistische Korridor, in dem BELIALED unterwegs sind, in etwa so breit ist wie die Schlucht auf dem ansonsten wirklich stimmungsvollen Albumcover. Dass sich BELIALED zum Abschluss mit „Dornenwald“ noch an einen deutschen Text wagen, ist eine schöne Überraschung: Es ist beachtlich, wie stark sich die andere Textsprache auf die Atmosphäre des Songs auswirkt.

BELIALED schreiben in sich schlüssige Songs, die mit mehr Raffinesse überzeugen als die meisten anderen Bands aus dem eher truen Eck des (deutschen) Black Metal. Um über mehr als 50 Minuten durchweg zu begeistern, reicht das zwar noch nicht ganz, im zweiten Drittel fällt die Spannungskurve doch merklich ab. Songs wie „Invoke The Elements“ oder das finale „Dornenwald“ zeigen aber, wozu BELIALED fähig sind. Mit etwas mehr Mut zu Abwechslung und zunehmender Erfahrung im Songwriting könnten BELIALED mit dem dritten Album nochmal einen Sprung machen – aber auch jetzt legt die Band ein ordentliches Zeugnis darüber ab, dass nicht nur namhafte Bands hörenswerte Alben schreiben können.

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Wertung: 7 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

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