Die Independent-Computerspiel-Szene bietet viel Spannendes: Wenn auch mit deutlich weniger Budget als große Studioproduktionen à la „Cyberpunk 2077“ ausgestattet, überzeugen die kleineren Produktionen oftmals durch spannende, neuartige Spielkonzepte anstatt durch High-End-Grafik. Weniger spannend ist allerdings in vielen Fällen die Musik – was sicherlich auch an den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln liegt. Umso schöner, wenn man hier positiv überrascht wird.
Im neuen Action-RPG (Role-Playing Game) „Dinoblade“ schlüpft der Spieler in die Rolle eines jungen, mit Riesenschwert bewaffneten Spinosauraus, der sich durch eine durch ein kataklysmisches Ereignis für immer veränderte prähistorische Welt metzelt. So weit, so skurril – was aber schon beim Antesten auf Steam positiv auffällt, ist die Musik: Irgendwo zwischen Metal- und Deathcore, Djent, orchestralen Pomp und Industrial(-Metal) sorgen die acht Tracks erfolgreich dafür, dass der Spieler auch akustisch adäquat vermöbelt wird.
Das Entwicklerteam konnte den Produzenten und Multiinstrumentalisten Johannes Westenrieder alias BLUE JO KELPIE für den Soundtrack verpflichten – und der macht keine halben Sachen. Der Opener „The Tyrant“ zeigt, wohin die Reise geht: Atmosphärisch-orchestrale Passagen mit mächtigen Bläsern und groovigen Percussion geben sich mit tiefgestimmten Gitarrenbrettern, fetten Synthbässen und technischen Double-Bass-Drum-Patterns die Klinke in die Hand. Das funktioniert ausgezeichnet und macht Lust auf mehr.
Besonders unterhaltsam wird das Ganze, wenn BLUE JO KELPIE die genannten Gefilde verlässt und auch andere Elemente in die jeweils um die dreieinhalb Minuten langen Stücke integriert: Beispiele hierfür wären das beinahe MESHUGGAH-eske Gitarrensolo in „The Titan“, der Koto-(ein japanisches Saiteninstrument)Part in „The True Form“ oder auch der beinahe TOOL-ische Mittelteil in „The Ice King“. Gerade diese Variationen sorgen für Abwechslung im ansonsten recht stringenten und schnörkellosen Songwriting.
Dass die ausschließlich instrumentale Musik im Songkontext funktioniert, obwohl sie initial loopbar arrangiert werden musste (immerhin werden sich nicht alle Spieler:innen im gleichen Tempo durch die Level prügeln können), ist im positiven Sinne bemerkenswert. Ein bisschen schade ist jedoch, dass auf definierte Songenden verzichtet wurde – man bekommt lediglich einen Fade-Out auf die Ohren, was den Hörgenuss minimal schmälert.
„Dinoblade“ zeigt, dass es durchaus Sinn macht, die kleineren Spieleschmieden und ihre Kollaborateure im Auge zu behalten – nicht selten werden solche Spiele irgendwann Kult. Eingefleischte Zocker:innen erinnern sich vielleicht noch an das 2018er Puzzle-Game „Last Day Of June“, für das die Progressive-Rock-Ikone STEVEN WILSON den Soundtrack geschrieben hatte. Oder natürlich den legendären Ego-Shooter „Quake“ (allerdings kein Indiegame), dessen Musik der junge Trent Reznor (NINE INCH NAILS) zu verantworten hat. In der Tat große Fußstapfen für „Dinoblade“, welches sich erstmal beweisen muss – aber außer Frage steht, dass der Soundtrack auch der nicht-zockenden Metalgemeinde viel Freude bereiten dürfte.
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Wertung: 8.5 / 10


