CD-Review: Chelsea Wolfe - Birth Of Violence

Besetzung

Chelsea Wolfe - Gesang, Akustikgitarre
Ben Chisholm - Piano, Synthesizer, Bass, Mandoline, Gitarre
Jess Gowrie - Schlagzeug
Ezra Buchla - Viola

Tracklist

01. The Mother Road
02. American Darkness
03. Birth Of Violence
04. Deranged For Rock & Roll
05. Be All Things
06. Erde
07. When Anger Turns To Honey
08. Dirt Universe
09. Little Grave
10. Preface To A Dream Play
11. Highway


CHELSEA WOLFE hat zwar durchaus die eine oder andere Wandlung im Verlauf ihrer Karriere vollzogen, trotzdem ist ihre Musik, nicht zuletzt durch ihre charakteristische Stimme, unverkennbar. Dies trifft auch auf ihren sechsten Longplayer „Birth Of Violence“ zu, es gibt aber auch einige gravierende Unterschiede zum 2017 erschienenen Vorgänger „Hiss Spun“: Die doomigen Gitarrenwände scheinen der Vergangenheit anzugehören, unverzerrte Gitarren dominieren die Arrangements – Back To Basics?

Ja, man kann von einer Rückbesinnung auf die Essenz von CHELSEA WOLFEs Musik sprechen, klingt „Birth Of Violence“ aufgrund des Minimalismus eher wie die ruhigeren Alben „Unknown Rooms“ oder „Pain Is Beauty“ der US-Amerikanerin. Definitiv kein Doom Metal oder ähnliches, eher so etwas wie Gothic-Folk. Kein Metal-Brett bestehend aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, sondern eher Akustikgitarre und Barhocker – wem der Soundtrack aus den Barszenen der zweiten True-Detective-Staffel gefallen hat, der wird auch dieses Album mögen.

Die beiden Vorab-Singles „The Mother Road“ und „American Darkness“ ließen es bereits vermuten: Der Härtegrad von Alben wie „Abyss“ oder zuvor erwähntem „Hiss Spun“ wird in keiner Sekunde erreicht. Dies tut der morbiden Atmosphäre, die alle CHELSEA-WOLFE-Songs durchzieht, allerdings keinen Abbruch. Im Fokus stehen dabei in klassischer Singer-Songwriter-Tradition Gesang und Gitarre, trotzdem finden sich neben häufig verwaschen verhallten Piano- oder Synthesizerklängen auch regelmäßig zurückhaltend eingespielte Violas und Mandolinen sowie (meistens) dezentes Schlagzeugspiel à la Bohren und der Club of Gore auf „Birth Of Violence“ wieder – oftmals eher für Abwechslung sorgende Akzente als für die Komposition unverzichtbare Elemente (wobei das Piano und der verzerrte Beat im letzten Drittel von „Preface To A Dream Play“ sowie die stark komprimierten Drums in „Deranged For Rock & Roll“ die Ausnahme von der Regel darstellen und beide Songs zu Highlights auf „Birth Of Violence“ machen).

Abwechslung schadet den drei bis vier Minuten langen Songs auch nicht, denn prinzipbedingt ist „Birth Of Violence“ auf den ersten (und auch zweiten) Blick mit weniger davon gesegnet als die letzten beiden Alben der Sängerin – aber nicht unbedingt schlechter oder weniger intensiv, denn die Feinheiten in Wolfes Songwriting erschließen sich erst nach einigen Durchläufen. Die dystopischen Lyrics ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch die zwölf Tracks, die Produktion von Ben Chisholm klingt trotz hohem Hallanteil intim und warm, beinahe lebensbejahend – letzteres auch eine ungewohnte Facette in CHELSEA WOLFEs Musik.

Wer mit den Frühwerken von CHELSEA WOLFE vertraut ist und diese schätzt, wird auch am neuesten Release Freude haben. Wer erst mit dem opulenteren und facettenreicheren, quasi metallischen „Abyss“ Zugang zu den Kompositionen von Wolfe gefunden hat, könnte hier allerdings ein wenig enttäuscht werden. Trotzdem sollte man der Platte in einem ruhigen Moment ein Chance geben, wenn man melancholische Akustikgitarrenmusik mit Frauengesang mag.

Bewertung: 7 / 10

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