Reidar Schæfer Olsen – so lautet der Name des umtriebigen Künstlers hinter dem Projekt DANHEIM. Unter diesem Banner hat er sich dem Nordic und Dark Folk verschrieben. HEILUNG, EIHWAR, WARDRUNA, SOWULO, FORNDOM – die musikalische Inszenierung von Dunkelheit und Naturmystik hat in den letzten Jahren zahlreiche große wie kleine Goldstücke hervorgebracht. Wo also positioniert sich DANHEIM mit seinem neuen Werk „Heimferd“ in diesem Kreis?
Songs wie „Agermark“ und „Haukadalur“ zeigen „Heimferd“ von seinen beiden prägnantesten Seiten. Ersterer vermittelt mit seinem sanften Rhythmus und einem wohligen Teppich aus Bläsern und Streichern eine sehnsüchtige Weltvergessenheit – jene Art von stiller Entrückung, die man als Kind vielleicht beim Streifen durch Wälder und Felder empfand. „Haukadalur“ hingegen, dessen Titel übersetzt „Falkental“ bedeutet, wirkt durch seine markanten, perkussiven Rhythmen fast tanzbar. Hier verbinden sich dezente Majestät und wuchtiges Schlagwerk zu einer eindrucksvollen Einheit.
Ein Stück wie „Heljar Skuggar“ verzichtet dagegen gänzlich auf Romantik und Melancholie. Mit seinen fast maschinenhaften Gesängen und dem beschwörenden Rhythmus fühlt man sich eher in den Arenen des Hauses Harkonnen wieder als vor der majestätischen Weite eines nordischen Panoramas. Die verbindenden Glieder zwischen diesen Polen bilden „Stormdans“ und das abschließende „Yggdrasil II“. Erstgenannter lädt mit prägnanten Beats und repetitiven, aber stimmigen Harfenmelodien zum Tanz ein, während der Albumabschluss mit sehnsuchtsvollem Gesang sowie dem Zusammenspiel aus Percussions und schwebenden Streicherflächen die Melancholie zurückruft – wie ein Schlaflied im Schatten des Weltenbaums.
Die eingangs gestellte Frage, wo genau man DANHEIM nun einordnen soll, lässt sich am treffendsten mit „irgendwo zwischen den großen Namen und den kleinen Nacheiferern“ beantworten. Ohne Zweifel funktionieren die Stücke auf „Heimferd“ hervorragend innerhalb ihres Genres. Besonders spannend wird das Album immer dann, wenn die Titel mit beinahe tanzbaren Rhythmen auf die elektronische Vergangenheit von Reidar Schæfer Olsen verweisen. Stellt man diesen jedoch Stücke wie „Brenhin Llwyd“ oder den Titelsong „Heimferd“ gegenüber, wird deutlich: Trotz zweifellos solider Komposition, wirklich absetzen kann sich das Album aufgrund der immer wieder aufscheinenden Gefälligkeit seiner Arrangements nicht von den übergroßen Werken der eingangs genannten Künstler. Wenn „Heimferd“ aber eines gezeigt hat, dann, dass die Idee, eventuell etwas völlig Eigenes zu sein, hier absolut im Bereich des möglichen liegt.
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Wertung: 7 / 10

