CD-Review: Dark Fortress - Stab Wounds

Besetzung

Azathoth – Gesang
Asvargr – Gitarre
Santura – Gitarre
Draug – Bass
Seraph – Schlagzeug
Paymon - Keyboard

Gastsänger:
Herr Morbid
Admirion
Jens Ryden

Tracklist

01. Iconoclasm Omega
02. Self Mutilation
03. Stab Wounds
04. When 1000 Crypts Awake
05. Despise The "Living"
06. A Midnight Poem
07. Rest In Oblivion
08. Vanitas...No Horizons
09. Like A Somnambulist...
10. Sleep!
11. Endtime


Die bereits 1994 gegründete Gruppe Dark Fortress war mir bisher nur vom Hörensagen ein Begriff, in Eigenregie lassen sie also im zehnten Jahr ihr neues Werk „Stab Wounds“ von der Kette. Dieses wurde im Vorfeld als emotional kalt, ursprünglich und einzigartig im deutschen Black Metal angekündigt – das sind große Worte, was dahinter ist, weisen wir nun im Metal1-Test nach.

Lyrisch liegt die Tendenz auf der Hand: Die Ablehnung der Menschheit, Seelenpein und der daraus resultierende Selbstmord bestimmen das gesamte Album, was bereits die Liedtitel andeuten. Innovativ ist das sicherlich nicht, entlarvt aber selbstredend nicht direkt ein schlechtes Album. Jenes brettert im ersten Stück, „Iconoclasm Omega“, finster und mit Blastbeat drauf los, der Gesang erinnert mich prompt an Shagrath von Dimmu Borgir, während die Gitarren auch die melodische Komponente betonen, nicht zuletzt durch ein vorkommendes Gitarrensolo. Langsamere und wieder schnellere Parts folgen, die zwar allesamt ganz nett anzuhören sind, mich jedoch nicht vom Hocker zu fegen wissen. Ein Kritikpunkt, der sich über Großteile des Albums ziehen wird ist zudem die Spieldauer der Lieder. Diese ist schlicht zu hoch ausgefallen, diverse Achtminüter befinden sich auf „Stab Wounds“, was das Hören einfach irgendwie erschwert. Das liegt natürlich auch am Material an sich: Songs wie „Self Mutilation“ (eingeleitet durch einen Filmeinspieler, ich tippe mit gewisser Unsicherheit auf „The Sixth Sense“) sind ein ganzes Stück von mangelnder Qualität entfernt, fesseln aber wohl höchstens Leute, die händeringend nach einer Gruppe wie Dimmu Borgir suchen.

„When 1000 Crypts Awake“ sagt mir schon eher zu, da es sich etwas vom Gros des sonstigen Liedgutes abhebt und nicht nur auf Depri-Geballer setzt. Das tut an sechster Stelle auch „A Midnight Poem“ nur bedingt, bewegt sich dafür ganz nah an der Grenze zu Dark Metal und dürfte besonders den Herrschaften gefallen, die sich selbst und sowieso die ganze Welt hassen – Zielgruppe erreicht.
Gänzlich neue Töne werden erst im letzten Drittel angeschlagen, so stellt „Vanitas…No Horizons“ ein kurzes Elektro-Zwischenspiel mit späterem Klaviereinsatz dar, während das folgende „Like a Somnambulist…“ im teils stampfenden Mid-Tempo angerollt kommt und doch noch ein wenig Abwechselung in den bisher er einseitigen Verlauf bringen kann. Ganz imperativ heißt der zehnte Titel „Sleep!“, dem konnte ich beinahe auch Folge leisten, da es sich auch hier nur um ein wenig elektronische Spielerei handelt. An und für sich atmosphärisch, hier aber unnötig gedehnt. Das abschließende „Endtime“ stellt dann mein persönliches Lieblingsstück dar, um ehrlich zu sein sogar das einzige, dass ich ohne Probleme an jeden weiter empfehlen könnte. Die melancholische und düstere Stimmung sorgt für den Eindruck, dass das Konzept von „Stab Wounds“ zumindest rund abgeschlossen ist, wenn verstanden wird was gemeint ist.

Alles in allem muss ich wohl nicht weiter wiederholen, dass mich dieses Album nicht so ganz überzeugen kann. Weder musikalisch noch lyrisch geht man hier besonders bahnbrechend zur Sache – im schwarzen bzw. dunklen Metal ist das mittlerweile auch nicht mehr so einfach, es gibt jedoch trotzdem noch eine Menge Bands, die man unter vielen heraushören könnte – dieses Privileg kann ich Dark Fortress hier beim besten Willen nicht attestieren. Dazu ist das Material zu eintönig und in dieser Form auch schon immer mal da gewesen. Des Weiteren geht die Musik auch nicht wirklich mit meinem Idealbild von Black Metal konform: Das Keyboard wird meines Erachtens mehr als nötig benutzt, außerdem genieße ich meinen Schwarzmetall lieber kräftig und autark als depressiv und geschwächt. Es liegt so ein gewisses Gothic-Flair in der Luft, das gefällt mir nicht. Hier muss aber natürlich jeder selber für sich entscheiden, ich würde „Stab Wounds“ halt den Personen ans Herz legen, denen eben jenes Probleme macht und die an und für sich eher die hart-melancholische Schiene in Sachen Musik fahren. Da gibt es sicherlich auch bessere, an und für sich machen Dark Fortress ihre Sache aber ordentlich – nur trifft es meinen Nerv nicht wirklich.

Bewertung: 6 / 10

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1 Kommentar zu “Dark Fortress – Stab Wounds”

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