Dark Funeral - We Are The Apocalypse

Review Dark Funeral – We Are The Apocalypse

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Black Metal

Für ihre in mitunter fehlerhaftem Latein verfassten Albumtitel waren DARK FUNERAL oft belächelt worden. Mit „Where Shadows Forever Reign“ (2016), dem ersten Werk mit Sänger Heljarmadr, wechselten die Schweden 20 Jahre nach ihrem Debüt „The Secrets Of The Black Art“ zurück ins Englische – ein Sinneswandel, der Bestand hat: Ob „We Are The Apocalypse“, so der Name des neuen Albums, allerdings wirklich weniger peinlich ist als das grammatikalisch falsche „Attera Totus Sanctus“, sei mal dahingestellt.

Beibehalten haben DARK FUNERAL hingegen ihr merklich reduziertes Arbeitstempo und die Unbeständigkeit des Lineups: Sechs Jahre ließen die Schweden ihre Fans auf ein neues Album warten, und zum nun zweiten Mal hat Ausnahmeschlagzeuger Nils Fjellström alias Dominator der Band unterdessen den Rücken gekehrt und sich Nordjevel angeschlossen. Für ihn rückte Jalomaah (u. a. Night Crowned) auf den Drumhocker nach, zudem wurde der vakante Bassistenposten mit Adra-Melek besetzt. Immerhin am Mikrophon scheint Konstanz eingekehrt: Hatte Heljarmadr, der den Job 2014 von Kurzzeit-Sänger Nachtgarm (Negator) übernommen hatte, bereits auf seinem Debüt solide abgeliefert, wirkt seine Performance diesmal noch eine Nuance souveräner und in der Folge auch vielseitiger. Der individuelle Wiedererkennungswert seines gekeiften, hohen Screamings bleibt aber leider gering. Ob er damit als adäquater Ersatz für die charakteristisch-kraftvolle Stimme von Emperor Magus Caligula durchgeht, muss jeder Fan für sich beantworten.

Beibehalten haben DARK FUNERAL auch Daniel Bergstrand als Produzenten. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist jedoch ein gänzlich anderes: Verglichen mit dem leicht verwaschenen Sound von „Where Shadows Forever Reign“ klingt „We Are The Apocalypse“ in den Höhen wie den Bässen merklich konturierter. Dadurch kommt das Drumming zwar wieder merklich bissiger rüber, die Gitarren hingegen verlieren gegenüber Schlagzeug, Bass und Gesang merklich an Präsenz im Mix.

Beibehalten haben DARK FUNERAL zu guter Letzt auch den Stil ihres letzten Albums: Wie auf „Where Shadows Forever Reign“ – und anders als noch auf „Angelus Exuro Pro Eternus“ – sind die Songs weniger melodie- als riffgeprägt. Zwar finden sich natürlich in allen Songs auch weiterhin jene auf Eingängigkeit getrimmten Melodieläufe, die DARK FUNERAL seit jeher auszeichnen, oft allerdings eher als Gimmick denn als stilprägendes Element, und durch den Sound zusätzlich in den Hintergrund verfrachtet. Die ganz großen, markanten Hits – ein „My Funeral“, „Atrum Regina“ oder „Hail Murder“ also – sucht man zwar auch auf diesem Album vergeblich. Zumindest aber ist der ehemals bandtypische, treibende Groove zurück, der etwa „Let The Devil In“, „Leviathan“ oder auch den Titeltrack direkt ins Ohr gehen lässt und zum Mitnicken und Fäusterecken verleitet.

Schon mit „Where Shadows Forever Reign“ hatten sich DARK FUNERAL in einigen Aspekten vom Stil der vorangegangenen Alben abgewendet. Mit „We Are The Apocalypse“ gehen Lord Ahriman und seine Mitstreiter diesen Weg weiter: Auch ihr siebtes Album hat technisch wie atmosphärisch starkes Songmaterial mit vielen echten Höhepunkten zu bieten. Wie Naglfar auf „Téras“ rutschen jedoch auch DARK FUNERAL bisweilen in vergleichsweise generischen schwedischen Black Metal ab, der nicht mehr so charakteristisch klingt wie in der Ära von Emperor Magus Caligula. Zwar ist „We Are The Apocalypse“ insgesamt stärker als sein direkter Vorgänger – ja, für viele andere Bands wäre das Album sogar fraglos ein großer Wurf. Von einer Genre-Instanz wie DARK FUNERAL erwartet man jedoch stets Außergewöhnliches. Und wirklich außergewöhnlich ist an „We Are The Apocalypse“ leider so wenig wie an seinem Titel.

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Wertung: 8.5 / 10

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3 Kommentare zu “Dark Funeral – We Are The Apocalypse

  1. „Where Shadows Forever Reign“ grenzte für mich fast an Perfektion. Ich finde bei „We Are The Apokalypse“ die Gitarren zu leise und den Gesang einen Tick zu laut. Sicher gab es bei DARK FUNERAL damals auch dünne Rausche- bzw. Bienenschwarmgitarren, diese klangen jedoch angriffslustig. Hier finde ich sie etwas seelenlos klingend.
    Ansonsten ist das Album OK! Kein Highlight, keine Offenbarung (verglichen mit früheren Alben) aber im Gesamtbild auch keine komplette Enttäuschung (gemessen am Vorgänger hingegen schon).
    Solide 7/10 Punkten.

    1. Spannend, den Vorgänger finde ich bis heute fast durchweg belanglos, wenngleich es mir, als ich es in Vorbereitung auf dieses Review hier nochmal angehört habe, besser gefallen hat als ich es in Erinnerung hatte …

      1. In meinem Bekanntenkreis waren die Meinungen zu „Where Shadows Forever Reign“ teilweise auch gespalten. Mich hat es sofort umgehauen, da DARK FUNERAL für ihre Verhältnisse was anderes machten (weniger Fuß auf dem Gaspedal, bei mehr Atmosphäre), wurde eben jenes kritisiert (zu wenig Geknüppel). Ebenfalls positiv vernahm ich das sehr organisch klingende Schlagzeug und eben die „fetten“ aber verwaschenen Gitarren.
        Ich konnte damals nach Erscheinen nichts mit der „Attera Totus Sanctus“ anfangen und auch heute noch ist es nicht mein ultimativer DARK FUNERAL Favorit. Damals wie heute verpasste Daniel Bergstrand der Band einen etwas seelenlosen Gitarrensound…machte damit allerdings Platz für Melodien.
        Zurück zu „We Are The Apocalypse“: Gefällt mir natürlich besser als „Attera Totus Sanctus“, hier steckt auch mehr Atmosphäre drinnen. Allerdings finde ich, dass sich das Album schnell abnutzt auch durch das Kalkül in welcher Reihenfolge die Stücke angeordnet sind (auf einem eher mittelschnellen Song folgt ein „ruhigeres“, darauf Gebretter, wieder mittelschnell…). Im Gegensatz zum Vorgänger finde ich auf diesem Album die langsameren Parts nicht so toll in Szene gesetzt.
        Das liest sich alles schlimmer als es letztendlich klingt…du hast es mit den letzten beiden Sätzen in deinem Review passend getroffen.

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