CD-Review: Naglfar - Téras

Besetzung

Kristoffer W. Olivius– Gesang
Andreas Nilsson– Gitarre
Marcus E. Norman– Gitarre, Bass, Keyboard

Session-Musiker:
Dirk Verbeuren– Schlagzeug

Tracklist

01. Téras
02. Pale Horse
03. III: Death Dimension Phantasma
04. The Monolith
05. An Extension Of His Arm And Will
06. Bring Out Your Dead
07. Come Perdition
08. Invoc(H)ate
09. The Dying Flame Of Existence


Während gleich alte oder weit jüngere Bands wie Dark Funeral oder Watain es zu einigem Ansehen in der Szene geschafft haben, auf Festivals gut besuchte Gigs zur Prime-Time spielen und regelmäßig auf Headliner-Touren um die Welt ziehen, hat es für die Schweden NAGLFAR nie zum großen Durchbruch gereicht: Zu unregelmäßig erschienen die Alben, zu wenig wurde darauf geachtet, live präsent zu bleiben, und auch Besetzungswechsel wie der viel diskutierte Ausstieg von Jens Ryden (mittlerweile bei Thyrfing untergekommen) und dessen Ersatz durch Bassist Kristoffer W. Olivius dürften ihren Teil dazu beigetragen haben. Vor allem aber ist es wohl die Tatsache, dass NAGLFAR ohne Corpsepaint, Gefängnisaufenthalte, Kirchenschändungen und andere Skandale in Auftreten und Musik von vielen wohl schlichtweg als zu „harmlos“ eingestuft wurden, schuld daran, dass man trotz legendärer Werke wie „Vittra“ nie echten Legendenstatus erreichte – was wirklich schade ist, hat man es bei NAGLFAR doch definitiv mit einer Band zu tun, die musikalisch Potential für weit mehr gehabt hätte.

„Sheol“ war ein wares Meisterstück rohen, schwedischen Black Metals – und wäre „Pariah“ soundmäßig nicht derart poppig ausgefallen, hätte die Band spätestens mit diesem Album durch die Decke gehen müssen. Stattdessen folgte auf das intensive Touren mit anderen Aufsteigern wie den damals noch reichlich unbekannten Finntroll im Jahr 2005 und einem Gig in Wacken eher Stagnation in der Popularitätskurve: „Harvest“ (2007) ging trotz seiner hohen Qualität komplett unter, wurde seitens des Labels kaum promoted und nicht einmal durch eine Tour unterstützt – stattdessen ließ die Band eine fünfjährige Pause folgen, die derart abrupt begann und durch das offline nehmen jedweder Internetpräsenz derart konsequent durchgezogen wurde, dass wohl nicht wenige dachten, das Schiff aus den Nägeln der Toten wäre endgültig auf Grund gelaufen. Entsprechend überraschend kam erst kürzlich die Neuigkeit, mit „Téras“ stünde das sechste Album der Schweden kurz vor der Vollendung.

Und da ist es nun also – „Téras“, der wohl letzte Strohalm, an den sich eine Band, die nach 18 Jahren Bestehen wieder in das Meer der Bedeutungslosigkeit hinausgezogen zu werden drohte, klammert. Denn eines ist klar: Viele Chancen, doch noch zu den Großen des Genres aufzuschließen, hat die Band nicht mehr… wenn überhaupt noch.
Mit dem Titeltrack eröffnen die Schweden gleich etwas verwirrend – ist das Stück mit 2 Minuten doch für ein Intro zu lang, für einen Song zu kurz – und stilistisch irgendwo dazwischen anzusiedeln. Doch bereits hier und spätestens mit der mit „Pale Horse“ losbrechenden Raserei zeigt sich, dass NAGLFAR zumindest soundtechnisch merkliche Fortschritte gemacht haben.
Stilistisch bleiben sich NAGLFAR dabei relativ treu: Während die Gitarrenarbeit recht bandtypisch aus schnellen Shredding-Riffs, Melodielinien und, von Zeit zu Zeit auch den vornehmlich auf „Pariah“ zelebrierten Tapping-Soli aufgebaut ist, sorgt das Drumming des von Soilwork geborgten Session-Schlagzeugers Dirk Verbeuren für anerkennend hochgezogene Augenbrauen: Obwohl, oder vielleicht gerade weil der Mann nicht aus dem Black Metal kommt, fügt sein Mitwirken dem Album eine Bösartigkeit bei, wie man sie im Hause NAGLFAR lange nicht gehört hat. „Bösartigkeit“ ist dabei generell das Stichwort: Ganz allgemein gehen die Schweden auf „Téras“ wieder deutlich roher und aggressiver zu Werke als auf dem doch sehr zahmen „Pariah“ und dem zwar etwas böseren, jedoch immernoch etwas behäbigen „Harvest“. Als negative Konsequenz daraus lässt „Téras“ ein wenig die Ohrwürmer vermissen, welche auf den letzten beiden Alben stilprägend und in großer Zahl zu finden waren. Denn egal ob „Perpetual Horrors“ oder „Darkest Road“ – in Sachen Eingängigkeit konnten NAGLFAR bislang nur wenige Bands etwas vormachen. Statt auf einzelne Höhepunkte setzt der neueste Output also eher auf Atmosphäre – ein Konzept, das über weite Strecken gut geht, jedoch nicht vollends zu überzeugen weiß.

„Téras“ ist gewiss kein Meilenstein der Black-Metal-Geschichte und wird wohl trotz der angekündigten Livepräsenz der Band auf diversen Festivals im Sommer nichts daran ändern, dass NAGLFAR auf dem Status der allseits bekannten Underground-Band hängenbleiben werden. Doch dementsprechend ist „Téras“ auch so etwas wie ein Geheimtipp – zeigen NAGLFAR hier doch eindrucksvoll, dass sie auch harten Black Metal wie Setherial spielen können und ihr Feuer noch lange nicht erloschen ist. Ein etwas sperriger Brocken, der jedoch, ist er erst einmal zerschlagen, tatsächlich das ein oder anderen tiefschwarz schimmernde Juvel à la „The Dying Flame Of Existence“ offenbart. Aufs Ganze gesehen wäre aber der ein oder andere herausstechende „Hit“ sicher auch nicht das Verkehrteste gewesen.

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: