CD-Review: Death Angel - The Evil Divide

Besetzung

Mark Osegueda – Gesang
Rob Cavestany – Gitarre
Ted Aguilar – Gitarre
Damien Sisson – Bass
Will Carroll – Schlagzeug

Tracklist

01. The Moth
02. Cause For Alarm
03. Lost
04. Father Of Lies
05. Hell To Pay
06. It Can't Be This
07. Hatred United, United Hate
08. Breakaway
09. The Electric Cell
10. Let The Pieces Fall


Man könnte meinen, die Thrash-Götter meinen es gut mit uns im Jahr 2016, denn nach einigen hörenswerten Outputs in diesem Genre, u. a. von Destruction, legen nun auch die Bay-Area-Veteranen DEATH ANGEL mit „The Evil Divide“ nach. Ähnlich wie ihre Kollegen von Exodus versorgt auch die Truppe um Sänger Mark Osegueda und Gitarrist Rob Cavestany seit Anfang des Jahrtausends nach zwischenzeitlicher Auflösung die Szene wieder mit  gepflegter Thrash-Kost. Doch während die Herrschaften um Gary Holt bereits 2014 mit „Blood In, Blood Out“ ihr fünftes Album nach der Reunion vorgelegt haben, hat es im Camp von DEATH ANGEL etwas länger gedauert.

„The Evil Divide“ ist dabei auch die unterm Strich achte Full-Length-Platte des Quintetts und zugleich die dritte mit Produzent Jason Suecof (der schon für Trivium und Deicide an den Reglern saß) sowie der Rhythmusabteilung um Bassist Damien Sisson und Drummer Will Carroll. Mit dem frischen Blut sowohl hinter als auch vor dem Mischpult erreichte man schon mit dem ersten Ergebnis dieser Konstellation, dem 2010er Output „Relentless Retribution“, produktionstechnisch wie musikalisch neue Höhen. Dementsprechend gehen DEATH ANGEL mit  „The Evil Divide“ diesen Weg konsequent weiter, den sie zuletzt 2013 mit „The Dream Calls For Blood“ fortgeführt haben. Im Konkreten bedeutet das: ein hervorragender Sound, der Puristen zwar etwas zu glattpoliert klingen könnte, aber immerhin allen Akteuren genug Platz im Gesamtbild einräumt, und eine Rhythmusfraktion, die alles wegbläst. Positiv fällt vor allem der stets prominente Bass und somit die Tatsache auf, dass mit Sisson ein exzellenter Musiker den Tieftöner bedient, der sein Spiel nicht nur auf das Wesentliche reduziert.

Als Szene-Veteranen wissen DEATH ANGEL per se an diesem Punkt ihrer Laufbahn längst, wie man einen sehr guten Thrash-Song schreibt. In der Konsequenz heißt das, so simpel es klingen mag, dass „The Evil Divide“ einfach sehr guten Thrash bietet. Die typischen Genre-Trademarks wie Gang-Shouts, Ufta-ufta-Gebolze mit Snare-Hits wie Peitschenhiebe und natürlich flinke Gitarrensoli spulen die Jungs ab wie das kleine Einmaleins. Es sind die nicht so klischeebehafteten Momente, die einen bei der Platte aufhören lassen und die DEATH ANGEL zu einer nach wie vor sehr interessanten Band machen.

So kommt bereits der Opener „The Moth“ in der Strophe mit Offbeat-Stampf-Part und klaren Backing-Vocals daher, während im Instrumentalpart Fear-Factory-mäßig Bass-Drum und Riffing verzahnt werden. Bereits auf der dritten Position nimmt das Quintett mit „Lost“ den Fuß vom Gas, zieht das gesetzte Tempo bis zum Song-Ende durch, anstatt das Lied totzuprügeln, und zeigt, dass Osegueda auch singen und nicht nur shouten kann. Ebenso bauen DEATH ANGEL bei „Father Of Lies“ ein sanft-melodisches Interlude mit gefühlvollem Solo und  Akustik-Begleitung ein, das den folgenden Ausbruch noch wilder klingen lässt und den Song zu mehr macht als nur einem routinierten Thrash-Klopper. Den gibt es mit „Hell To Pay“ quasi als die schnelle Abrissbirne zwischendurch, ehe auch die zweite Albumhälfte neben Brechern wie dem rasend schnellen „Breakaway“ mit „It Can’t Be This“ zur Abwechslung mal durchweg getragenes Tempo, diesmal mit ordentlich Groove, bietet. Im Großen und Ganzen herrscht auf „The Evil Divide“ jedoch Härte und Karacho, wie man zuletzt beim Rausschmeißer und längsten Track „Let The Pieces Fall“ mit seinem durchaus komplexen Aufbau und Riff-O-Rama am Ende feststellen kann.

Wie bei vielen, wenn nicht sogar den meisten Bay-Area-Helden zeigt sich auch bei DEATH ANGEL, dass die Altherrenriege noch lange nicht ausgebrannt ist und neben solider Handwerkskunst durchaus weiter hochklassiges Material abliefern kann. Wem die letzten beiden Alben der Kalifornier zugesagt haben, der wird auch an „The Evil Divide“ mit großer Wahrscheinlichkeit Gefallen finden, wer die Herren bisher nur vom Vorbeilaufen kennt, sollte vielleicht diese Möglichkeit ergreifen, um das zu ändern.

Bewertung: 8 / 10

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