Über vier Jahre ist es her, dass DEVIL MAY CARE mit „Divine Tragedy“ ein Album auf die geneigte Hörerschaft losgelassen haben. Nun legen die Würzburger ihr viertes Studiowerk „Limit” vor. Mit dabei sind THE OKLAHOMA KID und IMPVLSE, mit denen sie je einen Song für “Limit” eingespielt haben. Es sei aber vorweggenommen, dass „Limit“ leider eindrücklich zeigt, dass die Reihenfolge der Titel einer Full-Length darüber entscheiden kann, ob eine Album-Dramaturgie gelingt oder nicht.
Die ersten beiden Stücke von “Limit” sind nämlich die oben genannten Features. Den Anfang machen DEVIL MAY CARE mit „Black Box“. Der Song entstand zusammen mit THE OKLAHOMA KID und erschien im Februar 2025. „Black Box“ ist genau das, was man sich wünscht, wenn zwei junge Metalcore-Bands zusammenarbeiten: modern, hart, melodisch und durch den stimmfarblichen und technischen Kontrast zwischen den beiden Sängern Tim Heberlein von DEVIL MAY CARE und Tomm Brümmer von THE OKLAHOMA KID alles andere als langweilig. Gleiches gilt für „Amen“. Zusammen mit IMPVLSE haben DEVIL MAY CARE den Song im September 2025 der Welt präsentiert. Auch hier fließt der Stil beider Bands zu einem großen Ganzen zusammen.
Umso gespannter ist man nach dem gelungenen Auftakt auf „Caving In“. Er ist der dritte Titel des Albums und zugleich der erste Song, in dem die Würzburger nun alleine zu hören sind. Die fast schon erzählerische Songstruktur ist mitreißend in ihrer kraftvollen und treibenden Art und DEVIL MAY CARE zeigen sich von ihrer besten Seite. Mit dem titelgebenden Song „Limit“ folgen die Jungs dem durch „Caving In“ gesetzten Trend. Hier ist besonders die abrundende Arbeit mit den Synthesizern herauszustellen. Sie sind nicht penetrant, setzen an den richtigen Stellen Akzente und sind maßgeblich an der Stimmung in „Limit“ beteiligt. Erwähnenswert ist zudem „Downfall“; DEVIL MAY CARE zeigen sich hier systemkritisch, gar mahnend, und lassen ihre Verzweiflung und Wut ob der derzeitigen globalen Lage heraus. Der Refrain bleibt im Ohr, der Breakdown bringt die nötige Explosion und so eignet sich „Downfall“ sicherlich perfekt als Livenummer für kommende Sets.
Durch „Let The River Run“ bringen die Würzburger zunächst Ruhe in die Mitte des Albums, können diese aber nicht mehr auflösen. „Horizon“ und „Mosaik“ haben ihre Momente, aber DEVIL MAY CARE schaffen es an diesem Punkt nicht mehr, an „Caving In“ oder „Limit“ heranzukommen. Auch mit einem Titel wie „Comatose“ ist es den Jungs nicht mehr möglich. Spätestens hier zeigt sich, dass die Entscheidung, die beiden Features an den Anfang zu stellen, eine Fehlentscheidung war. Auch weil mit „Caving In“ und „Limit“ die stärksten Songs der Platte direkt danach verpulvert wurden. Die restlichen Stücke können den aufgemachten Spannungsbogen vom Anfang des Albums nicht auffangen und so verläuft “Limit” ab “Downfall” im Sande. Die einzelnen Titel sind isoliert dennoch wirklich sehr gute Songs, die das lyrische und musikalische Können von DEVIL MAY CARE demonstrieren, doch in ihrer Abfolge tun sie „Limit“ als Gesamtkunstwerk keinen Gefallen.
„Limit” ist demnach ein Paradebeispiel dafür, dass die Reihenfolge der Songs entscheidend ist. Hätte man gemäß des benötigten Spannungsbogens die Tracklist ein klein wenig verändert und die Features geschickter platziert, wäre „Limit“ höchstwahrscheinlich eine der stärksten Platten des letzten Quartals 2025 geworden. So haben DEVIL MAY CARE aber einiges an Potenzial verschenkt. Dennoch ist „Limit“ ein absolut hörenswertes Album mit starken Titeln, die man auch losgelöst voneinander genießen kann.
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Wertung: 7.5 / 10


