CD-Review: Devil May Care - Echoes

Besetzung

Tim Heberlein - Gesang, Gitarre
Lukas Esslinger - Gitarre
Moritz Hillenbrand - Bass
Joachim Lindner - Schlagzeug

Tracklist

01. Dead Ember
02. Hollow Promises
03. On Wings Of Wax
04. L.I.A.R.
05. Atlas
06. Telemachy
07. Odyssey
08. Our Hope
09. Empathy
10. Echoes
11. Ghosts
12. The Fire
13. Wake Me Up


Bei manchen Alben sieht man das Cover und ist schon vollkommen gespannt, ob die Musik dahinter mit dem Design mithalten kann. So auch beim zweiten Album „Echoes“ der Würzburger Post-Hardcore-Kombo DEVIL MAY CARE. Dass man dem musikalischen Inhalt mit einer optimistischen Einstellung entgegenblicken kann, liegt am durchweg soliden 2016er Debüt „Rose Of Jericho“ und den Live-Qualitäten (die übrigens auch unplugged vorhanden sind) der Unterfranken. Also Kopfhörer aufsetzen und schnell auf Play drücken!

Mit „Dead Ember“ startet die Platte mit einem im Up-Tempo gehaltenen Song, der neben dem nach Melo-Death anmutenden Riff einen eingängigen Refrain zu bieten hat. Ein guter Start, um den Hörer neugierig zu machen. Und auch im weiteren Verlauf wird man nicht enttäuscht. Zwar sind core-lastige Riffs und der Wechsel zwischen Shouts und Klargesang schon lange nichts neues mehr, jedoch haben die Würzburger ein gutes Gespür dafür, den Hörer auf der emotionalen Schiene anzugreifen. Das tolle „On Wings Of Wax“ kommt erst melancholisch daher, bevor das Ende mit einem Wutausbruch von Sänger und Gitarrist Tim Heberlein eingeleitet wird. Das energetische „Atlas“ wirkt motivierend und mit „Odyssey“ schaffen es DEVIL MAY CARE, ordentlich Dampf abzulassen.

Unüberhörbar sind auf „Echoes“ die Parallelen zu Funeral For A Friend und Silverstein, die den emotionalen Post-Hardcore Anfang der 2000er dominiert haben. Die Grundstimmung der Vorreiter wird dabei aufgenommen und mit eigener Interpretation wiedergegeben. Die auf Spieldauer gegebene Ähnlichkeit wirkt dabei weder störend noch abgekupfert, sondern versprüht sogar eine gewisse Nostalgie. Neben den variierenden Gitarren und dem druckvollen Bass leben DEVIL MAY CARE dabei vor allem von Sänger Tim Heberlein. Ohne Probleme wechselt er zwischen gefühlvoll, energetisch und aggressiv und fängt so allzeit die zu den Instrumenten passende Stimmung ein. Um sich davon zu überzeugen braucht man sich nur den traurigen Titeltrack oder das schnelle „The Fire“ anhören.

Logisch, wo melodischer Post-Hardcore vorliegt, sind auch „Oho’s“ und Pathos nicht weit entfernt. Glücklicherweise schaffen es die Würzburger, dies auf einem meist angenehmen Level zu halten, sodass man nur selten mit den Zähnen knirschen muss. Doch selbst Songs wie „Wake Me Up“ oder „L.I.A.R.“, auf denen dies der Fall ist, haben genug Qualität um mit etwas Wohlwollen darüber hinwegsehen zu können. So gibt es neben der etwas fehlenden Eigenständigkeit und den wenigen Momenten im Kitsch an DEVIL MAY CAREs zweitem Album nichts auszusetzen. Die Melodien sind eingängig, alle vier Mitglieder machen ihren Part mehr als ordentlich und auch der etwas raue Mix passt super zur Stimmung der Platte.

So lässt sich feststellen: Die Musik auf „Echoes“ hält, was das Artwork verspricht. Neben einem heißen Anwärter auf das beste Cover des Jahres haben wir mit DEVIL MAY CARE auch einen heißen Anwärter auf die besten Newcomer in ihrer Sparte. Ihre zweite CD führt den eingeschlagenen Weg des Debüts fort und setzt mit verfeinertem Songwriting und etwas mehr Abwechslung noch eine Schippe drauf. So darf man das Quartett mit gutem Gewissen auf eine Stufe mit den Darmstädtern 8Kids stellen und zu einer der hoffnungsvollsten Bands im deutschen Post-Hardcore küren.

Bewertung: 7.5 / 10

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