Die größte Überraschung am neuen FEJD-Album „Nifelheim“ ist wohl, dass es zehn Jahre nach dem letzten Langspieler überhaupt nochmal neue Musik zu hören gibt. Dabei sind die Schweden mit „Trolldom“ doch in neue Klanggefilde vorgestoßen und haben ihren traditionellen Folk mit E-Gitarren angereichert, was Lust auf mehr gemacht hat. Durch Familie, Covid und Co. hat es aber ganze zehn Jahre gedauert, bis mit „Nifelheim“ nun ein Nachfolger erscheint, und auf diesem ist der Ausflug in die Welt der Stromgitarren schon wieder Geschichte. Gitarrist Per-Owe Solvelius ist nicht mehr Teil der Band, und FEJD besinnen sich wieder auf ihre Folk-Wurzeln, wobei nach wie vor eine Affinität zum Metal deutlich zu spüren ist.
Am deutlichsten wird das am Drumming von Esko Salow, der schon im Opener „Nifelheim“ mit Doublebass zum Headbangen animiert. Über das gesamte Album hinweg ist Salow die treibende Kraft, die mit wuchtigem Drumming, Doublebass und akzentuierten Fills die Musiker nach vorne peitscht und mit ihrem Spiel für ein Alleinstellungsmerkmal zu üblichen Folk-Bands sorgt. Der ausbalancierten Produktion ist es zu verdanken, dass Bouzouki, Moraharpa und Co. nicht von den Drums erschlagen werden. Schon nach den ersten Sekunden fällt außerdem auf, dass die Produktion für ein Folk-Album überraschend modern klingt, für manche vielleicht zu modern. Insgesamt passt sie aber zum leicht veränderten, stellenweise moderneren Songwriting von FEJD.
Von Hit-Charakter zu sprechen ist vielleicht zu viel gesagt, aber besonders der Titeltrack und „Nidhögg“ haben Ohrwurm-Potenzial. Den Refrain von „Nifelheim“ möchte man am liebsten im Moshpit mitgrölen, während man zur melancholischen Epik von „Nidhögg“ sofort die Faust nach oben reißen will. Sehr schön auch der ruhige Mittelpart, der Bouzouki und Moraharpa in den Mittelpunkt stellt. Konnte man auf früheren Alben den Schweden noch vorwerfen, das Songwriting zu wenig abwechslungsreich zu gestalten, merkt man auf „Nifelheim“ davon nichts mehr. Vielmehr scheint es so, als ob FEJD alle Facetten des schwedischen Folk in ein Album packen wollten.
„Edsvuren“ etwa klingt beschwingt, lädt direkt zum Tanzen ein, und Niklas Rimmerfors glänzt mit einem starken Moraharpa-Solo. Am deutlichsten in Richtung Metal geht es mit „Sköldborg“: Ein düsteres Moraharpa-Riff, Maultrommel-Akzente, schweres Drumming und ein melancholischer Refrain sorgen für Viking-Metal-Vibes. „Strilja“ wurde bereits 2021 als Single veröffentlicht und dürfte Fans daher bereits gut bekannt sein, hat aber dennoch nichts von seiner epischen Kraft eingebüßt. Patrik Rimmerfors‘ doch recht spezielle Stimme steht hier besonders im Vordergrund und wird im Refrain mit etwas Hall unterlegt, was natürlich noch mehr zur Epik beiträgt.
Spätestens wenn große Trommeln „Svarta Tjärn“ einleiten, ist klar, dass FEJD mit „Nifelheim“ ihr bisher bestes Album veröffentlicht haben. Die acht Songs sind rund, zeigen die vielen Facetten der Schweden, laden zum Tanzen, Headbangen oder einfach nur Genießen ein und machen die lange Wartezeit auf die Scheibe wieder wett. Streitbar bleibt die moderne Produktion, die der Musik stellenweise etwas von ihrer Archaik nimmt. Faszinierend und besonders bleibt das Schaffen von FEJD aber dennoch auch mit „Nifelheim“.
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Wertung: 9 / 10


