Review Five Finger Death Punch – Legacy

  • Label: Better Noise
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Groove Metal

20 Jahre Bandgeschichte sind im Metal nicht ansatzweise eine Bestmarke – aber FIVE FINGER DEATH PUNCH wären nicht FIVE FINGER DEATH PUNCH, würden sie sich für das Erreichen dieses Meilensteins nicht feiern wie Olympioniken, die gerade als Erste durchs Ziel gelaufen sind. Zunächst wurde mit gleich zwei (leider reichlich überflüssigen) Best-of-Releases das bisherige Werk zelebriert – nun soll das zehnte Studioalbum die Party zum runden Geburtstag krönen.

„Legacy“ lautet der dafür auserkorene Titel, zu Deutsch „Vermächtnis“ – drunter geht es bei den von sich chronisch maximal überzeugten US-Metallern nicht. In gewisser Weise ist das Album damit trotzdem perfekt getroffen. Denn mit „Legacy“ setzen sich FIVE FINGER DEATH PUNCH zum Geburtstag ein Denkmal – mit zehn Songs, die Band-typischer nicht klingen könnten.

Mit dem Titeltrack „Legacy“ als Opener beginnt das Album, wie schon der Vorgänger, mit einem Dicke-Hosen-Stampfer mit griffigem Mitsing-Refrain. Erwartbarer geht es also kaum. Zumindest aber klingt der Track etwas roher und die Band damit authentischer wütend als zuletzt. Dieser erste Eindruck hat auch über den Rest des Albums Bestand: „Legacy“ ist insgesamt merklich härter als die letzten Werke der Amerikaner – und zwar vom Opener bis zum letzten „Fuck You“, mit dem Ivan Moody den Rausschmeißer „Scapegoat“ beendet.

Da sich stilistisch im Hause FIVE FINGER DEATH PUNCH sonst nicht viel getan hat, werden beim Hören automatisch Erinnerungen an frühere Songs wach: „De Oppresso Liber“ klingt wie ein Medley verschiedenster Hits, vornehmlich „Under And Over It“ von „American Capitalist“. Und auch „Eye Of The Storm“ ist – insbesondere von der Gesangslinie her – wohl nicht ganz originär. Überraschungen hält „Legacy“ entsprechend keine bereit. Nach dem unerwartet rockigen, aber vor allem in der zweiten Hälfte eben auch ziemlich zahnlosen Vorgänger ist das vielleicht ganz gut so.

Man kann FIVE FINGER DEATH PUNCH viel vorwerfen – aber nicht, dass sie das eine sagen und das andere tun. Dahingehend ist auch „Legacy“ keine Ausnahme. Der Albumtitel verspricht eine Huldigung an das eigene Schaffen aus den letzten zwei Dekaden, und genau das bekommt man auch: mal fast balladesk („In Time“), meist mit ordentlich Wumms („Unscathed“), aber stets als FIVE FINGER DEATH PUNCH unverkennbar und – haters gonna hate – mit beeindruckendem Gespür für einprägsame Gesangslinien und Arrangements. Das kann man kitschig finden, wie man auch die patriotische und pro-militärische Gesinnung der Bandmitglieder kritisch sehen kann. Aber einem Hit wie „Shelter“ kann man die musikalische Qualität nicht fundiert absprechen.

Insbesondere in Anbetracht der beiden vollkommen missratenen Best-of-Alben, die FIVE FINGER DEATH PUNCH zuletzt auf den Markt geworfen haben, sowie angesichts des eher mauen letzten Studioalbums „AfterLife“ ist Album Nummer 10 ein wirklich erfreulicher Release geworden. Die US-Metaller klingen auf „Legacy“ endlich wieder so, wie man es von ihnen erwartet: wie NICKELBACK auf Steroiden, klar, aber eben auch verdammt fett und catchy.

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Wertung: 8.5 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

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