Preisfrage: Wer könnte mit „#Taylorswift des Metal“ gemeint sein? Tatiana Shmayluk oder Doro, Alissa White-Gluz oder Amy Lee? Oder jemand ganz anderes? Je nachdem, worauf man den Fokus legt – ob auf Popularität oder Stimme, Erfolg oder Feminismus –, dürften die Antworten sehr unterschiedlich ausfallen. FIVE FINGER DEATH PUNCH wäre allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht darunter. Dass für die Promotion von deren neuester Veröffentlichung „20 Years Of Five Finger Death Punch – Best Of Volume 1“ tatsächlich dieser Vergleich bemüht wird, mutet angesichts der Testosteron-Truppe mit Faible für Sturmgewehre, Kampfsport und Donald Trump fast schon grotesk an.
Der Aufhänger für diese konstruierte Parallele ist allein der Umstand, dass FIVE FINGER DEATH PUNCH (wie viele andere Bands) keine Rechte an ihrem Frühwerk haben und sich – wie eben auch Taylor Swift – dazu entschieden haben, dieses Material neu aufzunehmen. Doch während Swift dabei ist, sechs ganze Alben als „Taylor’s Versions“ neu herauszubringen, beschränken sich FIVE FINGER DEATH PUNCH auf die vermeintlich besten Songs. Mutmaßlich die Hälfte davon gibt es nun zu hören – legt der Titelzusatz „Volume 1“ doch nahe, dass es einen zweiten Teil geben wird, auf dem wohl nicht nur die Rohrkrepierer und Filler versammelt sein werden.
Ein zweiteiliges Best-of von FIVE FINGER DEATH PUNCH … war da nicht was? Richtig: Zum zehnjährigen Jubiläum (damals gerechnet ab dem Debütalbum) gab es das mit „A Decade Of Destruction“ (2017) und „A Decade Of Destruction Volume 2“ (2020) schon einmal. Und Überraschung, Überraschung: An der bandeigenen (oder labelseitigen?) Einschätzung, welche Songs auf einem Best-of nicht fehlen dürfen, hat sich wenig geändert.
Von den 14 Studioaufnahmen auf „20 Years Of Five Finger Death Punch – Best Of Volume 1“ finden sich also 13 (!) bereits auf „A Decade Of Destruction“. Neu in die Tracklist ist lediglich „I Refuse“ von „And Justice For None“ gerutscht. Mit einem Feature der Sängerin Maria Brink von IN THIS MOMENT wartet dieser Song auch tatsächlich mit einer nennenswerten Änderung gegenüber der Albumversion auf. Ob der Song wirklich noch mehr Schmalz bedurft hätte, steht allerdings auf einem anderen Blatt – zumal dem Feature der einzige emotionale Gesangspart von Moody zum Opfer gefallen ist. Andererseits hat die neue Version durch diese Änderung zumindest eine Daseinsberechtigung.
Das lässt sich über die restlichen 13 Songs leider ebenso wenig behaupten wie über die drei völlig willkürlich ausgewählten Live-Tracks (ein zweites Mal „The Bleeding“, ernsthaft?), die mit ihrem schrecklich dünnen Sound an illegale Bootlegs auf YouTube denken lassen. Da die Band (sofern hier überhaupt wirklich alles neu eingespielt wurde) so nah am Original geblieben ist, dass man beide Versionen problemlos übereinanderlegen und gleichzeitig abspielen kann, beschränkt sich der Mehrwert der Neuaufnahmen auf den Sound. Da es diesbezüglich ab „American Capitalist“ (gemessen an den Erwartungen für die Stilrichtung) nichts mehr auszusetzen gab, könnten eigentlich nur die Songs der ersten beiden Alben – drei an der Zahl – profitieren. Doch selbst hier gibt es noch ein „aber“: Für die differenzierteren Zerrgitarren bezahlen die Stücke mit dem Verlust ihres rohen Charmes – und damit ihres ganzen ursprünglichen Charakters.
Nach einem Akt der Selbstermächtigung fühlt sich „20 Years Of Five Finger Death Punch – Best Of Volume 1“ nicht an – eher nach Geldmacherei. Nennenswert anders als im Original klingen nur die genannten vier Songs – die Live-Aufnahmen hingegen sind qualitativ eine Frechheit. Dabei wäre ein vernünftiges Live-Album, idealerweise mit Video-Mitschnitt und etwas Begleitmaterial, ein viel wertigeres Jubiläums-Release geworden als diese Neueinspielung eines zehn Jahre alten Best-of-Albums. Bonusfrage: Welche Songs werden wohl auf „20 Years Of Five Finger Death Punch – Best Of Volume 2“ zu hören sein?
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 3.5 / 10


