CD-Review: Green Carnation - A Blessing In Disguise

Besetzung

Kjetil Nordhus - Gesang
Tchort - Gitarre
Björn Harstad - Gitarre
Bernt A Moen - Keyboards, Piano
Stein Roger Sordal - Gitarre, Bass, Harfe
Anders Kobro - Schlagzeug

Tracklist

01. Crushed To Dust
02. Lullaby In Winter
03. Writings On The Wall
04. Into Deep
05. The Boy In The Attic
06. Two Seconds In Life
07. Myron & Cole
08. As Life Flows By
09. Rain


Nach dem überaus interessanten und ambitionierten Vorgängeralbum “Light Of Day, Day Of Darkness” präsentieren uns Green Carnation nun wiederum ein gelungenes Werk, diesmal zwischen Hardrock, Alternative, Psychedelic und Gothic. Generell löst sich die Band aber zunehmend von progressiven Songstrukturen und erfindet sich eher in jedem der neun Stücke des Albums neu – daher auch die große Stilvielfalt.

Verwöhnt von der träumerischen, sich langsam steigernden Atmosphäre und den vielfältigen Stimmungen des Vorgängers, wirkt der Opener „Crushed To Dust“ hier zunächst etwas platt und deplatziert. Er stimmt den Hörer aber vielmehr darauf ein, was ihn im Verlauf der guten Stunde, die vor ihm liegt, erwartet. Kernige Gitarren, erstklassige Hooklines und träumerisch-introvertierte Hymnen sollen erkundet werden. „Lullaby In Winter“ bringt nun aber genau das hervor, was man von der Band hören will: Epische Balladen der psychedelischen oder der Gothic-Art. Das können sie meiner Meinung nach am besten. Ganz ohne Klischee schafft es auch dieser Song, den aufgeschlossenen Hörer zu überzeugen, auch wenn dies vielleicht einige Hördurchgänge benötigt. Songs wie „Writings On The Wall“ und „Into Deep“ bringen dann die etwas härteren Phasen des Vorgängeralbums (das man unbedingt kennen sollte) zurück ins Gedächtnis. Der einzige Unterschied: Man fasst sich hier deutlich kürzer, knackiger, präziser, auch wenn dadurch etwas Atmosphäre verloren geht. „The Boy In The Attic“ und „Two Seconds In Life“ sind beides tieftraurige, aber Seelenheil spendende Songs mit einem gelungen Spannungsaufbau. Mit „Myron & Cole“ kommt sodann ein richtig guter Progmetalsong aus den Boxen – nur rockiger, tighter und eingängiger als ihn Dream Theater jemals geschrieben hätten. Als wenn nicht spätestens hier jeder die Genialität dieser Band erkannt haben müsste, schieben sie für die restlichen Zweifler noch „As Life Flows By“ nach: Hier wird auch mächtig drauflosgerockt! Die Melodiebögen mit dieser Bassline im Strophenteil hören sich einfach erstklassig an. Ein Song nicht für das Progmetal-, eher für das Hardrockpublikum. Bei dem abschließenden „Rain“ bekommt man noch einmal eindrucksvoll verdeutlicht, wie gefühlvoll Musik sein kann – Text und instrumentales Fundament: Alles erste Sahne!

Mittlerweile dürften Green Carnation für so ziemlich jeden Fan von anspruchsvoller Rockmusik was zu bieten haben. Das Debüt lieferte noch lupenreinen Doommetal. „Light Of Day, Day Of Darkness“ folgte und brachte uns einen neuen Stilmix: Prog-, Sympho-, Gothic- und Doommucke in einem. Und nun das: Hardrock und Alternative erhalten Einzug in das Repertoire der Band. Wohin wird die Reise beim nächsten Release gehen?

Fazit: Auch wenn Output Nummero 2 „Light Of Day, Day Of Darkness“ das innovativste Album aus künstlerischer Sicht ist und von daher ungeschlagen, kann man der Band nicht vorwerfen, sich auf “A Blessing In Disguise“ nicht weiterentwickelt zu haben. Sie nutzen mit dem kürzeren Songformat und den teilweise anderen Stilmitteln nur andere Möglichkeiten, sich auszudrücken, wandeln auf diesen Wegen aber genauso erfolgreich.

Bewertung: 8.5 / 10

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