Review Green Carnation – A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia

GREEN CARNATION haben einen langen stilistischen Wandel hinter sich. 1990 im Death Metal gestartet, fanden über die Jahre auch Elemente aus Gothic, Doom, Progressive und Heavy Metal sowie Hard Rock ihren Weg in die Musik der norwegischen Formation. Fünf Jahre nach ihrem letzten Streich „Leaves Of Yesteryear“ steht bei GREEN CARNATION die Umsetzung einer Trilogie an. Mit „A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia“ hat die Band nun den ersten Teil dieses Mammutprojekts vorgestellt und wendet sich dabei stilistisch vornehmlich der „A Blessing In Disguise“-Ära zu.

Die musikalische Ausgestaltung des Dreiteilers startet mit „As Silence Took You“, einem Stück, das wie eine Mischung aus …IN THE WOODS und NIGHTWISH klingt. Satte Gitarrengrooves, angereichert mit düster-pathetischen Twin-Leads, erzeugen vom ersten Moment an eine packende, schleppende Atmosphäre. Danach leitet Sänger Kjetil Nordhus, begleitet von sanften Keyboards, in eine ruhige Strophe und einen dynamischen Refrain, dessen zarte Melancholie wunderbar zum theatralischen Hauptthema des Songs zurückführt. Zur Hälfte des Stücks umschmeicheln sich Drums und Gitarren sogar kurzzeitig in feinster Nachtwunsch-Manier.

Das folgende „In Your Paradise“ erinnert mit seinen Riffs zunächst an THE OLD DEAD TREE und wird durch stilvolle Lead-Gitarren und ein schönes Bläser-Intermezzo aufgewertet. Der einfache, aber eingängige Refrain bildet dazu den perfekten Gegenpol. Kurz darauf hat Drummer Jonathan Alejandro Perez auf „Me My Enemy“ seinen goldenen Moment zwischen Jazz und Fusion, während sich der Bass von Stein Roger Sordal geschmeidig an die sanften Gitarrenläufe seiner Kollegen Tchort und Bjørn Harstad bindet. Ein klagendes „… maybe I’m stuck in the past …“ von Kjetil Nordhus macht die Melancholie perfekt und ruft ein kleines RIVERSIDE-Gefühl hervor. Grundsätzlich kann man ihm hier die beste Gesangsperformance auf „The Shores Of Melancholia“ attestieren.

Apropos Gesang: Wenn man schon eine brachiale Death-Metal-Nummer wie „The Slave That You Are“ ins Werk setzt, schadet es nicht, sich Grutle Kjellson von ENSLAVED ans Mikrofon zu holen. „The Slave That You Are“ ist nicht zuletzt durch dessen Growls der härteste Song auf „The Shores Of Melancholia“. Auch dass die Band hier stellenweise ungehemmt Gas gibt, weiß bei all der Melancholie zu gefallen.

Das abschließende Doppel „The Shores Of Melancholia“ und „Too Close To The Flame“ vereint noch einmal die Stärken des aktuellen Albums von GREEN CARNATION. Ersterer bietet erhabene Melodien, die sich mit dezenten Keyboards und rockigem Drive verbinden, während letzterer als Schlusslicht die Höhepunkte von „A Dark Poem …“ rezitiert: von treibenden Rhythmen bei Gitarren und Drums über stilvolle Keyboards und Gitarrensoli bis hin zum souveränen, emotionalen Gesang. Runder kann man ein erstes Kapitel kaum abschließen. Fast schade, dass eine Trilogie ein Gesamtwerk darstellt – die Höchstnote jetzt zu vergeben käme einem Schnellschuss gleich, deshalb …

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Wertung: 8.5 / 10

Philipp Sorger

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