CD-Review: Heilung - Lifa

Besetzung

Kai Uwe Faust
Christopher Juul
Maria Franz

Tracklist

01. Opening Ceremony
02. In Maidjan
03. Alfadhirhaiti
04. Carpathian Forest
05. Krigsgladr
06. Hakkerskaldyr
07. Ylgija - Futhorck
08. Orthan
09. Hamrer Hippyer


Der spirituelle Pagan, wie ihn Wardruna mit ihrer „Runaljod“-Trilogie quasi begründet haben, liegt aktuell voll im Trend. Mit HEILUNG haben sich nun auch Season Of Mist „ihre“ naturmystische, geschichtsbegeisterte Neofolk-Truppe gekrallt: Parallel zur Wiederveröffentlichung des Studio-Debüts „Ofnir“ macht das französische Label nun auch das 2017 auf dem Castlefest aufgenommene Live-Album der Band wieder verfügbar.

Schon der Konzertbeginn ist außergewöhnlich: Einer Gebetsrunde gleich werden in der „Opening Ceremony“ leicht esotherisch-naturverbunden angehauchte Verse vorgetragen und nachgesprochen. Sodann erschallt ein mächtiges Horn und das, was kaum noch „Konzert“ zu betiteln ist, beginnt: HEILUNG lassen Vöge zwitschern und Wind rauschen, rhythmisches Trommeln und der kehlige Gesang von Kai Uwe Faust lassen vor dem inneren Auge eher ein Schamanenritual auf einer einsamen Lichtung in finsterstem Walde denn eine Festivalbühne auftauchen.

Denn so sehr man HEILUNG auch ankreiden kann, dass das Bandkonzept doch sehr deutlich bei Warduna abgekupfert ist, so sehr muss man dem live von diversen Musikern und Sängern unterstützten Trio andererseits zugestehen, dass das Resultat ihrer Mühen sein Ziel nicht verfehlt: Wer dem spirituell-rituellen Charakter der Musik nicht gänzlich abgeneigt ist, bekommt hier in der Tat eine einzigartige Kombination aus archaischen Klängen und spiritueller Atmosphäre geboten. Letztere ist durch den Live-Vibe der Platte nochmal deutlich ausdrucksstärker als auf dem parallel wiederveröffentlichten Debüt-Album „Ofnir“: Man hat fast das Gefühl, Band und Publikum trieben sich hier gegenseitig in eine Art Trance.

Es wird geheult und getrommelt, beschworen und geschrien, und dazwischen verzaubert Maria Franz die Zuhörerschaft immer wieder mit ihrer kristallklaren Stimme. Im Hintergrund heulen mal Wölfe, mal krähen Raben. Schwerter werden gewetzt, Knochen aufeinander geschlagen und historischen Instrumenten skurrile Klänge entlockt.

Das Konzept wird (wie im Live-Video zu sehen) auch im Auftreten der Band weitergeführt: Auf der reichlich mit Schädeln und Geweihen dekorierten Bühne treiben sich Wikinger-Krieger in voller Rüstung und Medizinmänner in wilden Fantasie-Kostümen herum. Wie schon beim Studioalbum „Ofnir“ kann man HEILUNG auch hier vorwerfen, es mit allem etwas zu übertreiben – schaut das Ganze am Ende doch eher wie eine skurrile Theater-Inszenierung denn wie ein Live-Konzert (oder irgendetwas, das etwas mit authentischer Darstellung von Geschichte zu tun hat) aus.

Für den Genuss der Musik sind diese Bilder glücklicherweise nicht von entscheidender Bedeutung. Und was man vom Bandkonzept und von dessen Umsetzung auch halten mag, kommt man doch irgendwie nicht umhin, sich von dem gerade in der Live-Darbietung sehr kraftvollen, archaisch-martialischen Charakter der Musik mitreißen zu lassen: Von beiden nun wiederveröffentlichten HEILUNG-Releases ist das Live-Album „Lifa“ mit seinen 75 Minuten Spielzeit definitiv der, an dem für Genre-Fans mit Faible für spirituelle, atmosphärische oder naturverbundene Klänge kein Weg vorbeiführt.

Keine Wertung

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